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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-07-03 · N° 27. (3.7.1890) · p. Seite 106

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 27. (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
Seite 106 (sequence 8)
Language
German
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; Unter «l«! Gaonim nnpnt Jdtdil Gaon, welcher Tim 760 ® Pumpadita lebte, eine hervorragende Btelbmg ein. Ttip! wurde T0n seinen Schälern du Prädikat der ,Heilige״, wie einst dem grossen Redaktor der Misch na, dem Fürsten B* Jehada, beigelegt, and besorgten, nachdem er erblindet war, die Schaler die Textirung seiner Halachoth. In Simon Eahira’s ״grossen Halachoth“ sind schon viele Lehrsätze des Gaon R’ Jehadai auf• genommen. — Wie zur Zeit des Erscheinens des ״Schnlchan Arach“ von Josef Karo die Meinungen aber den Werth der Zusammenstellung der aus dem talmudisoh-rabhinischen Schriftthum herrorgehenden halachischen Sentenzen verschieden waren — u. z. weniger vom religiösen, als didaktischen Standpunkte ans —: so waren Ober die Bedeutung der ־Veranlagung uDd Veranstaltung von Sammlungen der Lehrsätze der Halacha schon in der Gaonäerepoche die Ansichten getheilt.י Jsak ibn Migasch billigt ein solches Vorgehen, um denjenigen Belehrung zu bieten, welche nicht aus den Quellen schöpfen können. Her 100 Jahre nach Jehuda'i Gaon wirksame Gaon P a 11 o i hält indess diese Methode für verwerflich, weil das Volk nu{ die knappen Sätze lerne, die Disputationen des Talmuds aber nicht beachte and die Forschung des Gesetzes vernachlässige. — Immerhin sind die Thesen R’ Judai’s wichtig genug, um weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu werden. Der Verfasser hat auch diese Sätze edirt, übersetzt und mit gelehrten Bemerkungen versehen, welche die halachischen Quellen der Thesen angeben und beleuchten. Die Lehrsätze selbst bieten in der Halacha nichts Neues. Interessant ist die heitere, dem Ideal des Sängerkönigs David und der Propheten entsprechende sittlichreligiöse Lebensanschauung des Gaon, welche in der 21. These in dem Satze Nehemia’s sich zuspitzt: ״die Freude in Gott ist Eure Stütze.“ Wichtig ist ferner in der III. These die Betonung der Heiligkeit der modernen Gottesstätte, welche an Stelle des Tempels in Jerusalem getreten ist und mit dem Propheten Ezechiel ״ein kleines Heiligthnm“ genannt wird. Die XIII These regelt den öffentlichen Gottesdienst. Aus der X. und XL These ergibt sich die Heiligkeit der Ehe und die Pflicht wechselseitiger Treue der Eheleute. Auch beim Gaon R. Jehudai stehen Gemeinde und Familie in ethischer Wechselwirkung. \'on historischem Interesse ist die IX. These, soferne aus dieser sich ergiebt, dass es erst im 10 Jahrhundert Gebetbücher gab — das erste redigirte R* Amram Gaon — in der Zeit des Gaon's R’ Jehudai aber aus geschriebenen Blättern gebetet und gesangpn würde. — Fttr dief yeligiös liberale Gesinnung des Gaon spricht die Ent- Scheidung, dass eine von einem Samaritaner geschlossene Ehe nach jttdischem Eeohte giftig ist. (Hatacnotfk Gedol. W. 64). Auch gibt der Gaon einem religiösgebildeten Vorbeter vor einem stimmbegabten, aber des Gebetes unkundigen Vorsänger den Vorzug. Im Einzelnen habe ich zu bemerken, dass in derersten Note der Verfasser darauf hätte hinweisen können, dass Analogien von Rechtsfällen wie Chulin 27 b fRaschi a. u. 0.) und die Gleichheiten der Lehrer und des Lehrgeh&lts der halachischen Prinzipien (Jebamoth 13 b) für die Methodik der Mischna massgebend waren. Hinsichtlich der X. Note glaube ich