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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-10-25 · N° 43. (25.10.1888) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 43. (25.10.1888)
Date
1888-10-25
Page
Seite 168 (sequence 5)
Language
German
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pgPJIgHKW.' •UP*! ■f "i — 168 — Stadt allerdings an einem Hauptsitae der Abgötterei und eines solch feindseligen Geistes gegen die Propheten des Herrn, dass der Prophet Elisa bei seiner Wanderung nach Beth-el ▼on den *Knaben dieser Stadt beschimpft wurde (Könige II 2,23). Kehren wir naoh dieser Digression, die wir uns auch im allgemeinen geschichtlichen Interesse gestattet haben, wiederum snr Darstellung des Herrn Preesel snröok. £8 will bei seiner ans schon bekannten historischen Treue wenig bedeuten, wenn er in Besug auf Menaahem den König des Zehnstämme• reiches sagt (Seite 17): ,König Phal von Assyrien sollte helfen, erschien auoh sn seiner Hilfe mit einem Heer and bestätigte ihn — aber freilich nur als seinen Versalien “. . Die historische Urkunde Könige II, 15.19 ersählc, Pbnl sei als Eroberer in das Land eingedrungen, er war nar durch eine ungeheure Geldsumme su bewegen, das, Land wieder sn ▼erlassen und er bestätigte bei seinem Absuge allerdings Menaohem als König aber das Zehnstämmereioh blieb Tollkommen selbstständig. — Es will auoh wenig bedeuten, wenn Herr Pr. Seite 44 lehrt: ״Die besten religiösen und geschichtlichen Arbeiten wurden, wenn sie in griechischer Sprache geschrieben waren sum öffentlichen Gebrauch nicht sugelassen und darum(?) ▼om Kanon ausgeschlossen . . Gewiss, nur die griechische Sprache war schuld, dass die Schriften nicht als kanonisch betrachtet wurden! Das Buch der ־Weisheit, das übrigens noch in reinster Form die Grundanschauungen des Judenthums darstellt, es enthält die Lehre: (II 24) ״durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen“ und es sollte darum ohne Weiteres als kanonisch betrachtet werden! Das Buch Tobias das uns (Cap. DI 8) ▼on dem Walten des bösen Geistes Asmodai berichtet, sollte unter die Zahl der kanonischen Schriften aufgenommen werden! Aber man ־hätte nun meinen sollen, dass die Erkenntniss der wahrhaft grossartigen geschichtlichen Thatsachen: die Bückkehr der Juden aus dem baby- Ionischen Exil, der Aufbau des Tempels zu Jerusalem, die Wiederherstellung des Tempelcultus, die Wiedergewinneng der staatlichen Selbstständigkeit in der Folge der Zeiten, den Herrn Verfasser auf den Weg der Wahrheit leiten und ihn ▼erlassen müssen, seine Lehre ▼on dem ununterbrochenen Strafgericht Gottes zu berichtigen; man hätte meinen sollen, dass die Psalmisten- Worte (P8. 107 V. 3) ״Und aus den Ländern hat er sie (die Söhne Israels) gesammelt, aus Ost und West, aus Süd und Nord,“ dass das Stufenlied (P8. 126), welches zweifellos bei der Bückkehr aus dem Exile gedichtet wurde ״Grosses hat der .Ewige an uns vollbracht, darum sind wir so froh“, dem naqh theoL Gesichtspunkten darstellendem Herrn Verfasser schwere Bedenken erregen würden für die Haltbarkeit seiner 8, 9 u. folg.), in welcher er den religiösen Gegensatz seines Volkes and dem des Jerobeam auf das Schärfste hervorhebt... ״Ihr habet die goldenen Kälber bei Euch, die Euch Jerobeam zu Göttern gemacht.. . ״Wer da kommt, seine Hand zu füllen mit einem jungen Stier and sieben Widdern, der wird ein Priester dem Üngotte!“ ״Wir gehören dem Ewigen unseren Gotte and haben ihn nicht ▼erlassen.'“ . . . Sollte diese Erkenntniss im Beiche Israel nicht auch verbreitet gewesen sein, sollte man dort die Art and Weise des Stierdienstes im benachbarten Egypten, nicht gekannt haben? D r Stierdienst war Übrigens auch in ethischer Beziehung so harmlos nicht,, wie Gtätz in der Note daselbst an merkt, dann bei der Einführang eines jeden neuen Apis kamen Scenen vor, durch welche das (־erbot ונר T03n ואשד. לא (Levit. 