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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-04-04 · N° 14-15. (4.4.1890) · p. Seite 57

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 14-15. (4.4.1890)
Date
1890-04-04
Page
Seite 57 (sequence 5)
Language
German
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Beilage zu No. 14-15 des ״Jüdischen Litteraturblatts” Aus Vorstehendem ersieht man, dass die gelehrten Commentatoren nioht müde werden, diesem beliebten jüdischen Volksbuohe immer und immer wieder neue Seiten abzulauschen und von Jahr zu Jahr die Haggadah mit neuen Commentaren zu bereichern. Ob aber hiermit einem Bedürfnisse entsprochen wird? Diese Frage muss nach meinem unmassgebliohen Dafürhalten mit einem entschiedenen ״Nein“! beantwortet werden, wenn auoh die Arbeiten an sich volle Anerkennung verdienen. Für den grössten Theil des jüdischen Laienpub'ikums (wenigstens in Deutschland) enthalten diese Commentare nur wenig, was zur Geistes- und Gemüthsbildung beitragen könnte und zwar aus dem Grunde, weil es den weitaus grössten Theil nicht versteht. Ma'ht ja schon die einfache Uebersetzung des Haggadah-Textes gar Manchem nicht geringe Schwierigkeiten! Wenn es die grössten Gelehrten, sowohl der alten als neuen Richtung, nun nicht verschmäht haben, der jüdischen Nation den Sinn des heiligen ״Buches der Bücher“ in lebender Sprache zu erschliessen, so wäre es nicht minder wünschenswerth, i wenn berufene Männer sich ansohicken würden, auoh unsere Pessach-Haggadah mit einem ausführlichen, aber volkstümlichen Commentar in lebender Spraohe, wobei auch die litteraturgeschichtlicht Entwickelung des beliebten Buches nicht ausser Acht gelassen werden dürfte, zu versehen. Es sind ja bereits in dieser Hinsicht erfreuliche Anfänge gemaoht. Ein solches Unternehmen dürfte für die Verleger nicht minder lohnend als für die Autoren sein. Hoöentlich wird diese Andeutung dazu beitragen, dieser Frage wenigstens in Fachkreisen näher zu treten. Wer hat das Chad-Gadjah-Lied verfasst? Hierüber schreibt Herr Naphali Herz Imber im ״Jew. Stand“ wie folgt: ״Nachdem ich unlängst versucht habe, das Alter dieser Dichtung naohzuweisen, wage ich es heute noch einen Schritt weiter zu gehen und zu erforschen, wer der Verfasser gewesen sein mag Die Tradition, welche uns verschiedene Werke überliefern, z. B. das Buch נזקרא קדש (Commentar zu Chad-Gdjah von Zwi Hirsch ben Salomon, Prag 1827) schreibt die Autorschaft der ganzen ״Pessach-Haggadah“ dem Rabbi Meir zu. Ohne den Werth dieser gewagten Behauptung zu untersuchen, bin ich doch sehr geneigt za glauben, dass er der Verfasser des in Frage stehenden Liedes ist. Folgende Gründe bestimmen mich zu dieser Annahme. Rabbi Meier ist bekanntlich der jüdische Aesop. Seine 300 Fuchsiabeln erwähnt schon der Talmud; ausserdem enthält derselbe aber auch noch verschiedene andere Proben seines dichterischen Genie’s und zwar alle in aramäischer Sprache. Es ist also möglich, dass das Chad-Gadjah eine seiner Thierfabeln ist. Rabbi Meir wird uns ferner als derjenige geschildert, welcher der Bedeutung der Eigennamen eine grosse Wichtigkeit beilegte *) In dem Chad-Gadjah ist :nun Egypten mit einer Katze verglichen — wegeu seiner thöriohten Katzen- Vergötterung — und andere Nitionen mit eben so entsprechenden sinnreichen Bezeichnungen. Wir wissen ferner, dass Rahbi Meier seine letzten Lebenstage in Babylon verbrachte, wohin er yor den Römern geflohen Säge, V- ■ war. Hier muss er sich nun in der