Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 43. (25.10.1888)
- Date
- 1888-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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M 43. Jüdisches Jahrg.XVIl• Litterätur-Blatt. 21r lelciclituK tllar 4iImUk■ ■■4 Ji4m tatreffMde■ littmrlwk«• Er• lehaiiiifei *»f 403 GiklaU 4«r Pfcil«• Mpklt« GcMklekU, ttkaifnpkli, Tkeo• lorf«, OrlotAlU» Iximh, H«aM«t(k, ilttnik Pid«r«fr(k.! Herausgegeben | ▼on Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. 25. öctofet 1888. Du «putsche LItteratnr-Blatt« ersch 5: Leipiig bei Robert Friese) pro Jahrgang allen Postanstalten and Buchhandlnngen 3 Marf SS Pf. für die gespaltene Petitaeile, Beilagen Baohhändler n. Lehrer, welche dire Sie*« SersimKklislS•■ UlUnut.nlek 4«r |«4mu■ »agMsaSt «w4«a,' ■sSta Im Usm BlgtU •lmgmh«a4« ■«!rMklil Bai BSstsnSssr '« ml Bwarisa«• kiwilw« «rfSlft aisüsUs• kan• Grmtla-lmmcrtl•*. int w&chentlioh in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in 8 Mark. Abonnenten der -Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei k kostet) erhalten das ״Jüdische Litteiatnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit mit 80 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden ot oder durch Bobert Friese Inserate einsenden, erhalten 35 % Bebett. Inhalt: j Wissenschaftliche Aufsätze: Kopfbedeckung and -Entblössang im Gottes hause Von Babbiner M Flügel. — Zar Chronologie. Von L. Cohen in Bees a Bh. ■+■ Litteratarbericht: Becensionen: Traaerreien auf Kaiser Friedrich III. (Schloss.) — Pressei, Wilh Die Zerstreuung des Volkes Israel. (Schloss.) Briefkasten der Bedaction. ' Unbefsgter Nachdruck aut diesem Blatte ist niejht gestattet. Kopfbedeckung u. -Entblössung im Gotteshause. Von Babbiner M. Flügel.! H.*) Die Kopfbedeckung nach Mischna and Talmud. Seitdem die modernen Israeliten sich mehr und mehr den occidentalen Völkern in ihren Ansichten, Susserlichen Sitten and Bräuchen, in Kleidung, Benehmen, Sprache etc. angeschlossen, haben Gelehrte häufig die religiös-sittliche oder Jcultur-hi8t< irische Frage aufgeworfen: Wie steht es denn um die Kopfbedeckung im Bethause? Wo stammt sie her und vas ist deren Bedeutung? Meines Wissens wurde a lgemein behauptel es sei nirgends in der Mischna eine Erwähuung, noch auf die leiseste Spur von ein 3m positiven Gesetz (״ (דקDin“, in dieser Beziehun g zu finden; ausser einigen ziemlich anbestimmten Stelle: 1 im Talmnd, 8011 keine Mischna anfzuweisen sein, die etwas Positives hierüber erwähnt. Das Folgende wird den Leser vielleicht überzeugen, dass dem nicht so sei, and dass man eine Mischna übersehen habe, die ausdrücklich hierüber zu statuiren scheint. Möge der Leser als Illustration folgenden Vergleich gestatten. Wie jener französisch« Astronom, j Levern er, einen neuen Stern entdeckt hat, veil man ihn vermisst, weil man dessen Nothwendigkeit a priori erkannt hatte, weil das Sonnensystem einen solchen voraussetzte, wesshalb er ihn suchte und anlch fand, — ebenso dürfte hier wohl ein Gesetz überse len worden, daher zu suchen und za finden sein. Denn wohl müsste es Wunder nehmen, wenn ein 80 weitreich( mder, allgemein verbreiteter, im Wesen des Orientale 1 tief warselnder Brauch, wie der der Kopfbedeckung an heiligen Orten, nicht den geringsten Nachklang ald Anklang in der Mischna gefunden hättet Die Misch ne, die wohl kurz and lakonisch ist, weil sie für das Gedächtniss bestimmt, and lange auch nur mündlich aufbei ,ahrt wurde, die nichts desto weniger sehr ausführlich über das ganze jüdische Leben Vorschriften giebt, ui d, den späteren Codices als Master dienend, in die kleinsten Details der damaligen alltäglichen, religiösen Praxis eingeht und sie regulirt — die Mischna konnte wohl diese Einrichtung nicht mit Stillschweigen übergehen. Eine solche Stelle, die mit dem eisernen Griffel der orientalisch-religiösen Gesetzgebung unsere Frage an passender Stelle and in vollständigster Harmonie mit dem Ganzen behandelt, ist za lesen im Talmud, Traktat Berachoth demjenigen Traktat und derjenigen Stelle, wo man sie natürlicher Weise suchen müsste, und wo sie sich aach wirklich findet; derart, dass schon die Stelle uns zur Annahme drängt, hier sei, implicite wenigstens, von der orientalischen Kopf bedeckung die Bede. So lesen wir im Traktat Berachoth (54a Mischna): ״Man solle nicht seinen Kopf leioht machen gegenüber dem östlichen Thore, da dies in grader Linie mit dem Allerheiligsten des Tempels ist;“*)■ das heisst: Sobald der Besucher des Tempels in 4088en Nähe, heiligen Bereich und Weichbild gelangt, soll er nicht mehr sich das ״Haapt leicht machen“ Nun ist die Frage, was denn eigentlich unter dem Ausdruck: ״den Kopf leicht machen“, za verstehen sei? TJnd in der That, die Commentatoren, denen selber schon die Bedeutung der orientalischen Kopfbedeckung ein halbes Bäthsel geworden, sind hier ziemlich undeutlich. Basohi zur Stelle commentirt mit den unklaren Worten: לא ראש rfibp ינוע» welches, andern analogen Stellen bei ihm and Andern entsprechend, wohl heissen 8011: Leichtfertigkeit, Leichtsinn, Frivolität Die erwähnte Mischna solle demgemäss aussagen: Der Pilger oder Tempelbesuchet׳ soll keine leichtfertigen, unanständigen Worte und sonstiges Unpassendes am Ostthor sich erlauben, weil dies dem Allerheiligsten direct gegenübersteht. Ist auch Kopfbedeckung mit darunter verstanden? Sollte über den Sinn Baschi’s noch einiger Zweifel obwalten, so benimmt ihn der nächstgrösste Commen* tator der Mischna, *Maimonides, der zur Stelle sagt:. קלות ראש הפוך כובד ראש שהקדמנו וענינו שלא ירבה כשחוק!,Leichtsinn, im Gegensätze za Trübsinn and Schwer• mnth.“ Der Sinn unseres Passus ist nach ihm ebenfalls, ״dass man in einer gewissen Entfernung vom heiligen Tempelberg sich nicht leichtfertig betragen solle.“ Ist Kopfbedeckung inbegriffen, oder dem Thema fernliegend? — ■— - Nach Maimonides, wie nach Baschi handelt unsere Mischna anscheinend nicht von Kopfbedeckung, sondern von leichtfertigen Beden und Scherzen, von frivolem Betragen im Allgemeinen. **) ד רא יקל את ראשו כנגד שער המזרח שהוא כנגד בית •קדשי קדשים. י*) Daher die technischen Worte in rabhinisohen Schrift*» _ ständig, קל ור1 ראש! f*r Leichtainn and nngeeiemeiidaa Be- *) Art. L eff. Na 40.