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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-12-25 · N° 52. (25.12.1890) · p. Seite 204

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 52. (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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hotte selbst flink etc. Kit demselben Muthe der cnwissenbeit and mit nicht mehr Berechtigung wird von dem Herrn Kritikus eine These über den Gebrauch der Versichert»gspsrtikel: ״gewiss“ *nfgestellt, die zu erweisen ihm nicht leichter feilen dürfte, als jene von dem schlesischen Provinzialismus _flinku. Jedes deutsche Lexikon und die meisten fremdsprachneben unter dem entsprechenden 'Worte, wenn der Herr Kritikus sie tu handhaben versteht, wird ihm Aber den ausgedehnten Gebrauch dieser^Tersicherungspertikel Aufschluss gaben. Seine Vennutbung Aber den Einfluss der juden-deotarhen ״ewade“ auf den angeblich mir eigenthfimlichen Gebrauch dieses Wortes ist weder zutreffend noch wissenschaftlich; nicht zntTefiend, denn ich habe diesen Jargon nie gebraucht; nicht wissenschaftlich, denn vorausgesetzt, dass ״ewade“ in diesem Sinne angewendet wird, so erscheint umgekehrt diese Bedeutung des alten ״waddaj“ das als selbstständige Versicberungspartikel wohl gebraucht worden ist, erst durch das deutsche ״gewiss“ beeinflusst. Aber der Hert Becensent A. Levy tadelt nicht bloss; er will such besser machen: er bedauert, dass ich geschrieben habe: ״ans ähnlich“ nnd findet ״nach unserer Aehnliehksit“ zweckmässiger, weil es, wie er ironisch bemerkt, Gelegenheit za moralischen Eröiternngen gebe. Die Gelegenbeit habe ich, wie er ״gewiss“ snznftkhren vergessen hat, ausgiebig benutzt. Der Ausdruck aber ist, wie jeder Deutsche mir Zugaben wird, nicht diesmal eia Provinzialismus, sondern einfach nndeutseb. Von ähnlichem Kaliber sind auch die andern sprachlichen Bemerkungen Der deutsche Stil ist offenbar Herrn A. Leyy’s starke Seite nicht, vielleicht der jüdisch-deutsche Aber auch in diesem Idiom vermag er wissenschaftlich nicht za denken, wie ich gezeigt habe. Herr A. Levy kennt 2. den Titel des Burhes nicht, das er kritisirfe' ,,Kinderbibel von Badt״ lautet sein Thema. Mein Bach aber heisst: Kinderbibel. Biblische Erzählung en für die isr&el Jagend etc. — Der Unterschied zwischen dön beiden Titeln ist nicht gleichgiltig. Aufmerksamkeit auf den Titel meines Buches hatte den Herrn Kecensenten vor einer argen Enttäuschung bewahrt. Er hat, so klagt er, naben den Erzählungen auch Auszüge aus den didaktischen, prophetischen and poetischen Theilen der Bibel, wie sie für das Kindesalter angemessen sind, za finden erwartet Daan war er nach dem Titel des Baches (Bibi. Erzählungen) nicht beiechtigt. Dazu hätte er auch dem Verfasser, den er ja als ,Menschen, Lehrer und Gelehrten“ gleich hoch schätzt!wie hoch?) zu viel pädagogischen Takt zatrauen müssen. Jene Theile der Bibel sind für das Kindesalter nicht geeignet, and jeder Versuch, sie für die Jagend zu bearbeiten, wira ein verfehlter bleiben. Beiläufig gesagt, das ist auch der Grund, weshalb in meinem Bache von den Propheten weniger gesprochen wird, Wenn aueh nicht in dem geringen Masse, wie der Herr Becensent meint. Didaktisches aas dem Gebiete der Ethik findet der Herr Becensent in reichem Masse auf S. 48 bis 50, in den Erläuterungen und in den Sprüchen. Also