Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 12. (20.3.1890)
- Date
- 1890-03-20
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 — eohaft ■גז erlangen. * Beide zeigten daroh ihr Fapon de vivre, due der Jade Gelehrsamkeit mit Sittenadel, Liebe zum Vaterland mit echter Belijriösität verbinden, and aaoh mit denen auf einem höohst freundschaftlichen Fasse stehen könne, die nicht seines Glaubens sind. Beide fühlten sich zu ihren.Stammesgenossen stark hingezogen, und beide traten als deren warme Vertheidiger auf, so oft sie in der Tagespresse, in Flugschriften, oder in sonstigen giftgetränkten Büchern in moderner antisemitischer Weise Kindlich angegriffen wurden. Uad endlich, gaben 8ioh beide dio grösste Mähe, die heranwaohsende jttdisohe Jugend zur Erlernung der deutschen Sprache und Litteratur anhalteu zu hssen, welch’ letztere sie übrigens selber mit ihren eigenen litterarisoheu Erzeugnissen vielfach bereicherten. Ia religiöser Be- Ziehung hingegen trifft, die bisher gezogene Parallele nicht ganz zu, denn darin ging jeder von ihnen seinen eigenen Weg. Während nämlioh Mendelssohn in seinen Schriften das traditionelle Judenthum fast bis auf einen blossen Theismus reduzirte*) und die verschiedenen Bräuohe desselben als eine kaum za ertragende Last bezeiohnete, eiferte Zunz stets für deren Beibehaltung und hielt, wie bereits früher angedeutet wurde, deren weitere Existenz für nothwendig, um den weitern Fortbestand des Judenthums zu bewirken.**) Wohl befürwortete Zunz mit grossem Eifer die Beformbestrebungen innerhalb seiner Gemeinde, aber seine Ideen in Betreff der Beform des Judenthums können bei genauer Prüfung eher für conservativ als radical-reformatorisch angesehen werden. Durch einen geregelten und erbauenden Gottesdienst, wobei natürlich die belehrende und in der allgemein verständlichen Landessprache gehaltene Predigt nicht fehlen durfte, glaubte er die gebildete Klasse unter seinen Glaubensgenossen an’s Judeatham zu fesseln, die sich in dem damaligen Status qao sicherlich gänzlich davon losgesagt haben würde. Ebenso strebte er durch Wort und That eine Beform in der Erziehung der jüdisohen Jugend herbeizafahren, wovon er sich eine Verjüngung und ein neues Aufblühen des Judenthums mit Zuversicht versprach. Und obschon er Zeuge des traurigen Schauspiels war, wie nämlioh einige seiner besten and intimsten Freunde fahnenflüchtig wurden and den Math nioht hatten, im Kampfe ums tägliche Brod bei ihrem väterlichen Glauben auszuharren, so hatte er wenigstens die Genugthaung zu wissen, dass bei diesen Deserteuren die Eindrücke, welohe das Judenthnm and dessen Litteratur einst auf sie gemaoht, trotz des Wechsels der Beligion nioht ganz verwischt wurden. Dies war namentlich bei Heinrioh Heine der Fall, der, Dank dem intimen Umgang, den er mit dem Zanz’schen Ehepaare gepflogen, hier und da in seinen ansterbliehen Werken von den litterarisohen Sohätzen seines Volkes mit Begeisterung spricht. ein einziges Beispiel von mehreren vorhandenen roll liier das Gesagte bestätigen, and zwar ein kurzer Auszug aus seinem Bache: ,Heine über Börne“. Von der Bibel sprechend, drüekt er sich darüber folgendermassen aus: ״Die Bibel, welch’ ein Bach! gross und weit wie die Welt, wurzelnd in die Abgrftnde der Schöpfung und htnauiragead in die blauen Geheimnisse des Himmai« , . . Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Verheissung und Erfüllung, Geburt und Tod, das ganze Drama der Menschheit, Allee ist in diesem Bache. . Es ist das Bach der Bücher, Biblia. Die ’ Juden sollten sich trösten, dass sie Jerusalem und den Tempel und die Bundeslade und die goldenen Ger&the und Kleinodien Salomonis eingebüsst haben . . . solcher Verlust ist doch npr geringfügig in Vergleichung mit der Bibel, dem unzerstörbaren Schatze, den sie gerettet.