Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 44. (29.10.1890)
- Date
- 1890-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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»44. Jüclisehi Jfthrg.XXt Herausgegebe Cu Mnehtuc «n«r J«4utb■■• •a* Jm4m ttIr WM«■ mtarulwk«■ Kr- *Un■!■ mf 4mm SakUU «r Pkll•- MfU•! SoaUakt*. Mufiifkl•, Uh• •dt. OHmttUt, blt», ■MBilatlk. utudk m. nurnik. Rabbiner Dr. ■orits Rehmer. 0t£a<j9e6*1^, 29. &cto&tx> 1890. Mckar karatkMkUdc«■ Lttlw*tw,««iee 4ar MhI n nf *I •■Ha•■ M■ 1■ *Mm■ Blatt« iknklab!»■!ritkBm« M «Mm»I■»■ m avat BmulM■■ bwilana «Mit *■■all« kmm ''־ eratla.IaMrtlM. IBS Das gJMisehe Littermtmr-BlatU4 areoheint w&ch«ntlioh in einem Leipzig bei Robert Friede) pro Jahrj;y1gJI *Ark. Abonnenten dar 1 talban. Bogen Praia bei allen Bn ohhanrtlneg— (in «laraalitiaeban Wochenschrift“, die ▼i*rta)|kbrUob bei allen' Poatanatalten and Bnadihandlangen riUrk zahlen, erhalten daa ״Jadjtohe Litteratur-Blatt“ gratis'— Inserate werden *»ii tt Pf. Mr die geapaltene Petitaeile, Beilagen mit SO Mark, bereohnet an<t aind an die Expedition dieaea Blattaa an' aendeb Baohhlndlar a. Lehrer, welche 4>reot oder durch Robert Friese Xnaarate einaanden, erhalten 36 X'Bebakt, Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Sind Ablass und Probabilismus im Judentbum begründet? Von Rabbiner Dr. M. Ghdemann in Wien. Litteraturbericht und Recensionen: Joab. Trauerspiel von Friedrich Wilhelm Hildebrandt. (Schluss.) Littei arische Notizen. Antwort. Inserate. Litterarischer Anzeiger Hassoretischea. UaSsfsftsr Naehdraek aut diesem Blatte i«t nicht!aatattaL Sind Ablass und Probabilismus im Judenthum begründet? Von Rabbiner Dr. M. Gttdemann in Wien. £8 kann der jüdischen Wissenschaft gewiss nar frommen, wenn sich auch christliche Gelehrte mit dem nöthigen Ernste nnd ohne Voreingenommenheit ihr cuwendec. Dass diese für jede wissensohaflliohe Bestrebung geltenden Bedingungen nicht von allen christlichen Forschern bei Besprechung jüdisoher Dinge eingehalten werden, ist bedauerlich, aber natürlich. Die christlichen Gelehrten sind canäohst, ja fast ausschliesslich in der Lage, die Wahrheit über das Jndenthnm im Volke zu verbreiten, während die Stimme der jüdischen Forscher weder soweit reicht, noch mit solchem Vertrauen gehört wird, wie die ihrer christlichen Kollegen. Iminerhin können auch die jüdisohen Gelehrten viel zar Sache than, zunächst dadarob, dass sie Irrthümern, welobe christlichen Forschern, zumal den redliohen, in jüdischen Dingen unterlaufen, sofort nnd mit den nöthigen Beweisen entgegentreten. Wenn dies nicht ge* schieht, so zieht der einmal aufgekommene Irrthum, da es — dem hebräischen Sprüchwort zum Trotze — der Lüge nicht an geschwinden Beinen fehlt and die Wahrheit immer nur naohhinken kann, immer weitere Kreise and lässt sioh am Ende gar nioht mehr aas* rotten. Auf diese Weise ist dem Jadenthum von christlichen Forschern, nioht etwa aas Böswilligkeit, sondern ans unzulänglicher Saohkenhtniss, schon Manohes eingebrookt worden and wi!