18.23 und Cap. 20.16) ans in seiner ▼ollen gesrhirbtlichon Bedeutung erkennbar wird. Bas Volk kannte also ohne Zweifel die Varwi fliabkait des Btierdianstee, duldete aber doch die Aufstellung der goldenen Kälber, weil man durch eine solche Massnahme die eigene politische Selbstständigkeit mit Hülfe Egyptens za sichern hoffte. Theorie ▼oni den neun Stufen der Zerstreuung; allein Herr Pr. wendet seinen Blick lieber zu den im Exile Zurückgebliebenen, als ob diese durch ihr Verhalten den eigentlichen Willen Glottes, die andauernde Zer- Streuung Israels, verwirklicht hätten, während sie dooh, wie Jedermjuin weiss, aus mannigfachen Gründen in die Heimatl) nicht zurückkehren wollten. Dieser Anblick stimmt allerdings besser zu der Meinung des Herrn Pr. von der Zerstreuung Israels, die erst in der Zukuuft, nach den uns schon bekannten Hoffnungen, zu dem ▼om Herrn Verfasser erschauten Ziele führen 8011. Wir hä|tten noch so manche Annahme des Herrn Verfassers ^uf ihre Berechtigung zu prüfen, allein da seine geschichtlichen Bückblicke vielfach gewisse Anklänge zeigen an ältere Darstellungen, die ebenfalls die Geschichte Israels zum Inhalte haben, so müssen wir uns auch über die Beziehungen des Herrn Pressei zu denselben zu orientiren suchen. Hier einige Proben Uber diese Beziehungen: Pressei Sette 87. ״Sichere Zeugnisse über die Existenz ▼on Jaden in Köln, dieser colonia agripptna, datieren erst aas dem vierten Jahrhundert.“ S. 73. ״Die ldtztenMerovinger verfielen immer tiefer in Bigotterie und Judenhass.“ S. 75. ״Die [Zwanggetauiten hingen ih emGlauben nur de3to fester an und!die verbliebenen Juden lernten die Kunst ihre handertäugigeu Feinde immer zu täuschen.“ | % S. 75. ״Egikas Sohn Witiza, ein vortrefflicher König, der dem Lande den Frieden wieder schenken woilte, beschloss auch den Jaden alle bürgerlichen Rechte wiedertugeben.“ Grits. 5. Bd. S 195. Sichere Zeugnisse über das Vorhandensein ▼on Juden in der von Körnern gegründeten aggri pinischen Colonie (Köln am Rhein) datiren erst aus dein vierten Jahrhundert. Bd 5 S 53. ״Die letzten Merovingischen Könige ▼erfielen immer tiefer in Bigotterie und in den dadurch bedingten Judenhass“ Bd. 5 S. 138. ״Die spanischen Juden lernten zeitlich dieKunst inmitten von Todesgefahren ihrer Religion im tiefsten Herzen treu zu bleiben und ihre hundertäugigen Feinde zu täusehen “ ibidem S. 148. ״Sein (Egikas) Sohn Witiza, ein vortrefflicher König, der dem Lande Eintracht geben wollte, habe aach die verbannten Juden zurückgerufen — und ihnen den Vollgenoss der bürgerlichen Rechte verliehen.“ Wenn sich Herr Pressei nur auch mit den leitenden Grundgedanken des Altmeisters der jüdischen Geschichte ebenso vertraut gemacht hätte, wie mit dessen auf äusserst mühsamen Quellenstudien beruhenden geschichtlichen Forschungen, ▼on deren Wahrheitsgehalt Herr Pr. so überzeugt war, dass er sie einfach getreulich oft dem Wortlaute nach wiedergab! Vielleicht hätte er dann seine Ideen über das göttliche Strafgericht, das auch in der Gegenwart noch Uber Israel herrschen soll, wesentlich modificirt und seine Zukunftshoifnungen hätten dann vielleicht eine andere Gestalt angenommen! Was die innere Berechtigung einer solchen persönlichen Vorschau anbelangt muss Herr Pressei besser wissen, als wir, ob sie mit dem Inhalte des ▼on ihm vertretenen Evangeliums (Petri I, 21) Ubereinstimmt; denn daselbst heisst es: ״denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben ▼on dem heiligen Geist“. Die Vertreter des Judenthums aber erinnern sich, nachdem sie den Geist der Darstellung des Herrn Pressei erkannt haben, an die Worte der jüdischen Weisen: ״Man sagt zur Wespe: wir wollen weder deinen Honig nach deinen Stachel“. Lauenburg i. P. Babb. Dr. M. Krakauer. Briefkasten der Bedaetion. L. in Z. Die Besprechung Ihrer ״Synonyma“ in nächster Nr. D. Kaufmann!▼: ,,Samson Werthneimer“, Merz’ ״Chrestomathia targum.“ und Rubin’s ״Heidenthum and Kabbala“ folgen dannloLst. Magdeburg!' Verantwortlicher Redaetear Br. Rah mar, Magdeburg. Draok von D. L. Wo lf f, Verlag ▼on Robert F riese, Leipzig ,

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