‘ *) Das dürfte doch schwer nachzn weisen 8^in. (ißd.) . **) Das forderte auch Mendelssohn. i (Bed.) Aehnlieh äasseret ■ich Heine ia seinem ,Geständnis••*; ״Ja, den Juden, denen die Welt ihren Gott verdankt, verdankt säe auch dessen Wort, die Bibel; sie haben eie gerettet' aus dem Bakerott des römischen Beiches, und in der tolle■ Raqfieit der Völkerwanderung bewahrten sie das thenre Bunh, bis es der Protestantismus bei ihnen aufsuchte und des getundene Buch in die Lendesspraehen übersetzte uad in alle Welt verbreitete. Diese Verbreitung hat die segensreichsten, Früchte hervorgebraoht and dauert noch bis auf den heutigen Tag, wo die Propaganda der Bibelgesellschaft ein providentieUe Sendung erfüllt “ _ (Schluss folgt.) Litteraturbericht. Receaaioriem Mandelkern, Dr. 8., Hebräische Gedichte 2. Baoa. Leipzig 1889. Selbstverlag. Klein 8*. 115 S. Den Kennern und Gönnern der hebräischen Sprache ist auch in Deatschland Mandelkern’• Name nioht unbekannt, ln seinem neuen 90hrifu>hen hat er wieder viele vollgiltige Beweise davon gegeben, dass er die hebräisohe Spraohform unbedingt aaoh anter den schwierigsten Bedingungen beherrscht. Der zweite Band seiner hebräischen Gedichte umfasst106 ־ Piepen,י welohe naoh Form und Inhalt sich verschieden bewerthen. Dem Grundsätze haldigend: vaiiatio deleotat, wechseln eigene dichterische Sohöpfaugen mit mehr oder minder werthvollen Beproiuotionen, Par07, phrasen uad Uebersetzangen der Lieder aaderer Dichter in angenehmer Weise ab. Von Stüoken letaterer Art seien hier besonders die , hebräischen Melodien Heine’s ״Prinzessin Sab bat ü“ and ,Jehud» Halevi“ erwähnt. Eine interessante Leistung bietet hier der gewandte Uebersetzer den Lesern. Es hat unstreitig viel Verlockendes für einen formgewandten Hebraisten, Heine’s hebräische Melodien in hebrftisohem Gewände za reprodaoiren. Freilich ist es kein leichtes Stück Arbeit, dem ,angezogenen Lieblinge der Grazien“ auf der einen and dem Genius der hebräischen Sprache in ihrer gefühlsheiligen Keuschheit and Beinm heit aaf der anderen Seite gebührend Reohnang za tragen. Es gehört nun einmal zu Heiae’s Eigenthümliohkeiten, dass frivole Cyaismen mit eoht diohte- , rischem hohen lyrischen Schwange auf das Innigste ~ sich berühren. ,Prinzessin Sabbath* and ,Jehadah Halevi“ sollen aas naoh Heiae’s eigenster Absicht eine Verherrlichung hebräischer Ansohaaang, hebräischeu Wesens, hebräischer Gewissenhaftigkeit and Sittenstrenge, hebräischen Dichtens and gottbegnadeter, hebräischer Dichter veranschaulichen. Diesem schönen, eines Heine würdigen leitenden Grundgedanken wird aber die Form der Dichtung leider nioht immer gerecht. Die lasoirten Ausfälle stören selbst den •tim- ן mungsvollen Leser des deatsohen Originals, am wie viel mehr den «1er Gebräuchen Uebersetsang. Herr M. hat naoh unserem Gefühle des Gaten za viel gethan, alle, auch die ieioht geschürzten Strophen dieees grossen, polarisohe Gegensätze in eich vereinigenden Dichtere reprodaoiren zu wollen. Hier gilt wirklioh der Grundsatz: שב ואל תעשה עדיף, Gelegentlich muss wohl aaoh dem Ueberseteer diese Erkenntnis» auigegangen sein. Bei den ge wagtesten Stellen des Gedichtes ,Prinzessin Sabbath* soheinen Math and Kraft ihn im Stiche gelassen za haben. Dafür trifft ihn kein Vorwarf, dafür zollen wir ihm eben so sehr Dank, wie dafür, dass er den Irrtham Heine’s richtig gestellt hat, dae Lied *m לכה dem Jehada Halevi ma| vindioiren. Die Uebenetsang des Gedichtes ,Jehada Halevi* Bitte viel gewonnen, wenn die satirischen Aasfälle wie s. B. der grösste Theil des 3. Abschnittes and dergL, deren hebräisches Colorit dem Originale aaoh nicht annähernd gleich kommt, als höre d’oeuvre von der Uqbertragang aas-