Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 51. (20.12.1888)
- Date
- 1888-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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M 51. Jüdisehes Jahrg.XYlI Litterätur Blatt. Zar Btlnelitaif aller JidMthi■ ■M Jade• betreffe■(!«• Utteraiiaehea Br• «eheJaaagea aaf d«at flaklat« der Pfeil•• •'tpfel•, Gnckleht«, Ktkaographle» Theo• virle• OrieaUlU, Bxegeae, Hoaülatlk. tltargik a. Pi<U*0fffk. Herausgegeben TOD I Rabbiner Dr. Moritz Rahmcr. 20. ©ecc-m-Get- 1888. Blehar dar e)aoehl%!rea Mttoratar,welek der Medact oa sageaeadt werde•« •ade• fa dleaea Blatte eiageheade Beopreehaag Bel Blaaendaag ▼ea sw et Beeeaalea■• Kzeaplsre■ •rffelst eia«alige karse Gratis-laeerttea. Du ״Jtdlsche Llttermtar-BUtt« erschje: Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang allen Postanstalten and ßachhandlungen 8 Maijl 88 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen Bnchhändler u. Lehrer, welche direj ,int wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlangen (in 8 Hark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei k kostet) erhalten du ״Jüdische Litteiatar-Blatt“ gratis. — läse rate werden mit mit 80 Harkt berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden ct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ן( Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Koptbedtckung im Parsismas. Ein Beitrag rar Culturgeschichte des Morgenand Abendlandes. Von Rabbiner M Flügel. (Fortsetzung statt Schluss ) — Zur Chronologie. Von L Cohen, Rees a. Rh. Litteraturbericht: Recensionen: The Jcwish Qaarterly Review, edited by J. Abrahams and C. G. Montefiore. — Die herufliohe und sociale Stellung des jüdischen Lehrers. Litterarische Notizen■ — Inserate. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nif h t gestattet. Oie Kopfbedeckung im Parsisjmus. Ein Beitrag zur Cnltargeschichte des Morgen• und Abendlandes. 1 Von Rabbiner M. Flügel, j (Fortsetzung statt Schluss.) Bannier, p. 347: ״Der Gläubige truj: ״von röthlicher Farbe, mit weiten Aermei ״er sich im Wege des Monarchen oder ״sonstigen Grossen, so musste er stehen ״sich mit den breiten Aermeln bedecken ״hing bis auf’s Knie herab.“ — Der jüdi3< zieht das T&llith bis an den Gürtel Gott nicht zu schauen. Das Bedecken von Händen und Gesio wart des Monarchen bestätigt sicher, unsere Mnthmassnng, die wir oben ausges Kopfbedeckung, Gesichtsverhülluug bez Veransohanliohung der Unwürdigkeit Mannes, der göttlichen oder irdischen Antlitz zu sehen. eine Sondra ln. Befand anoh eines bleiben and ' Diese Sondra che Chassid runter, am he: ht in Gegenglauben wir, p rochen, dass ׳ reckte: die doi Ibid: ״ Die Sondra wurde mit einem Gü •tel befestigt, ״der vier Knoten hatte. Der erste Knotm sollte er- ״innern, dass man an den Eineinigen Gott glauben ״müsse; der zweite an die Wahrheit den Magismns; ״der dritte daran, dass Zoro&ster der einsige Apostel ״sei; der vierte, sich in dem Entschluss 2a bestärken, ״Gates za than“. Dieses ist offenbar deg Bibel entlehnt. Wer denkt hier niobt an: ״Ihr 8( und an die Gebote Gottes denken“ (4. an das Tallith, die vier Sohaafäden und lische Bedeutung derselben, sich der Tofa stets zu erinnern. Hier sieht man den treffendstien Paralle lismas zwischen dem Zend and der Symbolik. Ib.: ״Dieser Gürtel ist göttliohes Gebot and besitzt ״Zaabermaoht. Alle sollen ihn tragen. Wer ihn ver• ״loren, hat seinen Segen verloren, and soll niohts be- ״ginnen, bis er vom Priester einen andern erhalten 18 gemeinen Majestät ins Mos. 15,39.) die symbomosaischen Besonders der jüdische Chassid legt dem Gürtel heiligende Kraft bei. Man denkt hierbei anoh an den mythologischen Venusgürtel, in Schillert ״Glocke“, wie au gewisse Insignien der geheimen Orden. Ein Hinüberspielen vom Realen zam Idealen soheint dem menschlichen Geist eigen za sein im Osten and Westen. Wir fassen das Resultat unserer Untersuchung zusammen. ' Im Orient, in der mohammedanischen Welt, ist nooh die alte Sitte Norm. Die Fraa ist stets verhüllt, das Haupthaar stets bedeokt, deren Stimme in der Oeffentliohkeit verpönt. Der Mann ersoheint in der Moschee stets bedeckten Hauptes. Die Kopfbekleidang ist heute wie zur Zeit Abrahams Zeichen der Würde und des Ernstes. Im Oocident, in der Christenheit, ist Kopfentblössang Zeichen des Respekts für den Mann, and H&uptbedeckung Norm für die ־Fraa, an allen feier- Hohen Orten; ganz der Standpunkt, den Paolos in 1. Oor. XI. festgestellt Es war ein Compromiss zwischen dem Orient and dem Occident, and dieser ist nooh bis heute mastergiltig. Doch anoh in der ohristliohen Welt hat letztere Regel manche Ausnahmen gefunden. So hörte ich vom berühmten Gelehrten und National-Oekonomen, Professor Dr. Roscher in Leipzig, dass in Holland die versammelte Gemeinde während des Betens den Hat abnehme, and während der Predigt den Hat aafhabe; erst eres, weil in Gegenwart Gottes, letzteres weil der Pastor ein sterblicher Sünder ist. In Amerika aber sind mir dissentirende christliche Gemeinden bekannt, die das gerade Gegentheil than. Während des Gebetes haben sie den Hat aafj and während der Predigt nicht. Ersteres than sie wie die biblisohen Patriarchen and die meisten Apostel, weil sie der Ansohauang Paulas’ nicht huldigen, and ihnen die Kopfbedeckung immer Zeiohen des Respeots ist. Während der Predigt aber wollen sie es bequem haben and nehmen den Hat ab. So finden wir, dass Alles fiaotirt, ״die Zeiten ändern sich, so anoh die Verhältnisse, und wir mit.“ Wir wenden ans non zur ethischen Seite dieser Frage. Was mögen die Ursachen sein, dass der Orient Ehrfurcht daroh Kopfbedeckung, dagegen der Oooident dieselbe durch Kopfentblös sang aasdrüakt? Liegen hier einfache klimatische Motive aa Grande,, oder anoh ethische and soziale? Non ist wohl mit ziemlicher Gewissheit ־ansanehmen, dass der Einfluss desKlima’a zuerst eingewirkt haben mag. Die glühende Sonne Arabiens, Hindostans, Mesopotamiens and Nordafrika’s macht die Kopfbedeokang daroh den Turban, die Sohirmang