aramäischen Sprache vervollkommnet Und seine berühmten. Thierfabeln gedichtet haben. Rabbi J e h u d a h, ein Zeitgenosse S. Meir’8, hinterliess einen hebräischen Ausspruch, welcher eine frappante Aehnlichkeit mit dem Chad-Gadjah-Lied hat: ״Zehn starke Dinge hat die Well Dar Berg ist stark, aber das Eisen durchbohrt ihn; das Eisen ist “stufe, aber das Feuer schmilzt es; das Feuer ist stark, aber das Wasser löscht es; das Wasser ist stark! aber die Wolke trägt es; die Wolke ist stark, aber der Wind verweht sie; der Wind ist stark, aber der menschliehe Körper trägt ihn; der menschliche Körper ist stufe/ aber der Schrecken beugt ihn nieder; der Schrecken ist stark, aber der Wein besiegt ihn; der Wein ist stark, aber der Schlaf überwältigt ihn; der Tod ist stärker als Alles.“ Ob nun R. Jehudah die Grundidep zu diesem Aussprüche von R. Meir, oder dieser die Idee zu dem Chad-Gadjah von Jehudah entlehnt hat, wage ich nicht zu entscheiden; die Aehnlichkeit in der Structur und die Uebereinstimmung in der Zahl (10) aber lassen es höchst wahrscheinlich erscheinen, dass hier ein gegenseitiger Einfluss obgewaltet haben muss.“ — So geistreich und originell die Idee des Herrn Imber nun auch scheint, dürfte sie doch schwerlich Vertreter Anden Schon der Umstand, dass in den älteren Haggadah-Ausgaben von Salonichi, Cremona, Constantinopel, Vesedig, Ristrowitz, welche um die Mitte des 16. Jahrhunderts erschienen, das Chad-Gad•'' j ah-Lied fehlt, lässt es unmöglich erscheinen, dass R. Meir der Verfasser gewesen sein kann. Sollte er nach dem angeführten מקרא קדש nun noch gar der Autor der ganzen Pessach-Haggadah sein, so ,,erscheint es um 80 auffallender, dass das Lied nicht auch schon in den ältesten Ausgaben sich findet. (Ofr. ״Sang und Sage im Spiegel jüdischen Lebens", von K. Köhler in der ״Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ Bd. III, S. 234—242, welcher auoh den Ur- Sprung des Chad-Gadjah-Liedes eingehend behandelt) L. Cohen. Litteraturbericht. •) £■ exiatirt nämlich die Schäler vor einem Hanne, Namens warnt haben soll. Da seine Vorar traf, erklärte er die Begründung Name der Antmng eines Bibel •wess ״) תהפוכות המהdenn sie sind ein dass er einen seiner בידור־, ais einem Diebe genssetzaag auch wirklich *nderselben damit, dass der •es (Deut. 89,zu) כי דור Verkehrtes GeeohJechrt“) ■ei Recensionen. Josel Fortunat. Ein Roman aus Rumänien von Marco Brociner. 2 Bände. Deutsche Verlagsanstalt Wenn ein Roman in, fremden Landen spielt, fehlt ■ uns zumeist jede Kontrolle der Wahrhaftigkeit dea Urtheils über Land und Leute. Wollte einer deutsche Richter 80 schildern wie in diesem Romane die rumänischen geschildert werden, daaa die Jastia bis in ihre höchsten Spitzen dem Winke einer »ohÖsen Dame gehorcht, er würde lächerlioh werden. Für das Ausland müssen wir dem Autor Viele« auf■ Wort glauben. Und Herr Brociner schildert ans' eine angeheure Verderbtheit; trotz seiner freie■ Verfassung und vielleicht sogar ein wenig dnreh dieselbe ist Rumänien ein Sumpf; die Richter beugen dea Reoht und sind die gewissenlosen Helfer, um Bauern, die seit unvordenklichen Zeiten einen Acker beerteen, von ihrem Erbe au verjagen and sie dadurch, aur Verzweiflung, zum Aufstana au hataen; die Vomehaien sind genusssüchtig and - rohe Wüstlinge; die Geistliohkmt ist nur in einem Exemplare vertraten, aber * der Mann ist auf der niedrigsten Stufe dar Bildaafc ist nahem stets betrunken, tfie denn der Alkohol dag.

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