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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-10-08 · N° 41. (8.10.1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 41. (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer, welche direct oder dnreh Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Anfsätze: Beitrag zur Geschichte des Acosta’schen Glaubensstreites. Von Adolf Waldauer. (Schluss.) Waren die Ophiten eine jüdische Sekte. Von Rabbiner Dr. Goldfahn. Litt eraturbe rieht und Recensionen: Unverfälschte Worte von einem Theologen! — 2. Die Judenfrage und ihre Lösung von Philagathos Litterarische Notizen. Litteiarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte iat nicht gestattet Beitrag zur Geschichte des Acosta’schen Glaubensstreites. Von Adolf Waldauer. (Schluss.) Acosta’s Schrift schliesst nicht mit der Basse and Lösung vom Banae, sondern ergeht 8iob in Sohmähung and Widerlegung der gegnerischen Gründe. Sein Rachedurst tritt offen za Tage, zugleich aber die Einsicht, dass es besser gewesen wäre, wenn er geschwiegen hätte. Inmitten seines Unglücks aber unterstellt sich Acosta der noachidisohen Lehre und anderen vor Abraham verbreiteteten Grandansichten, ein Zag, der geeignet ist, seine Ueberzengangstreae höher anzuschlagen, als de Barrios getban hat. Allerdings ist dem Urtheile David Cassels; ״Aas dem, was über Acosta bekannt geworden, geht hervor, dass er zwar des Mitleids, aber nicht der Hochachtung werth ist, die man Märtyrern ihrer Ueberzengang gern gewährt‘1 nur bedingt zazustimmen. Am klarsten wird die Beartheilung des Mannes durch eine Vergleichung mit den Gegnern. Beide Tbeile fordern na8er Interesse, Acosta als der ,Kämpfende unsere grössere Theiln&hme heraus. Die Leidenschaft des Hasses ist nioht im Stande, das Ringen nach Erkenntniss and Geistesfreiheit za unterdrücken. Anf Grund der sieben Gebote, die Noah nach der Ueberlieferang beobachtet hat, wünscht er von dem Jadenthum getrennt zu sein. Jene de Silva, Abarbanel, Jesurnn sind für ihn Erneuerungen eines Pharisäerthums, das Acosta nur in neatestame1)tliohem Gewände zu kennen scheint. Die Pharisäer, meint er, kennen das erste nnd oberste Gesetz, das Naturgesetz, nioht. ״Dieses Gesetz ist allen Mensohen gemeinsam und eingeboren, verbindet Alle unter einander in gegenseitiger Liebe, ist Lehrer des giften Lebens, soheidet zwischen Gereoht nnd Ungerecht, zwischen Hässlioh und Sohön. Das Naturgesetz I lehrt Liebe zu den Eltern, Achtung vor dem Eigenthum. Der Mensch hat eine natürliche Neigung zur Frömmigkeit und zum Mitleid. Das positive Gesetz ist Zerstörer des natürlichen, wenn es um der Religion willen Elternliebe, Kindesliebe und andere natürliche Empfindungen untergräbt.“ Und dieses Alles ist nadh. Acosta die Schuld der Pharisäer. ״Wenn Jesus von Nazareth“, meint er, ״den die Christen so sehr ▼arehren, hente in Amsterdam spräche, und #8 den Pharisäern gefiele, jenen von neuem mit Geissein za schlagen, deswegen, weil er di• Ueberlieferung jener bestritte und ihnen Scheinheiligkeit vorwürfe, so kann ich in Wahrheit sagen, dass sie dieses frei thun könnten. Das ist gewiss schimpflich and etwas, was nioht ertragen werden düi fte in einem‘ freien Staate, der sich rühipt, Mensohen in Freiheit und Frieden za beschützen und sie dennoch nioht gegen die Unbilden der Pharisäer bewahrt. Wenn aber einer keinen Vertheidiger, oder Rächer hat, so ist es nioht wuuderbar, dass er sioh selbst zu vertheidigen und empfangenes Unrecht za rächen sucht.“ Das äussere Leben des Mannes spielt sioh, wie wir sehen, in Kontrasten und Inkonsequenzen ab. Doch kann man zugleich seine innerliche Daroh• bildung kontinuierlicher verfolgen and einen einigermassen stetigen Prozess in derselben erkennen. Zam Unglüok sind eben die Zeugnisse über diesen Mann nioht ausreichend, am ihn ganz za verstehen. Von christlicher Seite kommt hier der später lebend• Limborch in Betracht, der in diesem Aufsätze nicht berücksichtigt werden konnte. Ausserdem muss tu dem Verständnisse die allgemeine Entwiokelang hinznkommen, welche sioh am Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts im südwestlichen and westlichen Europa vollzogen hat Da wird man finden, dass innerhalb des Christenthams analoge Ersaheinangen in jener Zeit sich begegnen, nnd wird begreifen, warum Acosta seinen Feinden gegenüber sohatalos blieb. Das Ersobeinen von Aaosta’s Bach über die Traditionen der Pharisäer füllt fünf Jahre nach der Dortreohter Synode, wo die Lehre des Arminias**) von der Freiheit and Allgemeinheit der Gnade Gottes verdammt and der greise Freund des Hugo Grotins, Johann von Oldenbarneveldt, zam Tode verartheilt wurde, weil er a. a. die Bärohe Gottes verwirrt habe.*) — Und ähnlich wie in Holland ringt während des dreissigjährigen Krieges in Dentsohland eise Macht der Geistesfreiheit, der Protestantismus, gegen die katho* lisohe Hierarchie. Nioht minder stark wogt der Kampf der Ideen in England, wo diefi&the Karls L, *) Jacob Arminias 1660—1609. *•) Sein Tod am 24. Mai 1619.. VgL Georg ־Web«, ADg. Weltgesoh. Bd. XL, 8. 691.

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