Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 32. (7.8.1890)
- Date
- 1890-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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- Jüdisches Litterfttnr-Blatt. Sair Mnektu! «U«r JittaUu •■4 Mn Mr1lta4«■ llttiririntn fr* MfctfvH■*«■ *>f 4«1 0*1«• 4«r Phil•• Nphlif OnekkhU) IthMfvipkt•, Tkn• •«1«, OtImWUa, ■Mäfl«lkt Utvftk m. FMftfOflk• Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Jforitx Rahmer. $lLayde£1*ty, 7. £LvKj,wi>t 1S90. ilrtir itrateMldislaMLtttmtac.saMh im Dm■ Blut« 1t«f1t«aa tamitn B«1 ntw«lM| m ««•I bHariw lm|lm■ «rfMft «!«■«11«« kan« «rUU-l Das •Jtdlsek• Littoratar-BlsttM erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (io Leipsig bei Bobert Friese) pro Jahrgang 8 Bark. Abonnenten der ^Israelitischen Woohensohriit“, die ▼ierteljaluuoh bei allen Postanstalten and Bachhimdlangen Bark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litieratar-Blatt‘ gratis. — lasseste werdaa mit IS Pf״ für die gespaltene Petitseile, Beilagen mit 20 Hark« berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes sa send tu Bnchhkndler u. Lehrer, welche direct oder dnrch Bobert Friese Inserate einsendea, erhalten 26 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Spinoza’« Grab. Von M. Silberstein. — Die Varianten m den biblischen Paralleien, verglichen von Dr. Ad Frankl-Grün. — Litt erstnrhericti t and Becensionen: The Jewis.1 Quarterty Review, edited by O Abrahams and C. G. Montefiore. — Steinitz, Clara. Im Prieeterhaase. Original-Erzahlang. Litterarische Notizen: Rom. Paris. Litterarisohe Anzeigen. Uabefs|tsr Nashdrask aus diessst Blatte ist s I s h t!sstattsL Spinoza’s Grab. Von K. Silberstein. (Fortsetzung statt Schloss.) Es ist sonderbar, aber deshalb nioht minder wahr, dass es nioht selten vorkommt, ans dem Munde eines Christen die eigenthämliohen Worte zu ver• nehmen: ״— wie aohtangswördig wären die Jaden, wenn sie alle Ihnen glichen!“*) Alle Üebrigen, aasser diesem Einen, taugen natürlich niohts. Eringt es doch sogar ein Stöcker über sich zu sagen: ״— ich kenne sehr ebrenwerthe Juden, mit denen ioh sogar persönlich verkehre“, wenn er aubh hinterher ,die jüdische Agitation und die jüdische Presse als die gröbste Pestbeule an dem Körper <^es deutschen Volkes hält“.**) — So gefallen trotzdem schliesslich viele Jaden vielen Christen, nnd sie ver• kehren mit einander nnd aohten sich gegenseitig wie Bürger desselben Staates, deren Harmonie auroh keinen oonfessionellen Hader getrübt wird. Nur im Grossen and Ganzen will man es nicht gelten lassen, dass sie Men8chen sind wie andere, and dass es unter ihnen gute nnd sohlechte giebt wie bej andern auoh: Man liebt es, das Vergehen einzelner auf die Gesammlheit zu werfen, während man njoht abgeneigt ist, die Gaten, die der Eine oder der Andere zufällig kennen lernt, der Christen würdig za halten, una ihnen znruft: — ״wenn, sie allen Innen gliohen.“ — Von diesem Standpunkte aus ist es leiojit genug, auoh Spinoza für einen Christen zu halten, denn er war nioht bloss ein grosser Denker, der von seinem Dach- »tübohen aus eine ganze Revolution in der Gelehrtenweit hervorgebraoht bat, sondern er war auch, wie wir bereits wissen, ein sehr bescheidener nnd guter *) Aenassrnng des von einem anbekannten Jaden geretteten Barone in Leasings: Die Jaden. 22. Auf* (Birthold Aaerbaoh erwiderte einst, als msn ihm einmal mit obigen Worten sin Compliment an machen glaubte, mit ▼ollem Selbstbewusstsein sehr treffend: ״Wie schtangewüriig würen!dis Christen, wenn Sie alle mir glichen)" Red.) **) In seiner Rede im evangelischen Gangram. Berlin 29.6.90. Mensch. Selbst die Bauern auf dem Lande, wo er gelebt, mit denen er gerne verkehrte und über dieeea und jenes sprach, hatten ihn ■ehr gerne, und sagten übereinstimmend von ihm: ״er aei stete leutselig, aufriohtig, dienstfertig and im höchsten Grade gesittet gewesen“.*) Mit seinen Wirthsleaten pflegte er ■iah jedesmal eingehend and gemüthlioh über den Inhalt der gehörten 80nutagspredigt zu unterhalten, und als ihn seine Wirthin eines Tagee frbg, ob sie nach aainar Meinung in ihrem Glauben selig werden könne, ant- Wortete er in seiner sanften Weise: ״Ihr Glaube ist gut, Sie bedürfen keines anderen, und werden in dieser Religion des Heils theilhaftig! werden, wenn Sie in frommer Gesinnung ein ruhiges, ׳ friedliches Leben führen.״ Er stieg gern hinab za dem gemeinen *lam«, sprach mit ihm in seiner eigenen Sprache über Dinge, die diesem nahe lagen, and braehte ihm Trost und Frieden. Aber es lag ihm fern, dem ersten beeten seine Ueberzeugang aafzadrängen, die er nur in der gelehrten Bpraohe für Gelehrte niederaeeohrisbea,**) und über die er nur mit seinen Freunden oorrespondirte, , für die grosse Menge waren diese Dinge überhaupt nicht, und diese fordert er auoh nioht aafj seine Sohriften za lesen: ja ״er möchte lieber, dass er sie gar nioht berücksichtige, als daroh eine verkehrte Auslegung derselben lästig werde״.***) Ebenso gerne lässt er jeden Menaohen nach aainar eigenen Art leben and selig werden, tröstet ihn io.' seiner Ungewissheit über die Zukunft im Geist* unserer Weisen: ״— dass die Frommen aller Nationen einen Antheil haben am zukünftigen Leben״.-)) Gebrauoht er auoh nioht dieeelben Worte, wenn er an seiner Wirthin' sprioht, und vergisst er anoh absiehtlieh oder unabsichtlich seine ehemaligen fltemraesgenoesen, wenn er seinem bekehrangssüohtigen Freunde erwidert: ״— die Heiligkeit des Lebens sei kein Monopol der römischen Katholiken, sondern sei auoh Lata»• . ranern, Reformirten, Mennoniten and Mystikern eigen״, so ist dooh der Sinn ganz derselbe, and dis Quelle nioht sa verkennen, ans weloher er schöpfte. — — Hs ist mit ziemlicher Gewissheit eazunahmea, dass er sioh im gewöhnlichen Leben nioht besonders von den verschiedenen Sekten, den sogenannten abgesonderten Christen, mit denen er viel verkehrte, and die ■einen Anschauungen von) Christentham am nächsten staadäa, unterschieden haben wird, wann er ■ioh auch kaüMr *) Bayle, Dictiounair* historina* st philosqplnque. **) Nar dso Psntatsach hatte .er — gleich MMsMain dis Landesspraatia übersetat, warf aber assHsnasssipt 1ia%« Tage vor •einem Tods ins Feasr. —־ Galen* ״ ***) Vorwort ■um theoL poL Traktat, t) Tahn. gynhslria»