Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 26. (26.6.1890)
- Date
- 1890-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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A*26. Jüdisches Zar MiaekUi( allar JataUtan »4 J*4m MhVm4m UttmilMkM fr• NMinn■ aaf Iw fliMfU 4tr fMl•• •*kJ* «wkleliti» Th•»• •ff«, , txifiM, I1all«t(k, Utavglk «• MHytil. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9Tta<j3e6unj., 26. aJuni 1890. Jahrg. XIX BUkar IvilmUlilp• Lmaralar.w•»•* Mt limtiw ■■(•«■41 wrlm, Mm t> 4tm*m Blatt• ■te««kM•• MKttt»( M ft■■«•■■• na <«*l Z1»««t■■■• Cn■(!«« •rfMct •■■1T1|* tu■ aritt^liurttn■ Dm ■JUilekl Utteratur-BUtt» arseheiat wSchentlioh in einem halben Bosen Preis bet allenBaohhnndlnngen (in h eipiis bei Robert Frieee) pro Jahr sang 8 Mark. Abonnenten der ,,Israelitischen Wooheasohrift“, die ▼ierteljibrltoh bei allen nnd BnftM1«^1nn«n 1 Mark ■ahlen, erhalten das ^J&dtsche Litteiatnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit Z( Ff. rtx’dia gespaltene Petitseile,'DeUagea mit 90 Mark« berechnet nnd sind an die Expedition dieses Blattes an senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder dnrch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 1ן Rabatt ■ . *• Inhalt: WissenschaftlicheAnts&txe: Die Anfänge der Litteratur bei den Israeliten. — Ueber den PardVal 'Wolframs von Eschenbach. Von Dr. S. Gelb haus, Babb. nnd Prediger in Prag. — Lazarus ben David und seine Schrift: ,Etwas zur Characteriatik der Juden,“ Von Bes. Babb. Dr. Landeberg. — Zur Chronologie. Vod L. Cohen in Bees a. Bh. S. L. Bapport’s Schriften, bibliographisch verzeichnet von S J. Haloeretamm uod. David Kaufmann. Litteraturbericht nnd Kecensionen: Schaible, Karl Heinrich. Die Jnden in England vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Karlsruhe 1890. Litterariaobe Anseigen._ Uebefsfter bastdrset «ms dissesi Blatts Ist ■ I e h t gestaltet Oie Anfänge der Litteratur bei den Jsraeliten. Die von unserm Glaubensgenossen Herrn Dr. Eduard Glaser in Sttdarabien aufgefundenen ln• Schriften liefern ein vollständiges Magazin für biblische und orientalische Forschungen. Ihre Benutzung für die Geschichte des Alten Testaments hat auf ver• schiedene Weise, besonders bei Sayce, stattgefunden. In der ersten No. des neuen theologischen Magazins ״Neue kirchliche Zeitschrift“ theilt Herr Dr. Hommel in München seine Resultate über dieses ungelöste Problem mit, nämlich über die ersten Anfänge der Schrift und Litteratur in Israel und über die Zeit, von welcher wir aus Gründen schliessen können, dass Israel eine Schrift und Litteratur gehabt haben muss. In dieser Hinsicht bestärken die Inschriften das Zeugniss der vor ungefähr einem Jahre za Teil el-Amarna aufgefundenen Täfelchen, aus wechen ebenfalls hervorgeht, dass die Kenrtniss und Anwendung der Schrift oder die Entwicklung einer jLitteratur in ganz Westasien Jahrhunderte früher stattgefunden haben muss, als dies nach den bisherigen Angaben der Gelehrten der Fall gewesen zu sein scheint. Indem TDr. Glaser gänzlich von der eigentümlichen Homnjel’schen Hypothese absieht, nach welcher nämlieh das semitische oder vielmehr das phönizisch-hebräisohe Alphabeth nicht aus dem egyptischen entstand, wie dies von den Gelehrten allgemein angenommen wird, sondern dass es eine Anpassung des syllahischen Systems ist, bewegen sich seine Untersuchungen ifter das hohe Alter der Litteratur bei den semitischen Völkern auf eigner Basis. Glaser fährt einige seiner minäisch-sabäischen Inschriften auf 1500 ante zurück. Hommel. welcher ganz unabhängige Studien Uber dieselben angestellt hat, fand einige, welchen er aus guten Gründen erst die zweite Hälfte, des dritten Jahrhunderts anweisen konnte! Eine der minSischeta Inschriften datirt nach dem Namen des in ihr erwähnte. 1 Königs aus der Regierangszeit des ersten Königs ctyr achtzehnten Dynaatie, welcher die Hyksos Vertriebes! hatte, wie dies aus der Inschrift hervorgeht'r Das wäre also gegen das Jahr 1600 ante; und da diese Inschrift eine der jüngsten ist, so können die ältesten aaf 1900 oder 2000 zurückgeführt werden. Hieraus ergiebt sich das wichtige historische Factum, dass zu jener entlegenen Zeit, sogar schon vor Abraham, die Nomadenstämme, welohe die Gegend zwischen Babylonien und Egypten durchzogen und za welchen die ursprünglichen Hebräer entweder gehörten, oder mit welchen sie doch durch Stammesverwandtsebaft in Verbindung standen, sich Bchon im Besitze eines Alphabets befunden haben müssen, wenn aaoh, wie aus den Inschriften erhellt, nur die Priester allein die Schreibkan8t pflegten. Die Funde bei TeH el-Amarna haben gezeigt, dass gegen 1400 ante ein bedeutender schriftlicher Verkehr zwischen Assyrien, Babyloiiien, Nordsyrien und Palästina nnd zwar zwischen den Städten' Tyrus, Sidon, Askalon, Lachisch, Megiddo etc. einerseits nnd den egyptischen Pharaoh’s, Ameoophis nnd Amenophis IV. andrerseits stattgefanden hat and :dies zu einer Zeit, als der grösste Theil der Hebräer in Goschen wohnte. Aus den neuesten Thaterweisen geht klar hervor, dass beim Beginne des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts das heilige Land nicht bloss yon so vielen Elementen der Caltur and Wissenschaft amgeben war, sondern aach mit diesen in directe Berührung kam, dass es absolut unglaublich ist, dass die Kinder Israels bei ihrer ersten Ansiedlung in Palästina und zur Zeit der Richter nicht schon im Besitze einer Litteratur gewesen sein sollten; auoh der Glaube, dass Moses die Worte desDeoalogs buchstäblich niedergeschrieben, ist. historisch keineswegs so tfnwahrsoheinlisoh, als einigo heutige Schriftsteller uns glauben machen wollen. Die Geschichte des semitischen Wortes ״Schrift“ beweist dasselbe. Das assyrisch - babylonische Wort für ״Schrift“ ist ״schatara“ שטר, שדס), dessen Wurzel ״senden“ bedeutet. Das Hauptwort ist ״Sipra* OBS) und bedeutet ״Brief“. Die westlichen semitischen Nationen benutzten eine andere Wurzel, nämlich ״kataba“. Nur die südarabischen Stämme, von welchen die entdeckten Inschriften herrühren, haben das auch von den Ostsemiten gebrauchte Wort״Satara“ beibehalten. Hommel beweisst hieraus, dass die westlichen Stämme ihr AL phabet von den östlichen entlehnt haben, begründet aber aach hiermit die Annahme, dass die Anfänge der Schrift bis in eine Zeit zarückdatirt werden können, da die Trennung der semitischen Stämme in «ine Anzahl unabhängiger Nationen noch nicht vor sich gegangen war.» der Israeliten .'in Goschen eine grosse Anzahl Can&anitea