Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 30. (24.7.1890)
- Date
- 1890-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Silberstein. — Die Varianten in den biblischen Paralleien, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Grön. — Litt eratnrbericht und Becensionen: Jüdisches Leben in Wort and Bild von Sacher-Masoch. — Feldmann, W. Stosanek Adama Mickiewicza do zydöw. Szkio. Litterariaohe Anseigen. Uebefeater Neehdresk tes dies•« Bla«• ist ■isht fsstattsl Spinoza’s Grab. Yon M. Silberstein. Wer das an der Nordsee gelegene, nnd als Mode״ b&deort bekannte Fisoherdorf Scheveningen - mit seinen 15,000 Einwohnern, besticht, wird nioht ermangeln hin nnd wieder naoh dem Haag hinüber• znspaaieren, das nnr eine viertel Stunde davon entfernt Tina durch eine herrliche Doppelallee und dem Wilhelms• park mit seinem Nationaideukmal damit verbunden ist, um die Sehenswürdigkeiten der mit .Kanälen daroh- - gohnittenen Stadt in Aagensohein an nehmen. Keine holländische Stadt hat so viele schöne nnd breite Strassen, so viele mit Ulmen besetzte Plätze wie diese, nnd zu diesen Schönheiten gehört unter anderen Denkmälern anoh das Standbild von Bronoegass auf rothem Qraniteockel aai der Pavillons&raoht, welches die dankbare nnd unparteiische Nachwelt dem epoohemachenden jüdischen Philosophen Baraoh Spinoza an der zweiten Säoularfeier seines Todes (1877) er• richtete.*) In der Nähe desselben bewohnte er im Hause des Malers Heinrioh vaa'der Szyok eine Giebel- Stube, in welcher er die letzten Jahrei seines Lebens in Zurückgezogenheit verbrachte und am 30. Februar 1077 im Alter von 45 Jahren sanft verschied. Wir begleiten ihn im Geiste naoh seinem letzten Buheort, indem wir uns auf den jüdischen Friedhof begeben, um auoh sein Grab za besuohen. Wir finden den Gottesacker, wandeln auf und ab j zwisohen alten und neuen Gräbern, suchen bemooste!Inschriften zu entziffern, finden manchen klangvolle!) Namen, aber den Namen Baraoh Spinoza finden wir! nioht. Endlich 1 Denkmal errichtete. Ein zweites steht jetat in Des aaazam Andenken an Mendelssohn and ein drittes befindet sioh in Colberg, welches •eine Mit• bftrger dem Samitftterath Dr.־ Hirsch ield ins Anerkennung seiner Verdienste am die Stadt errichtet haien. (Das erste einem Juden in Deal schiend errichtete Denkmal ist anserea Wissens das Here-Denkmal in Erlangen v. 1875. Bed.) gelangen wir von ungefähr an ein offene• Grab, in 1 To־ welchem zwei sorglose Todtengräber langsam •chanfisln, als wären sie mit dem Umgraben •ine• Blamenbestos beschäftigt. Wir erkundigen uns nach dam Gegen- Stande unseres Sachen•, den jedermann jetat im Hm£ dem Namen nach ■kennt, und müssen sa unsem Er- Jnin staunen hören: ,der liegt 1nioht hier, den werden Sie wohl in der neuen Kirone auf dem Spui finden." , Auf dem Spui?" wiederholten wir sinnend. W1s4 kommt es, dass Spinoza, der wohl der Religion ■einer Täter untreu geworden, ohne sieh je sa einer andern bekannt zu haben, •in christlich•• Grab gefunden hat? Es war uns ganz entfallen, dass anoh seine Biographen dieselbe Mittheilung machen, aber keiner sagt uns, wie sioh das eigentlich zugetragen hat« darum wollen wir hier veraschen ee autznkläreo. Spinoza, ein Abkömmling jener portugiesischen Jaden, die daroh die heilige Inquisition geswungen wurden, entweder des Christenthum an Zunahmen, oder das Land sa verlassen, ist naoh unzweifelhaften Quellen*) am 24. November 1632 in Amsterdam geboren, wohin sich •eine Eltern gleich vielen ihrer Glaubensgenossen geflüchtet, und wo sie eämmtlioh freundliche Aufnahme gefunden hatten. Der kleine Baraoh erhielt in herkömmlicher Weise schon zeitig talmadiseh-rabbinisohea Unterricht, and wurde wegen seiner Begabung zum Stadium dar Theologie bestimmt, aber je weiter er in demselben vordrang, desto mehr stiess es ihn ab. Er begnügte sioh nioht mit dom blossen Unterricht, sondern fing zeitig an zu denken, zu grübeln nnd za zweifeln, hielt sioh besonders an den Schriften des Maimonide■**) und Jbn Esra, die unzweifelhaft den grössten Einfloss auf die Entwicklung seines Geistes hatten; las and kannte, wie er später' selbst mitthsilts ,auch einige fasernde Kabbalisten, über deren Unsinn er sioh nioht genug wandern konnte)****) ward behutsam and verschwiegen gegen seine Lehrer and die Rabbinsn, vermied möglichst den Synagogen besuoh, riss dis Mauer nieder, die arn^die religiösen Geestes gesogen ist, denn der fromme^Glanbe war ihm verloren gegangen, nnd er zerfiel naoh and naoh ganz mit dem Judenthum, denn die Zeit war nooh nioht gekommen, ,wo einem Jeden erlaubt war za denken wae er will, and za zagen was er denkt *f) ' Er war nicht der alleinige Zweifler in der arnzter•* damer Gemeinde, in weloher damals ein sonderbares *) Professor Kaufmann’• Anmarhnng za Booy*n, Inteeeqr vantafrä. 8L *30. **) Unter •einen wenigen Bochern befand. «ich zaen dsr More Nebaohim. ®fi. •**) Spinoza, TheoL poL Tractat t. f) Jbid 90. 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