<d ihm noch eingebrockt, was za beseitigen, dzs Jaffentham and die Wissenschaft das gleiche Interesse haben. Zorn Beweise diene Folgendes. Ez sind in׳ den letzten Woohen einige Auszüge zns Harnzok’s ״Lehrbuch der Dogmengesohiohte“ durch die jüdischen Blätter gegangen, welchen zufolge der ,Ablass“ and der ״Probabilismuk“ im Jaden• tham begründet nnd daroh dessen Einflaes in die Kirche üoergegangen sein sollen. Daa wären ein paar schöne Kuoknkaeier, die da dem Japantliam ins Nest gelegt werden nnd woran es flb«l za tragen hätte. Ith glaub». nioht, dass es je einem־ Jaden anoh nur] im Tranme •ingefallen ist, seine Beligion, die im Freisinn so weit geht, dass es gar nicht za sagen ist] wie viel man nicht za glzaben braaoht, am noch immer Jade za sein, könnte mit jenen dogmalisih-verknifienen Erfindungen etwas za than haben. Ich habe mir' nan — aal die Anregung-' eines sehr gelehrten Freundes and Glaubensgenossen hin — die betreffenden Stellen bei Harnaok angesehen, and was finde ich? Harnaok führt für seine Behi mptangen anoh nioht den leisesten, quellenmassigen Beweis an, sondern bernft sioh in. Betreff deeAbla88es — auf Siegfried. Dieser wiederum, erwähnt n einer übrigens nar wenige Zeilen amfassenden Notiz den Ablass gar nicht, wohl aber die dogmatiso re Vorstellung, die ihm zu Grande liegt, sagt jndosh auch niohts Qaellenmässiges darüber, sondern bernft sich auf Weber (8ystem der altsynagogalin palästinischen Theologie). Dieser sagt zwar-auch nichts vom Ablass, aber er ssigt Etwas, woraus Si< gfried die Berechtigung schöpfen konnte, zn sagen, ׳ vas er sagt, nnd daraas nahm nan Harnaok wiederum Anlass za sagen, wes weder Weber, nooh Siegfried sagt, dass nämlioh itn Jadenthain nioht bioss der Ablass, sondern aaoh der Pr-obzbilismas begründetsei Die genannten drei Gelehrten sind durchaus würdige Männer,' welche gewiss nai dasjenige niedergeschrieben haben, was sie für wäl r hielten. Aber es war ein Fehler der jüdisohen Gelehrten, dass sie nicht gleich Weber* entgegeoge1 reten sind, welcher, gewiss unabsichtlich,׳ diesen ganzen Battenkönig falscher Behauptungen verschuldet Versuchen, wir denn, ihm beiaakommen. Was innäohat den Ablass betrifft, zo sagt Harnaok, Ljshrb. der Dogmengeech. IQ, 8. 516: ״Es ist übrigens ■ehr wahrscheinlich, dass die Annahme einaa theeaanu meritorotn eine lange religions - g—ohrhtlWin Vorgeschichte hat. 8. Siegfried Hflgentsld'* Zeitschrift .188* S. 366 ״Die £ ihre von einem Schats der guten Wed», aas welchen Entw h&digangeu tar die Stkndsn Anderer imtnnwmsn werden kOnnei l, ist nraprtlngUch durch sraaiaehs FinUtmi in das Jndenthai 1 gekommen, wie bekanntlich #0 me naher Andern in der spi^j& lisohen Dogmatik. Wenn man das, was in Spiegel’• erani!eher Alterthümsknnde II, 341 ff. hierüber ■tobt vergleicht mit dem, was in Weber1* Stetem der altsynag. palistinr. Theoligis 8. 280ff. ■ich findet, wird ■an daran nicht zweifeln kOcni a Da nnn diese Lehr« ihre Gattung innerhalb dar katholisch! a Kirche, nachdem ais Alexander ▼. Halse au* ent aafaesteUi hatte, besonder■ dam Thomas V. Aquino vwdankt, dieser aber bekanntlich den Maimonides ■tieeehrieb (Marz, die Pro ifaetie de« Joel 364—967), so «spafcaht von vom• herein der Ver acht, das» man auch die■# Lehr« aus jüdischen Quallen tntWa a Den näheren Nachweis für dis ThateäoWiohheit dieses Ver taHnisw behalten wir «ns vor, da dsrsalbs hier au weit ft hmq wOrde.“ Mit 'dem «thesaura» meritonua“ hat es folgende Bewandtnis*. In der Kirche gelangte, blonder» seit