Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 21. (22.5.1890)
- Date
- 1890-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mti. Jüdisehes J«hrg- Emr MihMhi *Um jBSaeikui IM■ UtnUmUa lMtnrlMk«■ Kr• WUhlM■ aef Um fitklM• 4« PkU»• ■pMl, SoeklMl«, WnmiMti TSw •Kto, OHraUtia, b«M, ■•aülrtlk. Utu«a m. PlkMlt Herausgegeben ▼OB Rabbiner Dr. Xorits Rahmer. 91ta<^3e6tiKj, 22. Sfltai 1890. MM« KnhllWin Ultmtar.ni•* Ul IMmün ■••■II Wirt•, M■ t■ a«— «tu ■!!••■11 ■m» ■«*««« M B—lm BW ■Wtl ■*MMteW fiMpliTM ■M|t kam tri■ ImiMIb■■ Dm ■JMlsebe Littentmr-Blett« erscheint w&ehentlioh in einem halben Bonn Prei» bei allen Bnobhandlaaa•■ da Leipzig bei Robert Frieee) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“, die ▼ierteljihrUoh bei •lle• Poetanetalten nnd Bnehbandlnngen > Mark ■ahlan, erbalten da• ״Jüdische Littet atur-BUtt“ gratia. — laeerate werden ■dt 15 PL für die gespaltene Petit»eile/BeUafea mit SO Merk, berechnet nnd ■ind an die Expedition dieee« Blattw sa ■csdca Buchhändler u. Lehrer, welche direot oder durch Robert Frieee Inserate einaenden, erhalten Rabatt. Inhalt: Wiesenschaf tlich 6 Auf »ätze: Die Varianten in den bibl. Parallelen, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Grün. — Die Judenbrieiträger in Frankfurt &. M. Von A. Kracauer, Frankfurt. (Schlau.) Litteratarbericbt: Receusionen: Kristeller, Samuel. Der ethische Tractat der M iachnah Pirka Aboth d. L Sprüche der Väter übersetzt. — Bub er, Salomon. Majaa-Oannim. Commentar zu Jjob von R. Samuel ben Niasim Maanuth. Li׳ teiarische Anzeigen. Uebefe|ter NaeMrtiek aut diettm Blatte ist nicht!estatteL Die Varianten in den biblischen Parallelen, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Grün. 2. Der Dekalog. Anoh die Schöpfung der geistigen Welt, die Offenbarung, namentlich das Haaptmoment derselben, die Quintessenz der ganzen Gesetzgebung, das Zehngebot, wird zweimal nnd zwar im zweiten Bnobe Moses Cap. 20, nnd mit manchen Einschaltungen nnd Erweiterangen im fünften Bache Moses Cp. 5 dargestellt. Dooh weniger auffallend als die Wiederholung selbst in einem schliesslich zu diesem Zwecke bestimmten Baohe ist die zwischen beiden Dekalogen stattfindende Abweichung im Wortlaute nnd in der Begründung manches Gebotes. Woher die Verschiedenheit des Texte«? Welober ist der wahre, richtige, officielle, authentische? Bat man nicht das Zehngebot, das Gotteswort im wahrsten Sinne, seit dem Empfange desselben mit ängstlioher Scrupulosität vor jeder Verweohslung nnd Veränderung geschützt? Wurde niokt jeder seiner Buchstaben, Paukte und VocAle gezählt,* vor Hinsnfägang nnd Wegnahme bewahrt? Muss nicht die Verschiedenheit des Textes den Glauben an die Echtheit des einzigen, in fester Gestalt überlieferten Dekaloges erschüttern and den hohen Werth desselben beeinträchtigen. Und in der That hilft sioh schon der Talmud über diese Schwierigkeit hinweg mit dem Aussprache: ,Beobachte1‘ und ,Gedenke" wurden wie ein Wort auf einmal ausgeprochen. Gewiss bediente er sioh dieser beiden Schlagworte, welohe die ersten beiden Varianten zwischen