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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-06-19 · N° 25. (19.6.1890) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 25. (19.6.1890)
Date
1890-06-19
Page
Seite 98 (sequence 4)
Language
German
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tigte und erst im Mitt&Lalter, als alle anderen Erwerbsguellen den Juden verschlossen worden waren, diese gen&tbigt würden sind, cum kaufmännischen Fache ihre Zuflucht zu nehmen, auf welohem die Begabten und Glücklichen unter unseren Glaubensgenossen unleugbare Erfolge erzielt haben. Von einer ״materiellen Geistesrichtung“ könne aber im Judenthame nicht die Bede sein. Das zweite Capitel widerlegt die Legende von dem Beiohthume der Jnden. Der Hass, welcher Alles übertreibt, und die Missgunst, die Alles ungenau sieht und daher in unangenehmer Weise verschreit, was angenehm und wohlgefällig sein möohte, haben auch den. Wohlstand den Juden, ^insbesondere aber der Finanz-C-apacitäten derselben, in übertriebener Weise dargestellt. Weit reicher als die Familie Both- Schild sind die christlichen Beichen in England nnd den vereinigten Staaten, ohne dass desshalb der Beichthnm der Arier unsere antisemitischen Gegner stören oder mit Neid erfüllen möchte. Schon im Mittelalter wurde der Beichthum der Juden in einem übertriebenen Lichte geschildert. Das Gleiche geschieht in der Gegenwart Wenn aber in Paris unter 8000 FamilienVätern nur 3000 ihren Pflichten der Israeliten- Gemeinde gegenüber nachkommen können, so ist dies wahrlich kein Zeichen von Wohlstand in einer Welt- Stadt, welche dem Zusammenfluss vieler Begüterter eich öffnet. Wenn ferner im östlichen Europa und in asiatischen Ländern 5 Millionen Juden die grössten Entbehrungen leiden, und nur sieben Millionen Glaubensgenossen auf der ganzen Erde leben: so ist dies wiederum leider nur ein Beweise .vom Gegentheile des Beichthums, den die Gegner in gehässiger Tendenz bei den Juden anpreisen. Im dritten Capitel widmet der Verfasser der Widerlegung des Gerichtes vom Wucher der Juden eine sehr empfehlenswerthe historische Betrachtung. Der Autor weise hierbei ganz geschickt deutsche Werke und periodische Schriften zu benützen und citirt Cassel (der Verfasser des Artikels ״Juden“ in der Encyclopädie von Ersch und Gruber ist indess Steinschneider und nicht Cassel S. 47, Note 1), Grätz, Güdemann, M. Joöl u. a., und gelingt ihm der Nachweiss vollständig, dass die Juden nur in einer verhältnissmaasig geringen Zahl und nur in der Noth der Zeiten sich dem Wucher hingegeben hatten, wo hingegen unter Christen dieser stets heimisch gewesen war. So haben die Fugger in Augsburg in einer Zeit von sieben Jahren ihr Vermögen um 13 Millionen Gulden auf dem Wege dee Wuchers vergrössert. Moliers ״Geiziger“ ist kein Jude, sowenig wie das Urbild des Shakspear’sehen Shylock; denn zur Zeit des grossen britischen Diohters, hat es in Eugland keine Juden gegeben, welche erst im Jahre 1656 dort ein wunderten. Vielmehr ist das Motiv des Stückes einer barbarischen Gesetzesbestimmung der römischen ״Zwölf Tafeln" entlehnt, welche im 14. Jahrhundert Geltung hatten, und die Figur einer mittelalterlichen gehässigen Schilderung eines Juden, wie ihn Shakspear nie kennen gelernt hatte. — Dass in Ländern wo wenig Juden sind, wie in Belgien und Schweden, und wo so gut wie gar keine Juden sind, wie in Spanien, das Wuohergesetz eingeführt werden musste, ist der deutlichste Beweiss, dass derWuoher der Juden jeder geschichtlichen Wahrheit entbehre. Im vierten Capitel schildert der Autor die Ausgebürten einer krankhaften Phantasie der Feinde unseres Volkes und unseres Glaubens. Jene wären zu beläoheln, wenn sie nioht als symptomatisch tief zu beklagen wären. Den Beigen dieser Antisemiten eröffnet der Verfasser des France juive und der Herr M. Tuohmann im 