Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 47. (22.11.1888)
- Date
- 1888-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805973--1577-4856693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
.«47. Jüdisches Jahrg.XVn Litteratur־ Blatt. Zmr Beleicktiig 111« ■ad Jade■ ketraffeadn UttanriiekM Kr• lekaiaaaf«■ aaf da■ 6eklet1 der Phile• M|kl«t Geschieht#« Ethaegrephle, Theo* •fle« OrleateUe« Exefeee« Homiletik, LJtmrylk 1. Pidegoglk. Heraasgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. £HLaAde(>uu}, 22. §Lovzm&et Mek1rl1r1l1KUi|l|n LItlanlir.ttItk 4«r Mul 0■ ng«aa4t war4ea, M■ U 41m«■ Blatte elafekM4e ■e*,reeke■( Bel Buh4u| tm sw.l Be««1h«־ b«!Ur« er felgt eievel Ife kan, 1888. äretls-lmecrtle■. Du ״Jtdlsche Lltteratar.Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis hei allen Baohhandltwgen (üb Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang[8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 lut kostet) erhalten du ״Jüdische Litteiatar-Blatt“ gratis. — laserat« werden mit 8t Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilage« jnit 80 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes 1a senden Bnohhkndler n. Lehrer, welche direjct oder durch Bohert Friese Inserate einsenden, erhalten 25)1 Rabatt. Inhalt: i Wissenschaftliche Aufsätze: Briefe Friedribh des Grossen zu Gansten der Glogauer Judengemeinde. 4- Die Hebraica in der Bibliothek des British Museum. Von p. Schechter in London. (Fortsetzung.) — I Litteraturbericht: Recensionen: Merx, Ad., Chrestomatia Targumica, quam collatis libris manuscriptis antiquissimis Tiberientibus editionibusque impressis celeberrimis ad codices vocalibus Babytonicis instructos edidit. adnotatione criticä et glossario instruxit A M■ — Rubbin, Dr. S. Heidenthum und Kabbala etc__ Unbefugter Nachdruok aus diesem Blatte ist nislht gestattet. Briefe Friedrich des Grossen zu Gunsten der Glogauer Judengemeinde.! Das Jahr 175S batte aber Glogau!grosse Notb gebracht. Nicht genug, dass der Kriegj der hauptsächlioh auf Schlesiens Gefilden ausgefoöhten wurde, die Verhältnisse der Bürgerschaft zerrüttete, war auoh noch eine verheerende Fenersbrnnst aus-gebrochen, die einen grossen Theil der Stadt in Asche legte; das Feuer nahm seinen Ausgang vom JesaitenkoUe• giam und zerstörte viele öffentliche Gebäiide, darunter die katholisohe Stadtpfarrkirche und dielevangelische Kirche mit allen zn ihr gehörenden Bauten. Da die Synagoge nnd das Judenviertel überhaupt, in der Nähe des Schlosses in einem Stadttheilel lagen, der vom Ausgangspunkte des Feners ziemlich entfernt war, so traf es sich, dass die Juden verschont blieben; aber gefährlicher als das Feuer schienen den Jaden die Pläne za werden, die zerstörten Gebäude wieder aufzurichten. Die evangelische Kirche sollte wieder anfgebaut werden nnd als der (krosse Krieg sein Ende erreiohte, war es Friedrich salbst, der im Jahre 1763 sich aufs lebhafteste für den 1 Aufbau der Kirche interessirte, und dazu einen Theil des Schlossgartens hergeben wollte, der in der nächsten Nähe des Jadenviertels lag; Friedrich war so lebhaft bei der Angelegenheit betheiligt, dass er sogar dbn Platz für den Nenban selbst bestimmte. Indess hier zeigte es sich, dass anoh der alte Fritz in seinem Lande nicht allmächtig