auch daa Titelblatt des von ihm besp! ochenen Buches war Herrn A. Levy nicht bekannt. Er ist 3. auch m it dem Gegenstand meines Baches nicht genügend vertrant. Um die Geduld meiner Leser rieht zu erschöpfen, nnr einige Beweise für diese Behauptung. Es heisst in meinem Bache: Lot ging nun zu den Verlobten seiner Töchter. Der Herr Becensent erklärt diese Darstellung nicht für falsch, aber für midraschiscb. Der Midrasch soll hier offenbar discreditiereu. Aber Mendelss o h n {Schwiegersöhne, die seine Töchter nehmen sollten) and Zuai (Schwiegersöhne, Freier seiner Töchter) — andere Uebersetzer sind mir im Augenblick nicht zur Hand — fassen diese Stelle nicht anders auf, eine Uebersetzang, für die auch V. 8 dieses Cspitels zeugt, den ich natürlich in der Kinderbibel nicht habe anlühren können, wo Lot von seinen Töchtern spricht: ״dis noch keinen Mann kennen.“ So viel Bekannt- Schaft mit dem biblischen Text ist doch mindestens dem Kecensenten einer ,Kinderbibel“ zuxatraaen! Aach dss gefällt dem Herrn Becensent nicht, wenn Esau in der Erzählung seine Gleichgiltigkeit gegen dss Recht der Erstgebürt mit aen ־Worten begründet: Ich muss ja doch einst sterben, was soll mir da das Becht der Erstgeburt. Das sind aber doch beinahe dis Worte der Bibel: Siehe, ich gebe zu sterben, wozu da mir die Erstgeburt? (wörtlich). Diese Stelle steht ja nicht im Midrasch sondern in der Bibel Gen. 26, 32. Midraschrsch und darum (!) unstatthaft, soll ferner Jacohs Ausspruch nach seinen bekannten Träumen sein: Auch hier ist Gott, dss wusste ich nicht! Meiner Ansicht nach ist eine andere Deutnag als die sogenannte midrsschische der ganzen Situation widersprechend Ich bitte den Herrn Becensauten meine Erläuterungen zu dieser Stelle zu vergleichen. ,Falsche Vorsts! langen, m dm Seele eines Kindes erweckt, wirken har acbidliet■“, meint dag Herr Verfasser. Dar Satz ist unbestreitbar, ׳wenn auch nicht gerade neu. Was aber ver• Herrn R<vWisenten za dies am Weisha itawort? Meine Bemerkung: -״Noch heutzutage verherrlichen die Psalmen,- die David gedichtet, den Gotteedienst fast der ganzen Welfe“ Dieser Satz, ohne jede Einschränkung, lehre den Kindern Falsches. Ich verstehe den Herrn Beeensanten nicht. Meint er. ich hätte in der Kinderbibel Bibelkritik treiben sollen. — Fast scheint es so, denn auch der Satz: Jsaaia sei im Todesjahre Usia’p zum ersten Male öffentlich aufgetreten, ist nach ihm falsch. Natürlich bezog ich mich auf das herrliche 6, Kapitel dieses Propheten, das mit den Watten beginnt: Im ן Todesjahr des Königs Usia .... j Doch genug der Einzelheiten. Ich glatdie, es geht aas | ihnen zar Genüge hervor, dass Herr A. Levy auch den Gegen- | stand nicht ordentlich kennt, den mein Buch behandelt. Es ' ergiebt sich aber daraus auch von selber, dass er ein rechtes | Urtheil darüber nicht habe. Das beweist der Herr Becensent 1 zum Ueberfluss gleichfalls. Er findet meine Auffassung von der | Schöpfung der Welt ״naiv“. Meint er etwa, dass man die bibl.! Schöpfungsgeschichte anders als naiv erzählen solle? Ich will; den Kindern eine Vorstellung von den Chaos gehen in den I Worten: Aber Himmel und Erde flössen und wirbelten nach durcheinander. ״Was hat Verfasser sich dabei gedacht?