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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-01-23 · N° 4. (23.1.1890) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 4. (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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Später worden freilieh von kirchlichen and weit* Hohen Behörden gegen Sabbathsohändnng strenge Gesetze erlassen and vielfach trat unter den Sekten die Meinung auf, dass mit der Sonntagsfeier das göttliche Gebot der Sabbathfeier, welches einen Bestandtheil de« niemals ausser Kraft gesetzten Dekalogs bildet, verletzt werde. Die Frage: Wenn ein Tag des Herrn nöthig ist, warum nicht der Sabbath? und wenn keiner nöthig ist, warum der Sonntag? hat den Apologeten des Christenthums viel Kopfzerbrechens verursacht und ist nie ausreichend beantwortpt worden, denn die wahre Antwort ist der ~ Irrthum, welcher praktische Lebensverhältnisse mit Idealen regieren wollte. So ist auch an dem Sabbath verkannt worden zunächst die sociale Bedeutung, die in den Worten Hegt: ״damit ruhe dein Knecht und deine Magd gleich dir“, dann ebensosehr der Zweok, die Menschheit zur bestimmten Zeit aus den Banden der gemeinen AlltägUchkeit za Gott za erheben, indem sie erkennen, ״dass Gott ihnen das Brod für zwei Tage gebe*, sowie endHoh die dogmatische Anschaaang, dass Gott der Weltsehöpfer ist, der durch didben Tag gepredigt wird und dass der göttliche Segen dieses Tages nur za erlangen ist, wenn er durch vollständige Arbeitsenthaltung gefeiert wird. Darum hat auch die jüdische Sabbathfeier Segen gewirkt und ist niemals za blutigen Schlägereien entartet, sie ist ein Mittel geworden, die Heiligkeit der Ehe und die wahre Gottesfurcht za befestigen und, wenn auch auf der anderen Seite die Arbeiteenthaltung so strenge genommen wurde, dass sie den Vorwurf der Lächerlichkeit auf das Jadentham -lad, es war doch immer die innere Heiligung, die zur Seligkeit wirkte und niemals die blosse Theilnahme an kirchlichen Ceremonien, die anderwärts, wo man sich die Befreiung von der Gesetzeskneohtechaft. rühmt, als unbedingt erforderlich zur Erlangung des ewigen Heils gilt. Dr. Deutsch-Brüx. Wftnsehe, Aug., Dr. theol. et phil. Der Baby- Ionische Talmud in seinen haggadischen Bestandtheilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert. Zweiter Halbband, dritte Abtheilung. Leipzig, Otto Schulze, 1889. X 470 S.- Wer jemals versucht hat, grössere und zusammenhängende Stücke aus Talmud und Midrasch nicht! blos dem Sinne nach, sondern' auch wortgetreu in; eine moderne Sprache za übertragen, kennt die i grossen Schwierigkeiten, welche die eigenartige Ausdruoksweise unserer Alten dem Uebersetser bereitet.; In nachsichtiger Berücksichtigung dieses Umstandes haben daher die Leistungen des äeissigen Ver£'von! jüdischen Kritikern eine günstigere Beurtheilung gefanden, als sie streng genommen verdienten. Es ist jedoch ן nicht zu leugnen, dass Wünsche in Folge seiner! langjährigen Beschäftigung mit dem rabbinischen 1 Sohrifttbume allmählich eine nicht zu unterschätzende j Kennntniss desselben erlangt hat und dass sich seine 1 Uebersetzungsweise mit jedem neuen Bande bessert. 