Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 36. (4.9.1890)
- Date
- 1890-09-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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A־S6. Jüdisches Jahrg. XXI. LitteFatur-Blatt. 9ar B1l«vektu| all« Jilntku u4 Mm klniudM lHtarailaeh«■ KrmMimi« aaf 4«« G«M4to d« Ffcll•- «•»kl«, GcaekkkU, Itteafrayhla, Tkao- •fit» OrlaataUa, Cziimi, Biailitlk, Lttuiik «. FMafOfik• Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahme r. 9TLa<j3e6w.1<j, 4. SeptettvGax 1890. Makar «aratueUifl•.■ UMäntu.walak 4m KaiaaHaa n—«41 «da! tai•» hi dima Blatt« •(■!•Mad« B«ffMk11| Bai Ha«aa4aaf r«a swal BiMMiwi* IzMflana arlklft abwaallca kan« Bratta-Iaaiitlla. Das nJtiitthB Utt4r»tBr-BUtt* * erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Praia bei allen Ba0ht1*ttdlujagen (ln I«eipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark* Abonnenten der ^Israeiitiaonen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Poetanstalten and Buchhkndlungen o Mark sahlen, erbalten das ״Jüdische Littexatnr-Blatt“ gratis. — laserate werden ah Sft Pf• für die gespaltene Petiteeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes su senden Bnohhändler u. Lehrer» welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsendea, erhalten 25 jC Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Englische Nachkommen des Saul Wahl. — TJeber den Parzival Wdlfram von Eschenbach. Von Dr.'S. Gelbhaus, Rabbiner und Prediger in Prag. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. Litter&turbericiit und Recensionen: Carl Scholl. Zwei Antisemiten. Ein Freidenker und ein Rofprediger. Nebst einem Anhang: Die wirkliche semitische Unmoral oder Grundsätze der jüdischen Sittenlebre. — Jüdische Kalender: Israelitischer Amtskalender für Rabbiner, Prediger, Lehrer und Cantoren für das Jahr 5051, herauflgegoben von Dr. J. Loewy, Rabbiner in Göttingen. Litterarische Notizen. —. Litte! arische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Englische Nachkommen des Saul Wahl. ״Wir sind von königlichem Blute!“ raft stolz einer der Charactere in Bernstein’s reizendem Boman ״Mendel Gibber“, sich auf die Abstammung von.Saul Wahl berufend, welcher nach einer weitverbreiteten Sage einen Tag als König von Polen regiert haben 8011. Der jüngst verstorbene Sir Benjamin Phillips konnte sich desselben Vorzugs rühmen, denn aueh er gehörte zu der Nachkommenschaft Saul Wahl’s, einer Nachkommenschaft, welche in England zahlreich verbreitet ist und eine grosse Anzahl distingairter Persönlichkeiten zu den ihrigen zählt. Die Geschichte Saul Wahl’s ist; eine der interessantesten Familientraditionen, welche man unter den deatschen Juden findet. Sie wird flttsführlioh in Edelmann’s גדולת שאור (London 1854)' erzählt; da jedooh das Buch in hebräischer Sprache geschrieben ist, so dürfte es nicht überflüssig sein, den Hauptinhalt in diesem Blatte*) wiederzngeben. Sani selbst war von berühmter Herkunft. Sein Vater Samuel Judah war Oberrabbiner in Padua und sein Grossvater Meier Katzenellenbogen war der berühmte Maharam von Padua, eine der grössten rabbinisohen Autoritäten' seiner Zeit. Sein Urgrossvater mütterlicherseits, R. Jjehuda Menz (geboren 1408), war der gelehrte Gegnerund Ezcommunioator Elia del Medigo’s. Hiernach Waren aaoh die Nachkommen Saal Wahl’s, abgesehen ton der romanhaften Gesohiohte seiner kurzen Regierung von besonders distingairter Abstammung und ihr Stammbanm kann ohne Unterbrechung aaf 500 ן Jahre zarüok nachgewiesen werden.. Saul reiste als junger Mann nach Polen and nahm seinen Aufenthalt in Briak, wo er dfe Toohtsr des - I *) Jew. Chronicle. R. David Draoker heirathete. So weit kann die Gesohiohte qaellenmässig nachgawiesen. - werden. Der sagenhafte Theil derselben beginnt־ mit einem׳ Abenteuer des polnischen Fürsten Radziwill, der während einer Reise daroh Earopa eines Tages von seinem Gefolge im Stioh gelassen wurde and ganz verarmt nach Padua kam. Der Oberrabbiner, Saals Vater, welcher in dem Fürsten einen Stndiengenossen seines Sohnes an der dortigen Universität wiedererkannte, versorgte ihn grossmüthig mit dem Nothwendigsten. Als der Fürst siob von seinem Wohlthäter verabschiedete, verspraoh er diesem, bei seiner Rückkehr nach Polen Saal aufzusuoheu und alles Mögliohe za thun, dessen Interesse za fördern. Er hielt auch Wort nnd nnter seinem Sohatee wurde Saal einer der reichsten nnd einflussreichsten Jaden in 'Polen. Als der König Stephan Bathory gestorben war, wurde das Reioh daroh die rivahsirenden An- Sprüche der beiden Kronprätendenten, Sigmand von Schweden und Maximilian von Oesterreich tief ersohättert. Der Reichstag bewaffenete sioh bis an die Zähne und die Anhänger der Candidaten bezogen stark verschanzte Lager in der Nähe von Warschau. Am zweiten Wahltage waren die Aussichten besonder» beunruhigend und beim Anbraöb der Nacht sohien es, als wenn die Aafregung der Edelleate die, Spannung einer weiteren Vertagung nioht würde bestehen können. Als der Tamnlt seinen Höhepunkt erreioht hatte, ersohien plötslioh Fürst Radziwill. ,Wie wäre es*, rief er mit l»ater 8timme, ,wenn wir für die Naoht meinen jüdisohen Faotor Saul wählten und di* weiter« Diskussion aaf morgen verschöben?* Der sonderbare Vorschlag versoheaohte die Missstimmung der Menge and unter Gelächter and dem Gesohrei: ,Lange lebe- König Saal!a senkten die Edelleate die Sohwertor in die Scheiden and begaben sieh nach Hause. Während der Nacht nnd des folgenden Tages beschäftigte sich Saal mit der gütliahen Beilegang der Wahlschwierigkelten, was den Erfolg hatte, dam sioh der Reichstag einigte, Sigismund za wählen. Der neae König überhäufte non den Saal mit Ehreabezeagnngen. Er ertheilte ihm das Privileg, ihm bei der Krönung die Krone aufs Haupt za setzen, legte ihm zur Erinnerung an die Königswahl *dem Namen Wahl bei, sohmüakte ihn mit einer goldedsn Kette and gestattete ihm ein Wappen za führen, welches einen ruhenden Löwen, so wie eine Hand, Welche die beiden Gesetzestafeln aufrecht hielt, im Schilde trug. Während der übrigen Zeit •eines Lebens ermöglichte es Saal, viel für •eine polnischen Glaubensgenossen than sa können. Er wnsete •einen Ein-