“ tragt er voll unschuldiger Verwunderung. Darüber, was lüglich hätte übergangen werden können, und was nicht, lässt sich streiten Allen alles recht machen kann man nicht, und ich fürchte, dem Herrn Recensenten hätte ich es nie recht gemacht Aber!' dachte, die Geschichte vom Taimban zu Babel, die übrigens 9'/, Zeilen erzählt ist, sollte keinem Lehrer überflüssig scheinen{ Welch herrliche Lehren über das trotzige Pochen auf Menschen kraft und Menschenwitz predigt diese 6chlichte Erzählung Manches habe ich deshalb nicht weggelassen, weil es aussei halb des Rahmens der bibl Geschichte bereits ein Beetandthe{ gewissermassen allgem. Volksvorsteilangen oder Cnltursprachi geworden ist. Dahin rechne ich ächibolet, die Pflanzung di Weinbergs durch Noah u. ä. — Doch wie gesagt: die Ausw< ist Sache des Geschmacks und der Erfahrung, darüber li sich nicht rechten. Ich constatiere jedoch mit Genugtha dass von allen zu meiner Kenntnisa gelangten lö Beurteilui der Herr A. L. mit seinem Geschmack allein st Noch Eins. Der Herr liecenseDt loht an meinem B! den grossen Vorzug, dass es die biblischen Erzählun in gedrängter Kürze darbiete, sie bis zar m bäischen Zeit tortführe und nicht den Umfang von: Bogen überschreite “ Aber dann hätte er meine Bevorzug, der indirekten Bede nicht tadeln sollen. Dadurch ist es | möglich geworden, knrz zn sein. Wirklich Nebensächliches in ״epischer Breite“, wie der Herr Becensent sich auszudrüc' beliebt, an keiner Stelle erzählt (die 4 Worte: aus e i t Kippe der Menscnen leiden wohl nur in Levy’s Au| an epischer Breite?) Die wichtigsten Stellen der Bibel,, weit sie für Kinder geeignet sind, habe ich direct uffe,^ wortgetreu angeführt. Ist mir manches auf den erst# Wurf nicht gelungen, so will ich meinem, in der Vorrede ä gebenen Versprechen gemäss, falls gegen den Wunsch § Herrn Becensenten eine zweite Auflage meines Büchleins nög wird, in dieser jeden treundlichen Wink aus lacbmänniacj■ Kreisen mit dankbarer Aufmerksamkeit benutzen. So hätte denn Herr A. Levy in keiner seiner Ausstell# recht? O nein, ich bin ihm für den Nachweis manchen Otf fehlere dankbar und für manche Anregung nntergeop' Art. Im grossen und ganzen aber thätc er beeaer, g von oben herab zu docieren und mehr zu lernen. Zwecke dürften ihm meine ״Erläuterungen“ vielleicht. Nutzen bieten, die ja auch nach seiner Ansicht Personen (sic!) welche, ohne dazu vorgebi 1 Je*!, sein, den Unterricht in der biblischen Geschieht er theilen sollen, wohl empfohlen werden können. Breslau, den 18. December 1890. Dt. Badt, Oberlehrer. Litterarische Notizen. Zur Basehtstelle Deut. 6,4. Aut die Frage des Herrn jj in H. in vor. No. nach der Quelle -des von Remohi a citirten Midrasch, erwiedere ich, dass sich allerding unseren Midrsachcompendien der betr. Midraaah nicht : aber Raschi lagen noch andere Midraschsammlang Deuteron, vor (cfr. Baschi za Genes. 29,34), und in eined selben mag sich jener Midrasch befinden. (Vgl. auch ’ * wort za den von mir herausgegebenen □לסן&י at MHl מדרש וכרים•) Eine jenem Midrasch ähnliche findet sich injsr. Meguia iv. 1. (foi 74) .»נתנה תורה ע*י סרסור• Uebrigena bezieht sich obige RaschisteU Deut. 6,5. I Lemberg, 21. December 1890. Salomon BubJ BcrlchUgaaj: ln voriger Na 8. 199s unter ׳״ bitte ich nach (1742; ״der sin and zwanzigste“ n: Z. statt Mittwoch ״Donnerstag’1 au lese■■ Hedactea^ Dr. Bshmsr, Magdsbarg. Drask tm D. L. Welf^L Maedabarg. Verlag von Robert Friss«

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