1 Gegenüber seiner Bibliotheca Rabbinioa, welche eine ziemHeh freie Uebersetzung der Midraschim darbietet, ’ ist der Fortschritt unverkennbar; so zahlreiche Berichtigungen, wie sie z. B zum Bereschith Rabba von Straschun und Fürst, und keineswegs in erschöpfender Weise, geliefert wurden, sind bei den letzten Bänden nioht erforderlich. Dagegen ist die Spraohe des Verfassers, die einst einen Beurtheiier der ersten Lieferungen vom Midrasch Koheleth in Entzüoken und Bewunderung versetzte; in den jüngst erschienenen Bänden schlechter geworden, mitunter geradezu abstossend. So übersetzt der Verf. in der vorliegenden Abtheilung S- 250 sklavisch treu: ״Wie dieses Bohr, das im Wasser steht und sein Stamm wieder nachwächst and seine Wurzeln sich ausbreiten“ etc.; und jene Aggada, welchedas Lob der Gastfreundschaft verkündet, deren heilsame Folgen und die schädlichen Wirkungen der Lieblosigkeit gegen die Fremdlinge nach biblischen Erzählungen aufzählt (Synh. 103 b), lautet in der vorliegenden. Uebersetzung S. 236: ״Gross ist-die Speise, denn sie hat etc. R. Jochanan hat in seinem eigenen Namen (für sich selbst, gesagt: Er entfernt die Nahen und nähert die Fernen und verbirgt die Augen vor den Frevlern and lässt rnhen die Schechina über den Propheten des Baal und ihr Irrthum wird für Muthwillen gerechnet.“ Man sieht, der Uebersetzer arbeitet zu schnell. Wohl wurde auch diesmal die Revision der einzelnen Drackbogen von zwei jüdischen Gelehrten besorgt; aber dass noch genug zu verbessern geblieben ist, werden die nachfolgenden Bemerkungen darthun, bei denen ich mioh auf das nothwendigste beschränken werde, da ich bereits in der vorjährigen Besprechung der zweiten Abtheilang dieses sogen. Halbbandes (Litt.-Bl. No. 22, 23, 27, 32) über die bei der Ueber- Setzung des Talmud zu beachtenden Grundsätze mich verbreitet habe. No. 5. ״Man darf keinen Vergleich zu Stande bringen“; nur der Richter, vor dem die streikenden Parteien erschienen sind. So that Mose, weil er als Riohter zu entscheiden hatte, während Aaron, der kein Richter, die Parteien zur Nachgiebigkeit und zu friedlicher Aussöhnung bewog. Das. Anm. 4. ״So nimmt der Talmud diesen Vers“. Nur R Eüeser b. R. Jose Hgl. deutet so diesen Psalmvers, im Gegensatz zu R. Elieser, R. Meir und (nooh Raschi’s Erklärung) R. Tanchum b. Chanilai. Das. S. 3, Z. 14: JTOtD heisst nicht ״es ist Pflioht“, sondern: es ist verdienstvoll und gottwohlgefällig. Das. Z. 24 muss es heissen: Der erste Tannaaber (nämlioh & Elieser b. R. Jose Hgl., weloher dem Richter verbietet, einen Vergleich zu Stande zu bringen) müsste die Sohriftstelle 2. Sam. 8,15 folgendermassen erklären: Wenn etc. S. 4, Anm. 1: ״Der Talmud deutet —“; nur R. Benjamin b. Jepheth. (Fortsetzung folgt.) Litterarischer Anzeiger. Erihtigtl die Jahreinge 1X87, 1888, 188• des ^u. UHerstarhl.’’ sind a 4 Mark (alle 8 Jahrgänge Ar 14 ■ark} gegen direote Piaaendnag das Betrage• franco su haben bei dar bftd. I Ar. WiriMwärift. Kochbuch | für iaraeL Frauen von Kekeüi Wdlff!4. IeiM«a11. Beamte rerb. Auflage. Elegant Leinwandband. Prob ■k. ,444. ' Als vorztkglich anerkannt. Frankf.a-M. J. faa4bqqa,Tert. Verlag von J. Kaafatana in Frankfurt a. M. [406* Das alte Porimspiel uek mm■ Sckiitt 1. Stil in zwei Anfängen, erdacht und geaaacht von ■*Pr. Gagen Einsendung von 80 Pt erfolgt traaeo Zaseodäng. Ein vollständiges הנ״ך־ mit Uebersetzung und hebr. Commentaren in 1« Binden, halbfranz, sehr gut gehalten (,“HW/ ed. Offenbach ITOpn, נ“|י ed. Wien, Anton Schmidt 1817) ist billig zu verkaufen. Offerten werden erbeten au die Expedition dieres Blatte«. (4042. ▼■wrwmtlieher Bedarf» er Dr. Baaaesr. ■agdsbarg. OraiK vaa D. L. Wolff, Mtgdsbar g. Vertag von Bober! Friese, lafpaig►

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