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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-11-20 · N° 47. (20.11.1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 47. (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer, welche direct oder durch Bobert Frie dis« he iben Bogen Preis bei allen Baohheadlangea (ln raelitisonen Woohensohriit“, die rierteljthrlioh bai he Iaitteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit sind an die Expedition dieses Blattes an senden e Inserate einsenden, erhalten 26 Rabatt. Inhalt: W issen schal' t liehe Auf 8 ätze: Die Bedeutung des mosaischen OffenbarQDgsglaabens im Judentham. Von Dr. Auerbach. (Schluss.) — Die Judengemeinde in Meissen. L i tt erat u rbe rieh t: Juden in Freiburg i. B. Von Babb. Dr. Adoli Lewin. Litter arische Notizen: Drei richtige Lösungen auf die Anfrage in No. 43. London. Cambridge. Inserate. Litterarischer Anzeiger. Unbeiugter Naekäraek aus diesem Blatte ist sieht gestattet. Die Bedeutung des mosaischen Offenbarungsglaubens im Judenthum. VortTag gehalten von Dr. Leopold Auerbach in Berlin. (Schluss.) Dieser Satz wurde bis in anser Jahrhundert hinein von der grossen Masse der Bekenner des Jadenthums als etwas Selbstverständliches, an sioh völlig Unantastbares auigefasst. Denn der Glaube an einen Gott, wie ihn die Religion lehrt, war in der ganzen oivilisirten Welt ein allgemein verbreiteter, er bildete in der öffentlichen Meinung eine unwiderlegbare Wahrheit; ein Zweifeln an Gott wardeals Symptom einer Geisteskrankheit erachtet, and der Glaube an seine Offenbarung, für welohen unsere Vorfahren lange Leiden erduldet haben, war jedem Israeliten 80 theaer, dass er weit entfernt war, einen geistigen Zwang zn bilden. Aaf diesen Glaubenssatz war der Israelit stolz, in ihm erbliokte er mit Genugthnung das, was ihn über die weltliche Unterdrückung erhob, was ihn mathvoli aas dem Staube, in welohen er von seinen Unterdrückern gewälzt worden, wieder aafrichtete. Der Glaube an die Offenbarung wurde gar nicht als ein zwingender Glaubenssatz, als Dogma, anfgefasst, sondern als eine W o h 11 h a t, ein Vorzng, welchen Gott seinen Bekennen! habe zu Theil werden lassen; and es konnten zu jener Zeit jüdische Gelehrte in gewissem Sinne mit Recht behaupten, dass das Judentham, im (Jegensatz za den anderen monotheistischen Religionssystemen, keine Dogmen habe. — Erst die moderne Zeit mit ihrer ausgesprochen naturalistischen Lebensauffassung hat den Glauben an Gott und an seine Offenbarung za einem Dogma, zn einem zwingenden Glaubenssatz für Diejenigen gestaltet, welohe von der modernen atheistisch angehaaobten Richtung ergriffen worden and za zweifeln begonnen haben. •Im Interesse dieser Zweifler sowohl als aaoh des Jadentkams an sich, glaubten Männer, welohe sioh bot Ausübung eine• massgebenden Eiaäasses berufen fühlten, za handeln, wenn sie von dem jüdisoheii Gottesglauben den Glauben an die Offenbarung über Bord warfen und nur len Glauben an die Existenz and Einheit Gottes au 'reoht erhielten. Sie vergassen aber dabeir_ dass gerai le in der Gegenwart, in weloher der Atheizmas den llonotheismas in den breiten ächiohten der Bevölkerung za verdrängen beginnt, dnroh die Be*... - seitigang les Offen barungsglaabecs dem Gottesglsaben jede Basi! entzogen wird. ־Woher weis» man denn, dass Gott d. h. eia selbstbewusster Sohöpfer uni Leiter de! Weltalls existirt? Die Wissenschaft gewährt leinen Anhalt, weder für noch gegen die Annahme der Existenz Gottes, nnr die religiona• gesohiohtl ohe Ueberliefernng von den Vorfahren aaf die . faohkommen allein, gekräftigt daroh die überzeaga ugstreae Aafopferang voa Leben and von ' Vermögen für die Wahrheit dieser Ueberliefernng,! bietet die feste Grundlage für den Gotteaglaaben. Daroh di »se Ueberliefernng, dass sioh Gott unsem Vorfahren offenbart and dadurch seine Existenz dooamentirt habe, allein wird der Gottesglaabe erhalten, fällt dieser Offenbarangsglaabe,• so hält sich, im mens! hlichen Gemüthe wie ein schwankender Strohhalm nooh einige Zeit der Glaube an einen Gott, bis sr beim nächsten Andringen des Atheismus za Boden geworfen wird. Jene Männer, welohe den׳ Offenbarungsglaaben über Bore warfen, am den sog. reinen Monotheismus za erhalten, sehen bald genag an sich selbst die Früohte il :res Thuns, sie selbst verlieren den Gottesglaaben 1 ind tragen ihn äasseriioh nur nooh zar Schau, we 11 sie sich scheuen, ein Priacip öffentlich ca leugnen, welohes der Staat als existent betraohtet, indem er 1 ie Lästerung Gottes unter Strafe gestellt hat. Der z veite Einwand gegen die Aufreohterhaltang des Offei barangsglanbens als Inbegriff des Jadenthams w rd nooh viel häafiger erhoben. Die Aafreohterhal tang des Offen barangsglaab ena bilde, wie allgemein eingewendet wird, einen Gewissensswang für alle diejenigen, welohe an religiösen Einriahta igen des Jadeathams theiluehmea wollen, aber die t entatenohisohs Ueberliefernng von dar Offenbarangr Gottes nioht glauben können. Dieser Einwand ist saohlioh völlig grandios, er wird, mag man aaoh die liberalen Anschauungen des sooit 1-politisohen Lebens aaf das religiöse Leben in vollem Umfange übertragen, dacoh niohts gestützt. Die Phrase ,Gewissenszwang* ist in religiösen Angelege: heilen ein Sohlagwort geworden, womit jede- Sn wlne seine Abneigung gegen irgend welohe ihm unbi quem gewordene Eknriohtaag begründen and für i ire Beseitigung agitiren ca können glaabt. £

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