hinzufügen zu dürfen, dass die Agada für den Passah-Abend, wie dies bis' zur Evidenz aus Pesachim 116a hervorgeht, schon in der Misclinazeit textirt war. Es ist zu wünschen, daäs der Herr- Verf. seine treffliche Kraft nicht auf dergleichen, wenn auch immerhin schätzenswerthe, so doch ziemlich genugfügige Editionen beschränke, sondern mehr der quellenmässigen Entwickelung des halachischen Lehrgebiets zuwende. Er wird hierdurch den Dank aller Sachkenner erwerben. Dr. N. Cassel, Pref. Dr. Paalas. Alethels No. 1: Christus und die sociale Frage No. 2: Christus und das Judenthum. L>as» Herr Prof. Caasel noch immer nicht die Hoffnung autgegeben bat, die indische Nation in das Christenthum herüberzuiühren, kann denen, welche Herrn Prof. Cassel aas seinen bisher veröffentlichten Schriften kennen, nicht Wunder nehmen. Dagegen sind wir aber lest überzeagt, dass er mit seinen ״Aletheia“ weder einen Hund vom Ofen noch einen Juden zur Taute locken wird. Für den Gedankenkreis eines Juden sind die Worte des Herrn Pastor Cassel sowohl unverständig als auch unverständlich. Wenn Verf. in dem jüdischen Volke eine neue Stütze des Christenthums sucht, so muss er lange warten, bis ihm diese zu theil wird. Mögen immerhin einige Blätter darch den antisemitischen Sturm von dem uralten Stamme abgeriittett werden, so sind das eben nur die verdorrten nicht die frischen Blätter Nur höchst selten mag es Vorkommen, dass aus einem Saulus ein Paulus wird. Am wenigsten absr wird eine so triviale Beweisart (?1, wie z. B. in vorliegender Aletheia der Sederabend christologisch ausgelegt wird, auch nur einen einzigen Jaden in seiner Ueberzeugung wankend machen, eher glauben wir, dass es ibn in sfainem jüdischen Glauben neu betestigt und stärkt. B. J. Litterarischer Anzeiger. das J udent hum•. IBiog-rapl1iscL1.es Lezicon. berühmter Männer and Frauen in Wort nnd Bild Verfasst und Her&nsgegeben von Alfred Schonwald. Elegant ausgesfattet mit Bildern aut feinstem Elfenbeinpapier. 1• Lieferung k 60 kr. ־־ I Mark. SW* Enthält drei Tableaux mit 27 Porträts. *WS Zu beziehen durch den Herausgeber : Alfred Schdawald, Wien II., Valeriestrasse 2, 4344] sowie durch jede Buchhandlung. ״Sichronoth” oder:״Me1uelrra eiaesütadente■ djftd.Theologie.“ Dieselben sind in hebr. Makamen-Form abgetaest und mit einer _ englischen Einleitang versehen, die eine Uebersicht der Entwicklung der nachbL hebr. Poesie enthält, v. Dr. Ckotxaer, ' «n jterrow-College freie 1IL 60 FT. bei der Exped d. Bl In den nächten Tagen gelangt bei uns zur Ausgabe: התוספתא יפי סדר חדשניות מעורכת ומסודרת, עס פירוש הזיון אריה מאת אריה שוו ארץ אב־ד דק• ר, רארלסרוהע דדר י סדר זרעים. [4745 Preis 3 Babel. Witlive QQft Gebr. Komm. Aeu erschienen: .Yriditrag za den Breslauer Synagogen- Geaftogea. Preis 0 Mk. Aubaa zur Yorbetertehule. Praia 2 Mk. — Za beziehen durch den Unterzeichneten Verlaaeer. [4283 Breslau im Mai 1890. Cautor Deutsch. Von Rahmer’s Israel. Predigt-Magazi n erscheint Ende dieses Monats: der achte Jahrgang Predigten za allen Festtagen (für j ed e s Fest mehrere Prefügten enthaltend.) Preis: 3 Mk. Der n e u n t ei Jahrgang: Casaalreden. Eine »eiche Auswahl von Trauungs-Grab- und sonstigen Gelegenheitareden.! Preis: Mk. 2,40. Bestellungen werden schon jetzt angenommen bei der Exped. 4. Bl. Von altern Jahrgängen!sind Jahrgängen!sind [V. V. VI am tplä für Vi Mark. Anaichtsexemplare werden nicht voraandt. ־?Määiterartiicher Redarteur Dr.Eahmer, Magdeburg. Drask von D. L vVolft, Magdeburg. Verlag von: Bobert Fries’ejTiripaig

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