Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-09-04 · N° 36. (4.9.1890) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 36. (4.9.1890)
Date
1890-09-04
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492408-6575064-8757861--2061-4857088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

diams auf, vor Allem jene Stelle 1a lesen und na behelligen, welche in Böm. 12,9 steht and lautet: ״Die Liebe sei mohtfalsoh!“ and dann jene andere I. Job. 3,18, wo es ausdrücklich heisst: ״Lasset ans nioht lieben mit Worten, noch mit der Zange, sondern mit der That and der Wahrheit!“ Znm Schloss fasst Ver£ sein Urtheil darin snsammen, dass Hofprediger Stöcker — Antisemit and Antichrist in einer Person sei In dem Sohlassworte richtet sioh Scholl an die Jaden, vornehmlich an die Babbiner. Die antisemitisobe Bewegung sei nwar eine sociale Erscheinung, habe aber das ״religiöse Vorartheil“ zur Voraussetzung. Diese religiöse Kluft, die müsste aasgefallt werden durch das Anfgeben des Ceremoniells, d. h. daroh Eintritt oder vielmehr durch Umwandlung des Jadenthums in eine freireligiöse Gemeinde. Drei Forderangen sind es, die Verfasser vor Allem stellt: 1. Aal- .geben der Speisegesetze, 2. Verlegung des Sabbath auf Sonntag, 3. Allgemeines Eingehen von Mischehen. — Wenn er meint, wir geben der antisemitischen Bewegang durch Beobachtung der Speisegesetze Nahrang, so müssen wir fragen: Warum hasst man nicht die Vegetarianer noch mehr? Wir sollen ferner den Sabbath auf Sonntag verlegen and doch mü9seu wir immer daran denken, dass das ökumenische Konoil zu Nicäa den Sabbath auf Sonntag verlegte mit der Motivirung, man soll nicht mit den verflachten Jaden denselben Feiertag feiern. Und nan gar die Mischehe? Es ist freilich das radikalste Mittel, am den Antisemitismus za vernichten, dass man das Jadenthum vernichte. Oder bedeutet das allgemeine Eingehen von Mischehen irgend etwas Anderes, als den Selbstmord des Jadenthnms? Nein diese Forderungen können wir nicht erfüllen. Wenn Scholl diese Worte an die Orthodoxen ünd Konservativen unter den Juden richtete, 80 hätte er wissen sollen, dass er da keinen Erfolg haben wird. Er richtet sie aber au diejenigen, die, wie er sagt, ia diesem Punkte mit ihm einverstanden sind. Für die aber war es wiederum unnöthig Forderungen zu stellen, die sie schon ohnehin erfüllen. Wir gehören freilich auch zu dengeschrieben hat, dahin za wirken, dass Friede sei zwischen den Nationen and Religionsgemeinschaften und Einheit nnd Brüderlichkeit unter den Söhnen dea Menschengeschlechtes. B. J. Jüdische Kalender. (Schloss.) Israelitischer Amtskalender für Rabbiner, Prediger,. Lehrer und CantoreD aaf das Jahr 6651, heraasgegeben von Dr. J. Loewy, Rabbiner in Güttingen. Berlin, H. EngeL Dieser Kalender .erscheint im zweiten Jahrgange in derselben, hier and da sogar verbesserten und vermehrten, praktischen Ausstattung wie im vorigem Jahre. Ausser dem bürgerlichen und jüdischen Wochenkalender, einem Notizkalender für alle Tage des Jahres und den sonstigen chronologischen, genealogischen nnd kalendarischen Tabellen nnd den manniglachen Formularen and Rubriken — die hebräische Kethaba ist diesmal panktirt, die deutsche mit unwesentlichen Aendernngen abgedruckt — bringt er an grösseren Beiträgen einen sehr instruirenden Artikel über ״die jüdische Criminalstatistik des deutsehen Reiche»‘־, der die Jahre 1884—87 umfasst. (Aehnliches hat die Isr. Wochenschrift in früheren Jahrgängen gebracht.) Sodann einen Abdruck der ״Synagogenordnung für Hannover“, and einen Teil eines Normallehrplans für 3k'as9ige Schulen : die Vertheilang des Unterrichtsstofles der biblisch-jüdischen Geschichte. Mit Bedauern vermisst man die Forts etzang der im vor. Jahrg. begonnenen, von sachkundiger Hand gefertigten Zusammenstellung der deatschenGesetze, welche sich auf Juden beziehen. (Die entgegengesetzte Behauptung des Verlegers — in Proeptcten nnd Inseraten — ist eine unerhörte, die G renzen der Wahrheit überschreitende fi e c 1 a m e, welche die Kritik, die die Pflicht hat, das Publikair. vor Täuschungen za bewahren, aat’s Schärfst) rügen muss.) Ob der ״isr. Amtskalender“ sich bei den jiddischen Cultusbeamten