dem Dekaloge jin Exodus and Deuteron, bilden, zur Bezeichnung für alle in diesen stattfindenden Differenzen and will dismit sagen, dass sie im Grunde genommen unwesentlich sind, und der Sinn beider Sektionen derselbe bleibt. Gegen eine wörtliobe Auflassung dieser Stelle wendet Abr. Jbn Esra (Bibe 1-Oowmentar an Exodus Gap. 20 Einleitung) mit Beoht ein, dass das Wunder, zwei verschiedene Wörter auf einmal aussusprechen, j I welohes selbst das der Offenbarung nochäberträf•, f in der Thora erwähnt werden sollte. Vielmehr soll damit die gedankliche Jdentität beider Worte ansgs! drückt werden. Und wie dies bei beiden Haupt• Varianten der Fall ist, zeigt Abraham ibn Esra mit dem ihm eigenen Scharfsinne die Einheit and Gleiohhstt dem Sinne naoh, auch bei den übrigen im Wortlaute verschiedenen Stellen der Dekaloge. | »Man ma8s daran festhalten, dass Allss auf dsn! iiiuern Gehalt, den Geist einer Bede, ihre Seele, nioht | aber auf das Aeassere, den Aasdraok eines Wortes, l seine Hülle, seinen Körper ankommt. Bei der Ver• j gleiohang zweier Stellen artheilen verständige naoh | dem Inhalte, nicht aber nach dem Wortkate, der in den Parallelen nioht übereinznstimmen braucht.* So werden Gen. 4,11, 15,29, 17,45, die Beden dritter Personen in ihrem Namen nioht wörtlich, sondern bloss inhaltlieh angeführt. Mose* wählt daher im zweiten Dekaloge V. 12 den Aasdraok שסיר statt זכור, weil die Kraft zum ,Denken* and aam ,Bewahren" in einem Seelenvermögen ihren Sita hat and gibt (S. 15) eine andere als im ersten Dekalog (V. 11) naoh J. E. in der Vernunft nioht begründete Ursache (vergL jedoch Kos. 3,7, 11) für das Gebot der Sabbathruhe an. Ueber die den Buohstaben Waw betreffende Differenz setzt sich J. E. leioht hinweg. Damit verhält es sich naoh seiner Ansicht, wie wenn mir jemand aufträgt, seinem Freunde einen Satz mit Wörtern, welohe Waw plene haben, sa schreiben, und ich diesen ohne Waw sohreibe. Allerdings ist dieser Vergleich auf das Verhältnis zwisoben Gott and Mose« nicht anwendbar und eine solche Freiheit beim Oitiernu, des vorzugsweise genannten Gottes wertes, welohes (naoh Exodus 34,11) seine erste, unveränderliche Gestalt behalten sollte, nicht statthaft. L axzatto erklärt die Differenz zwischen dem ersten und sweiten Dekalog in folgender Weise : .(Bikan Haittim Jahrgang 8,1882. S. 88, Beth-Hacaer 2, S. 85) ,Der erste Dekalog nämtiah hat das Geschlecht der Wüste, der zweite das bald sioh bleibend in Palästina niederlassende Volk im Auge; daher verweilst dieser nachdrücklich auf das göttliche Gebot, (Vers 1, Jä und 5), damit die Sabbäthrahe nicht als blosse Er• holang nach sechstigiger, anstrengender Arbeit an• gesehen werde, nnd verheisst euch Wohlergehen als Lohn für die Elternliebe (V. 16), weil langes Leben bei einem mühevollen Dasein in Palästina nicht als hinreichend wünschenswertbe Belohnung erscheinen könnte*; eine seltsame, in die Bibel hin ei ngstregeUe Anuioht, naoh ן reicher das Leben in der Wüste dem un gelobten Lund» verzazteheu wäre. AUerdugs ־ schwebt sohon L. selbst dis Frage vor;: Zar Zeit