Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 42. (15.10.1890)
- Date
- 1890-10-15
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«ine schwierige Aufgabe ■ein, diesen aristotetisohen Geriohtapunkt wegen der psychischen Wirkung, die der erkennte Gegensatz hietoriaoher und dichterischer Auffassung im Gefolge hat, sich ■teta in objeotiver Weite ver Angen an halten und entsprechend an: würdigen. Es reagirt in nna jeden Augenbliok des gegensätzliche Bewusstsein: Wir wissen die Dinge enden, ans einer umfassenderen Erkenntnis der ge* echichtliohen Vorgänge und ihrer Motive.—Wir wollten mit diesen Worten nur auf den unermüdlichen inhern Zwist hinweisen, den bei dem nothwendigen doppelten Massstab der Beurtheilnng anch die Leotüre der ׳ Tragödie ״Joab“ ersengen muss, eine Dichtung, die übrigens sohon anf den Aagenbliok eine gewaltige Schaffenskraft mit massvoll ansgeraftem Wesen erkennen löset. Ein annähernd historisch treues Bild bietet, unserem Erachten naoh, nur der Prophet Nathan in dem Stücke dar, aber auoh er rechtfertigt in einer den geschichtlichen Thatsachen widersprechenden Weise die Unihat Joabs an Abner mit den Worten: ן Blutrache war es, die . der Bruder übte : Für Asseln, des flinkdn Helden, Tod. . Nicht heias' ich gut die grauenvolle Sitte, . j Doch leider, noch besteht sie ja zu Becht. . j Nun starb Asael bekanntlich bei der Verfolgung Abners naoh dem Gefechte bei Chelkath-Haazarim: j für Erschlagene im Kriege bestand aber die Blut* rache nicht zu Hecht. Der historische Prophet ist zweifelsohne anch von wärmeren Sympathien für die Thronfolge Salomo’s erfüllt (8am. 11 12, 25), als er in dem Stücke erscheint, wo ihm nur die strenge ErfÜllnng des Eides, den David geschworen, am Herzen liegt. Was den Hanpthelden des Stückes, den Feldherrn Joab anbelangt, so wird uns derselbe nicht nur als sin von. höchster patriotischer Begeisterung erfüllter Mann geschildert — Patriot war er in der That — sondern auch als Mann vou reinstem idealen Streben und wahrhaft gottesfürchtiger Gesinnung, der noch' in der letzten Stunde seines Lebens das Haus des Herrn aafsacht um versöhnt mit Gott, namentlich wegen der Beihülfe zum Tode Urija’s, aus der Welt zu soheiden. Es fällt nun allerdings im Hinblick auf die historische Dartellung der biblisohen Urkunde schwer, sich mit den ihm im Stücke zagesohriebenen | Charaktereigenschaften vollends zu befreundeD, denn! selbst wenn er Abner, wie er vorgibt,- in Eücksicht auf die Sicherung des Davidischen Thrones niedersohlüg, so war doch sein heimtückisches Verfahren, das er dem Abner, wie später dem Amasa gegenüber, beobachtete, eines Helden wenig würdige er musste im offenen Zweikampf diesen Männern gegenübertreten. Von König David gar nicht au reden, der sohdn durch die auf dem Sterliebette seinem Nachfolger aufgetragena Dankespflioht gegen di« Nachkommen Barsilai’s keineswegs za dem Bilde passen will, in welchem er im Drama vor uns erscheint, als ein in vorgerücktem Lebensalter von selbstsüchtigen Interessen erfüllter Mann, von Weiberlist umgarnt nnd mit mehr äasserlioh zur Schau getragenem frommen Sinn. Bath-Seba wird uns geschildert als ein Weib mit schlauem Sinn und verschlagenem Gemütb, die mit bewusstem Unrecht ihr ganeee Sinnen und Trachten dahin richtet, duroh Sehmeiobelworte ihrem Sohne den Thron za siohern und erst späterhin, als ihr Herzenswunsch erreicht,, ihr Unrecht duroh Fürsprache für Adoinija beim König, als Jener die Abisag zum Weibe begehrt,, wieder gut za machen bestreut ist. Die historische Auffassung wird auch hier, wie wir glauben, eine andere sein müsse□, der Prophet Nathan sieht 8ioh veranlasst der Beth-Seba bei der Erhebung Adonija’s einen wohlgemeinten Rath zu ertheilen für ihre und. ihres Sohnes Bettung (Könige 1, 1,12). Während Salomo ferner auf den ersten Augenblick schon das Bänkespiel Adoaij&’s bei seiner Bewerbung um die Abisag durchsohant, lässt sich Bath-Seba als Werkzeug gebrauchen für Adonijas wohl angelegten Plan, ohne dass 6ie vorher die so nahe liegeude Frage erhebt, warum Adonija mit seinem gerecht erscheinenden Begehr sich nicht direkt an den König wendet. Was Davids Herz dauernd an Bath-Seba kettet, ist zweifelsohne die Wahrnehmung ihrer aufrichtigen Trauer um des Gatten Tod (Sam. H. 11,26), vielleicht erfahr Beth-Seba späterhin auch vou der Veranstaltung Davids zur Beseitigung ihres Mannes;, um nun den zu gewärtigenden Gefühlen der Enttremdnng oder Missachtung in wirksamer Weise zu begegnen, bietet David in seinem schuldbewussten Sinne Alles auf, um zum mindesten eine beruhigte Stimmung bei Bath-Seba herbeisaführen. Er hat ihr,, wie man mit gutem Grand annehmea darf, schon für den ersten männlichen Nachkommen die Thronfolge zagesagt, daher auch die ungewöhnliche Niedergetchlagenheit, Davids bei der Erkrankung des ersten Kindes der Bath-Seba, obsohon es nur wenige Monde oder Wochen zählen mochte (Sam. II 12, 16 u. 17). (Fortsetzung folgt.) . 2*י SewssterweekMl I bringen wir die bewahrten nnd in vielen hunderten von jüdischen Schalen eingeführten kehr (fehalUeher von Kakeer in empfehlende Eriueraig: 1. Die hebr. Sehreih- ]Lese- Fibel mit lithograpbirten jttd.- •deutschen Vorschriften. Siebrate vermehrte Auflage, geb. 60 Pfg. *. TeHlla kezars, hebräisch. 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