4. Bande der Zeitschrift ״Melatine“. Brunnen Vergiftung«-, Hostiensohändungs- ,und Blutbe80huldigungs - Mährchen bedürfen nioht erst der Widerlegung. Ebenso braucht die unserem Stamme angedichtete Ungeschicklichkeit, Hässlichkeit, körperlioher Gebrechlichkeit und Kränklichkeit nioht erst widerlegt zu werden. Auch wi d die Legende von den Magiern und Zauberern unter deu Juden, welche erst aus der Büstkammer mittelalterlicher Gehässigkeit hervorgeholt wurden, nioht ernst von den Vernünftigen unter unsern Gegnern genommen werden können. Wohl aber hat der Verfasser Becht, wenn er dem Vorwurfe wirksam begegnet, als liebten wir die Absonderung vom Volke. Aus unseren biblischen Schriftheiligthümer lernen wir den Schutz der Unterdrückten, das prophetische Ideal ist das der Mensohheitsverbrüderung. Aut der Sonnenlehre der Humanität macht unsere Zeit eine Eklipse. Hoflen wir auf den Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit in der Zukunft! Dr. N. Litterarische Notix. Chronologisches. Bei Gelegenheit der 101jährigen Geburtstagsieier Rappoports?*XI am 1. Juni d. J. diirtten die Freunde dieses grossen Gelehrten auch einem Briete ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben, welchen derselbe am Dienstag den 12. Siwan 5022 an Herrn Salomon B u b e r in Lemberg geschrieben hat Dieser Briet ist ahgedrackt in fCobaks ״Jeschurnn“ Jahrgang IV, hebr. Abth. S 63—67. In demselben beklagt sich Rappoport über die Rücksichtslosigkeit Gottlieb Jacob Sterns, genannt זכ1בב טוב mit welcher dieser ein Datum iü einem Briefe Rappoports entstellt hat. R. giebt eine Berichtigang dieses Datnms, welche merkwürdigerweise einen neuen Irrthum enthält, der wohl bisher von den meisten Lesern des rJeachuran“ übersehen worden ist und dessen Richtig- Stellung ich mir daher gestatte. — S. 65 oben rügt R. das toigende von St entstellte Datum in einem seiner (R.) Briefe יום ד־ דך אדר עד חד, עולה תרד ב Der zahlen werth sämmtlicher Buchstaben von □יו bis שני beträgt 652 entsprechend dem J. 1892, was auf den ersten Blick ajs ein Lapsus erscheint, .da wir dieses Jahr noch za erwarten haben Z. 8 berichtigt nun Rappoport wie folgt: ,באמת רשימת פרט ]השנה היתד כזו, יום ד־ והוא דך אדר שני לפ״ק, מלת יום כאותיות רשי׳י ולא בא בחשבון הזמן ודק האותיות דנדו־ות דן לחשבק עולות, כפנין תרי״ד, Aber auch dieses Datum stimmt nicht, denn das Jahr 5614 m. d. F. ,כשיד war ein Getieinjahr und hatte also keinen Adar II.; der 27. Adar fiel in demselben auf Montag. L. Cohen-Rees a. Rhein. Litterarischer Anzeiger. Zunz-Siiftang. (| S a—d des Statuts.) |4224 Für das Jahr 1890 sind etwa 1200 Hk. verwendbar. Meldangen oder Anträge (mit den dazu gel origen Unterlagen) sind bis Bitte Septeaber d. J. dem unterzeichn. Vorsitzenden einzureichen. Hierbei wird zur Vermeidung von Missverständnissen aasdrftcklich bemerkt, dass die Zunz-Stiftang, ausschliesslich der ־Wissenschaft des Judenthnms gewidmet, lediglich streng wissensch ertliche Arbeiten za fördern bestimmt ist. Berlin, 1&. Juni 1890. Das Caratorium der Zanz-Stiftung: Br. B, Hsaaiana, Dr. Abrakan, Vorsitzender. Schriftführer. Berlin W., von der Heydstr. 7. Im Selbstverläge des Verfassers ist erschienen: עץ חיים Hebräische Lesefibel, bearbeitet 4303] von J׳ Merzberg, Erstem Lehrer an der Gemeinde. Rnligintitschnle za Bromberg. Preis: 60 Pf. lYaaaogsfonoalare^ scher Uebers ) k ftO Pf. (4 St. für lM.)za haben bei der Exp. d.Bl. Leichten u. lohnenden Nebenerwerb erzielen jüd. Beamte mit dem Verkante meiner beliebten JahrzeltgedsnkDUtter. Probebilder gratis n. franco. [4272 S. Msnhaser, Zittan. Briefkasten «er Kedactlsm. D;e Forte, der Art.: Die Var. in d. bibLPaihL u. ,Rapp. Sehr.‘ in n. Nr. Verantwortlicher Kortactear iir. Kahmer, Magdeburg. Druck von D. L. >V01ft, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig,

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