einbürgern wird, ist unseres Erachtens eine — Geldfrage. Die Brauchbarkeit nnd Nützlichkeit ist unbestritten, aber der Preis (1,50 resp 1,60) ist doch ein zu hoher Es könnte getrost manches alljährlich sich Wiederholende daraus wegbleiben wie die Tatei znr Stellung der Uhr und die zur Angabe der Breitengrade, die Berechnung der talmadischen Münze, Masse und Gewichte, sowie die ganz unvollständige,,Bibliographie“,— wenn der Preis sich dadurch ermässigte. Vielleicht Hesse sich auch eine Verschmelzung dieses Kalenders mit dem durch seine litterar. and belletristischen Beiträge werthvollem Brana-Liebermann’sehen Jahrbuch anstreben, und so das Praktisch-Nützliehe mit dem Belehrend-Unterhaltenden sich vereinigen. Die wünschenswerthe Anschaffung beider scheitert bei den meisten jüd. Cultusbeamten am hohen Preise : 1,G0 und 1,25=2,85. jenigen, welche dahin wirken wollen, dass jene Zeit herannahe, in welcher alle Menschen geeint sein sollen in der Liebe, auch wir wollen wohl waoker helfen, dass dieser Traam der Edelsten des Menschengeschlechtes sich mehr and mehr erfülle, wir wissen aber sehr wohl, dass dieses Ziel um nichts dadurch näher gerückt wird, dass das Volk einen Selostmord begehe, das der Menschheit einen Mose, einen Jesaja, einen Jesus und einen Spinoza gegeben hat! Das Schlusswort wäre besser umgeungeschrieben geblieben. Um so dankbarer sind wir dem Verfasser für sein Bach, das er in der Absicht Litterarische Notizen. ' Hamborg. Herr Dr. Jsidor Hirsch, Sohn des Oberj rabbiners, beabsichtigt eine kritische Ausgabe von Maimonides’ ן Mischnah Commentar herauszugeben. Diese soll neben dem | arabischen Original einen revidirtea hebräischen Text enthalten, j Da9 Werk 8011 aut Sabscription erscheinen nad 5 Bände amfas9en. Paris. Der 31. Bin 1 ״Histoire Litteraire de France“ wird einen sorgfältig aasgearbeiteten Essay Uber die französischen Rabbinen des 14. Jahrhunderts als Fortsetzung znm 27. Band des genannten Werkes enthalten. Die Artikel über den Dichter Jedajah aas Böziers, den Uebersetzer Kalonymos aas Arles, den Mystiker Joseph Caspi aas Birgentiöre und den Mathematiker and Astronomen Levi ben Gerson (Maestro Leo) aas Bagnols werden den grössten Theil dieses Bandes bilden. Litterarischer Anzeiger. Jakob B.Brandeis Bachhandlang inPrag empfiehlt seinen reichhaltigen Verlag in Gebetnnd Andacht»-Büchern vom ei&tachsten bis znm eiegantesten(Leder-,Sammet-,Eltenbeinnnd Elfenbemxxnitation־) Einb&nde; zugleich erlaubt er sich aufmerksam za machen, dass bei ihm soeben erschienen ist: ״Gebetand Andiehtsbneh fQr die Israelit. Jugend.“ Von Prof. Dr. S. J. Kaempt, kais. and kgL Regiernngsrath. Preis: Schön gebund. 70 Pfg., fein in Leinwandb 00 Pfg. franco ngsssndt um 10 Pfg. mehr; sowie die zweite bedeutend vermehrte Auflage von ״Kaoders’ vollständiges isr. Koehbacii mit 767 OriginaLrecepten. Preis brosch. 1 Mk <0 Pf, franco zagesandt am 10 Pi. mehr, geh. 1 Mk. 80 Pf, fein in Lanwandb. 2 Mk. frc. zages, am 20 Pf. mehr. Aach empfiehlt er sein reichhaltiges Lager von ,TWl ־HED, תפילין, טליתים, שופרות, Kidnschaecken, Talisand Tefilinheatel in Cschemir oder Seide, sowie auch אתרתים לולבים nnd 4444] .הדסים Zu den hohen Feiertagen bestens empfohlen: Rahmer’s Israel. Predigt-Magazin Jahrg. V. 36 Predigten!darunter 9 zu ר״ה ויוי׳כ) M. 2,50 baar. Jahrg. VII. (a. a. 10 Predigten zu 2 (רי׳ה וידב m. baar. zusammen für 4 Mark baar durch die ״Expedition der Jsr. Weekeuschrlft« za beziehen. Voml.n. 2. Jahrg. sind nur noch einzelne Monatshefte k 40 Pf. (Heft 1. [Oetober 1874] enthält 2 Predigten zu ,ר״ד! eine zu. כל נדרי U. eine Trauungsrede.) a. vom dritten Jahrgang (1877) die Quartalsh'efte2.3.4;38Prodigten enthaltend ä 1M. zu haben. Jahrgang IV. (1878) 44 Pred. (darunter 22 Festpredigten, 9 za ר״ה “!"כ) gegen Einsend. v. 4 M. Jahrg. VI. (1830) 22 Predigten (darunter 14 za allen Ferien, לו״הוירכס) — nnr noch wenige Exemplare — ä 2 Mark 50. ■9** Die Znsendang erfolgt rnr gegen vorherige EinMndang des Betrages frsnoo durch die Expedit d. BL ▼ee—twörtlicher Redactenr Dr. Rahmst, Magdeburg. Dcwek von D. Ia Wo 1 ff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig••

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.