war. Der evangelisohen Gemeinde passte der Platz nioht, man möohte beinahe vernfathen, dass ihr vor Allem die jüdische Nachbarschaft nicht behagte nnd dass alle sonstigen Ausstellungen weniger wiohtig waren. Wie dem anoh sein möge! die Kirche wurde erst viel später and aaf einem ganz anderen Flecke wieder aufgerichtet. Erst ein ganzes Jahrzehnt n&oh Beendigung des siebenjährigen Krieges wurde die nene Kirche eingeweiht. Jej mehr nun Friedrich für den Platz in der Nähe des Schlosses ein genommen war, am so beaohtenswerther ist es, dass er, I als zur Erweiterung des Bauplatzes ein Theil der ' Judenhäuser in Anspruch genommen wurde, er dies Ansinnen strikte zurückwies. Wir lassen diese Briefe, deren Original im Archiv der evangelischen Barche zn Glogaa liegen nnd die sämmtlich an den damaligen Kommandanten von Glogan, an den Oberstlieutenant von Liehnowsky gerichtet sind, wörtlioh hier folgen. Der erste ist zam Verständniss der beiden andern unentbehrlich. L Mein lieber Obrist-Lieatenant ,von Liehnowsky! Ich remittire Eaoh hier bey den von Eaoh mit Enrem Sohreiben vom 10. dieses eingesandten Plan, von den za Erbauung einer Evangelishen Kirche nnd Schul- Hänser zn Glogan anznweisenden Platze, deshalb Ich dergestalt disponirt habe, wie solches von Mir eigenhändig aaf solchen Plan gezeichnet worden ist. Zafolge dessen ist A. B. G. D. der Platz zam Ban der nenen Kirche, wozu ioh so viel von Meinen Garten gebe. Der Dominicaner Holtz Stall e. muss also weggebrochen nnd kann wiederum an den von Mir marqairten Orth sab. £ gesetzet. Die Einfahrt zur Kirche aber 8ub. g. gemaohet nnd der marquirte Weg zur Kirche sub H. und die Enträe bey solcher ohngefehr bey F. gemachet werden. Ihr habt also alles darnach weiter za disponiren nnd loh bin Euer wohl affeotionirter König F. 1 Berlin, den 10. April 1763. 1 n.*) Mein lieber Obrist-Lieatenant von Liehnowsky. Es ist bey Mir die Jaden-Gemeinde za Glogan mit *) Der Wortlaut der in dem Schreiben des Königs erwähnten Eingabe der Judengemeinde lautet nach einer Kopie der im Archiv der Kirche befindlichen Urkunde wie folgt: , ״Bei der in Glogan zn erbauenden Kirche sollen auch zn Anbauung der Schal Häuser und Wohnungen vor die Kirchen Bediente an 14 Häuser worunter viel erat kürzlich aus g© bauet, worden, die wir vor undenklicher Zeit eigenthümlich besessen und privilegiert worden sind. Diese Veränderung, wenn sie statt haben sollte, würde ans in die grösste Betrübniss nnd Embarra setzen, theils wegen Verlast unserer Grand Stücke,- theils wegen Entbehrung gelegener Nahrung, besonders aber wegen des Schlachtens wovon die Gnarnison merklichen Vortheil hat Nächstdem da diese Kirche mit dem Dominicaner Kloster nnd den Juden Tempel zusammen stossun, würden beym Aus- und Ein-gehen wegen Unterschied der Religion viele Inconvenientzien entstehen. Euer König! May st. bitten wir dahero allerantorthänigst and fassfällig. Allerhöchst dieselben wollen ans bey unserer Wohnung und Nahrung nach wie vor allerhuldreiehst schützen und die nöthige Ordre dieserhalb ergehen zn lassen allerhöchsten Gnaden gerahn. Ersterben in allertiefster Submission Euer König!. Mayst. Berlin, den 3. May 1763. ■Ueranterthänigst Jaden Gemeinde su Glogan. Saul ZacKarias aus Gr.-Glogsu. Salomon Fränkel aus Gr.-Glogau.