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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-02-27 · N° 9. (27.2.1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 9. (27.2.1890)
Date
1890-02-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsendea, erhalten 26 ßi Rabatt. Inhalt;: Wissenschaftliche Aufsätze: Das Leben und die Werke des Dr. Leopold Zunz. Von Dr. Chotzner am Harro w- College. (Fortsetzung.) — Das Targum scheni zu dem Bache Esther. Verhältnis» des edirten Textes desselben za dem eines handschriftlichen Codex auf der Breslauer Stadtbibli- . othek, stammend aus dem 13. Jahrh. Codex No. 11. Von Dr. Jaoob Re iss, Rabbiner in Enttenplan (Böhmen). (Forts.) — Ueber die Einwanderung der Jaden nach Polen. Litteratnrbericht: Recensionen: Klaeger, Hermann. Geschichte der Jaden in der baylonischen Gefangenschaft. Fortsetzung.) — Zuckermandei, M. S. Dr., Oberrabbiner. Vocabalarium und Grammatik zu den hebr. Versen des Spruchbaohes. Litterarisohe Notizen. — Litterarische Anzeigen. üebefegtsr Mzztlnut sbs Jlesssi Blatte Itt ni sb t!estattet Das Leben und die Werke des Dr. Leopold Zunz. Von Dr. Chotzner am Harrow-College. (Fortsetzung.) Die bisher genannten Werke Zunzens sind anstreitig die besten und, vom litterarisch-Wissenschaftliehen Standpunkte ans betraohtet, die vorzüglichsten seiner Qeisteskinder. Diese allein sohon würden gentgen, das grosse Genie ihres Verfassers in seiner Eigenschaft als Litterator, Dichter, Kritiker, and Forscher auf dem Gebiete der jfidishen Wissenschaft nnd Litteratnr zn kennzeichnen and ihm Bin bleibendes Andenken za verschaffen, Zunz war aber ausserdem nooh in einem andern wichtigen Fache eine bekannte nnd schätzenswerthe Grösse. Er war nämlioh auch ein tüchtiger Kanzel-and Volksredner, nnd besasB die seltene Gabe, seine Zuhörer za fesseln nnd mit sioh fortzareissen. Als Prediger wirkte er zwar, wie bereits bemerkt wurde, nur wenige Jahre, doch selbst diese knrze geistige Thätigkeit blieb nicht ohne guten Erfolg. Wenn anoh seine religiösen Vortrotz der momentanen Begeisterung, die sie unter seinen Gemeindemitglledem hier nnd da her- ▼orgernfen haben mögen, nioht das bezweckten, was er in ■einem feurigen jngendliohen Eifer so gerne berbeigewünscht, nämlich ein echt religiöses Gemüth nnd ein warmes Interesse für die väterliohe Religion innerhalb seiner Gemeinde wachgerufen za sehen: so haben sie wenigstens nach einer andern Richtung hin Vorzügliches geleistet. Denn, als Zunz seinen Predigerposten freiwillig aufgab, veröffentlichte er im Jahre 1823 eine Sammlung von 16 Predigten, die er während seiner Amts thätigkeit in seiner Synagoge gehalten, and widmete eie nioht allein seiden eigenen Gemeindemitgliedern, >,andern nach al en sehen Glaubensgenossen. Eine zweite Aallage die er Predigt• Sammlung erschien im Jahre 1846. nnd einige andere, In der fraglichen Sammlnng nicht entha] tonen religiöse Reden wurden später von den Oaratoren der oben bereite erwähnten Zunz-Stiftung ebenfalls abgedruckt. Bedenkt-man non, dass deemnal die jüd. Predigt - Litteratnr an gediegenen Predigten noch äasserst arm war, so ist ss selbstverständlich, daaa Znnaens Geist nnd Gemüth anregende homiletische Vorträge allgemeinen Beifall gefunden nnd viel dazu beigetragen haben mussten, dass in vielen gebildeten Gemeinden der Wnnsoh rege wurde, tüchtige nnd moderne Prediger ansasteilen, die dem Zeitgeist holdigten and die Fähigkeit besasaen, Predigten naah Zutns’sohem Master za halten. Weit mehr nooh bewährte die besagte Predigtsammlang ihre Nützlichkeit jungen, angehenden Predigern gegenüber, die der gemässigten Reform ahgehörten, indem sie ihnen bei den Ausarbeitungen ihrer eigenen homiletischen Reden, zam Vorbild diente. Sie kann demnach mit Recht als Quelle, angesehen werden, woraus viele jüdisohe Theologen modernen Sohlages Belehrung nnd an• regende Gedanken in reichem Masse schöpften. Folgender kurzer Anszug aas einer am Sahemini- Azereth des Jahres 1820 von Zunz in Berlin gehaltenen Predigt, welche ״ Aufforderang zam Fortschritt* betitelt ist, wird den Leser mit dessen Schreibweise auf homiletischem Gebiete bekannt machen, and an• gleich anoh die Tendenz zeigen, die Zone in seinem Berufe als Prediger and Seelsorger stets befolgte. Nachdem er sioh über das Thema (Text: Hoeea VI, 1—6), in mehreren kraftvollen Sätzen ausgesprochen hatte, schloss er seine Rede wie folgt: ״Sehet, meine Freunde, nooh einmal zarfick in die vorgangenen Jahrhunderte. Emst gab ea eine Zeit,׳ wo von nnsrrn Vorfahren in der Landessprache Tagend and Oessts gelehrt ward, dass es Minner und Frauen, Ee»h««. llil«!!«■, Enaheiauache nnd Fremde hörten, lernten gotteefürchtig würden, und: das Gesetz beobachteten; — einst gab es eine Zeit wo Äten lebten, and von Gemeinde za Gemeinde Gottesfurcht toten. — Aber des ist alles verschwanden! kein Profil« erweckt mehr die Herzen in Israel, — keine Tendnesprinhe wird mehr gehört, — ־and Fraaen, Rinder and Fremde ▼er- ־ stehen nichts von den Vortrigen jetziger. Zeit, and die Mtawr werden von ihnen nicht erbaut. — Damm laeaet ans sa Gatt znrdckkehren — darum van non an in seinem Tempel in die Landessprache lehren, dass jeder and jede sein Leben begreif« lerne, lerne im Wissen fortzaschreiten, and in der Erkenntnis■ and 1m Glauben. Es ■oll ferner nicht mehr die Frömmigkeit in 4er Synagoge eingesohlossen b.eiben, — sie •oll herauskommen, ein lebender Führer unser Thon ervollkommmmg, and«

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