Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 6. (6.2.1890)
- Date
- 1890-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Jahrg, XIX. Litteratur-Blatt Car Miuktui aller lilatk•■ 111 J«4«a k«tMff«a<M Utterarisekea Er* Hk«i111|« aaf 4«n «eklet« 4er Pklle- •epkle, 911ckl«kte, Ktk>«fraykl«, Tkte• «ffle, OrleaWlU, Exegee«, HeaJletlk, Utu«ik 1. Pl4«4ffU. Heraasgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9 91Ca^3e'6ut^, 6. S־e6־taai 1890. Bl«kar MrdaMklifl••■ LliUntar.walffk 44* Mutin niml« tuta, Mn U 4lfm Mittu tltctktmMt iNprHkfll M Cl.Ma4l.ff TM •««I 114M.IM«• baarlim weift S..1U•• k.n. Sratlff-lwMfftlM. Das ״JMlsehs Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bozen Preis bereiten Buchhandlungeu (in Leipsig hei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitiaoben Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Poetanstalten and Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erbalten du ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 18 PL für die gespaltene Petitaeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden Bnohhkndler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. " Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Das Leben und die Werke des Dr. Leopold Zcnz. Vcn Dr. Chotzner am Harrow- College. (Fortsetzung.) — Ueber die Sabbotniks. Littfraturbericht: Recensionen: Der Tlnsterbliclikeitsglanbe, nicht vom theologischen Standpunkte, in seiner empirischen, analytischen und moralischen Behandlung von Morrtz Scherbel, Prediger in ßnmbinnen. — Eine prachtvolle Happe mit vierzig Blättern unter dem Titel: t.Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Litterarisclie Notizen. — Li' terarische Anzeigen. Unbefugter Naehäruak sus diesem Blatte ist n i s b 1 gestattet. Das Leben und die Werke des Dr. Leopold Zunz. Von Dr. Chotzner am Harrow-College. (Fortsetzung.) Eine ähnliche Gelegenheit bot sich ihm dar, seine Meinung klar und deutlich auszusprechen, als dieselbe Regierung im Jahre 1836 eine Verordnung erliess, welche den Juden in Preussen die Beilegung und den Gebrauch ▼on Namen verbot, welche gewöhnlich preussische Christen führten. Zunz veröffentlichte daher ein dem Herrn Gumpertz in Berlin gewidmetes Essay, welches unter Anderem auch eine Liste von germamachen-Namen enthielt, welche die Juden in Deutschland bereits geführt hatten, als noch die Urahnen der modernen Deutschen zu den Wilden gezählt wurden, und der Nationalstolz ihnen noch ganz fremd war. ״Namenbesitz und Namenwahl“ — ruft daselbst Z. entrüstet aus — ״ist ein geheiligtes Recht der Eltern, der Familien, dessen Kränkung keinem gesetzlichen Act zusteht, keine Sittlichkeit fördert, keiner Unordnung steuert, keiner Religion Gedeihen verschafft. Das Christenthum ist für Liebe und Erkenntniss aufgetreten, nicht aber für Privilegien seiner Bekenner.“ Das fragliche Essay enthält aber nicht bloss die von den Juden in Deutschland geführten Namen, sondern es nennt auch alle Vor- und Zunamen der Juden, die vom Jahre 536 bis auf die Neuzeit herab in allen bekannten Welttheilen von ihnen in Gebrauch genommen waren, und schon dieser Umstand allein verleiht dieser kleinen litterahschen Abhandlung einen bleibenden historischen Werth. Es ist zu bedauern, dass Z. die zahlreichen Vor- und Zunamen der während des Mittel• alters in England lebenden Juden fast ganz unbetrücksichtigt gelassen hat Eine kritische Untersuchung derselben würde sicherlich gar manche interessante historische Notiz zu Tage gefördert haben. Die nächste bedeutende litterarische Arbeit Zunzens war der erste Band eines Werkes, welches der Ver- 1 fasser, allem Anscheine nach, durch weitere Lieferungen auszudehnen und zu vervollständigen die Absicht hatte. Dasselbe hat die Aufschrift: ״Zur Geschichte und Litteratur“; erster Band, Berlin, 1845,“ und enthält eine Reihe von gelehrten Abhandlungen über speciell jüdische Themata, deren Inhalt hier kurz aDgedeutet werden soll. I. Jüdische Litteratur. In dieser Abtheilung erörtert der Verfasser die Frage, ob es überhaupt der Mühe werth sei, sich mit jüdischen Studien abzugeben, und zugegeben, dass dies der Fall ist, was denn die Ursache sei, dass solche Studien so schmählich vernachlässigt werden. Christliche Gelehrte von anerkannte!• Tüchtigkeit, die auf jedem Gebiete geistigen Wirkens und Schaffens mehr oder weniger Bescheid wissen, verrathen — meint Zunz — ihre Unwissenheit auf die possirlichste Weise, sobald sie sich anschicken, über jüdische Gegens fände zn sprechen, oder ein Urtheil darüber abzugeben. Zur Bestätigung dieser seiner Behauptung führt Z. einige' Beispiele an, von denen di6 folgenden besondere Erwähnung verdienen. — Ein namhafter christlicher Gelehrter in Frankreich, Namens Depping, veröffentlichte im Jahre 1834 ein Buch unter dem Titel: ״Les juives dans la moyen age“, und stellte sich somit die Aufgabe, alle bedeutenden-jüdischen Autoren die Revue passiren zu lassen, die zwischen 1000 und 1500 gelebt und litterarisch gewirkt haben. Von diesen kennt er aber blos drei, nämlich Raschi, Tain und Petachia, und während er eine nach jeder Richtung hin unrichtige Lebensbeschreibung des Ersteren seinen Lesern vorführt, gesteht er es ganz offenherzig ein, dass sein ganzes Wissen hinsichtlich Petachia sich einzig und allein auf dessen Namen beschränke. Das folgende ist ein zweites ähnliches Beispiel. Als die französische Akademie im Jahre 1843 einen Preis für die beste litterarische Arbeit aussetzte, die das Thema behandeln sollte: ״L’ötat literaire des juives dans la moyen age“, wurde derselbe einem französischen Gelehrten, Namens Capefinge, zuerkgnnt, obschon er von der gesammten jüdischen Litteratur ebensoviel oder vielmehr ebensowenig wie sein Landsmann Deppingdavon wusste. In seiner ״Histoire philosophique des juives, Bruxelles, 1843“, findet sich nämlich eine Bemerkung über das rabbinische Schriftthum, die fügendermasssen lautet: ״Le Gemare titre Sanhed. Sectio 14; le Talmud mfime titre.“ Und'das war,der Mann, den die französische Akademie für sein reiches Wissen saf dem Gebiete der jiid. litteratur mit einem Preisaaszeichnete ] Angesichts solcher Unwissenheit, sagt Zunz, dürfe man sich nichs wundern, -wenn man z. B. in Wiener’s, im Jahre 184? erschienenen, Conversatjons- Lexicon den Namen ״Raschi’s“ in ״Jarchi“' umge-