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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-10-11 · N° 41. (11.10.1888) · p. Seite 160

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 41. (11.10.1888)
Date
1888-10-11
Page
Seite 160 (sequence 5)
Language
German
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״ m ■ ׳׳ — 110 — Litteraturbericht. Recensionen. Presset, Wilhelm. Die Zerstreuung des Volkes Israel Zweites Heft: Die Stufen dieser Zerstreuung. Heilbronn 1887. Verlag von Henninger. (Forts.) Herr Pressei unternimmt es nun naohsuweisen, dass das göttliche Strafgericht der Zerstreuung daroh neun Stofen tioh bekandet habe; dieselben sind: die assyrische, die babylonisohe, die persische, die macedonische, die heidnisch-römisohe, die christlich-römisehe, die mohammedanische, die germanische des Mittelalters und zum Schlösse die der neaen Zeit. Dass Israel in Egypten, also in einem fremden Lande, eine lange Leidensseit za bestehen hatte, ohne dass es irgend welche Sohald auf 8ioh geladen, — diese Thatsaohe der Geschichte erweist sich allerdings Herrn Pressei als störend, was die Gesichtspunkte seiner Betrachtang anbelangt; aber er weiss sich za helfen: ״Israel hatte von den Aegyptern Lesen and Schreiben, Bauen und Pflanzen, Messen and Heilen gelernt — and diese vierhandertjährige Lehrzeit war rar die Erziehung Israels von Gott gleicherweise beabsiohtigt, wie der vierzigjährige Unterrioht Mose’s za den Füssen ägyptischer Priester für seinen Beruf, der Erzieher des Volkes Gottes za werden". Der Herr Verfasser, der seine Darstellung nach den ihm eigenthämliohen theologischen .Gesichtspunkten schreibt, konnte oder wollte sich also an die Verkündigung Gottes an Abraham (Gen. 15,IS) nicht erinnern, dass dessen Nachkommen in einem fremden Lande von Leid and Drangsal heimgesaoht werden würden, ohne dass irgend welche Sohald aaf ihnen laste. Die nähere Betrachtung dieser göttlichen Verkündigung hätte vielleicht auch in der Seele des Herrn Verfassen den Gedanken erweckt, dass es in Israel auch ein Martyrium unschuldig Verfolgter geben könne; aber dieser Gedanke hätte auch die schöne Theorie vom göttlichen Strafgericht, das noch bis aaf den heutigen Tag sich bethätigon soll, ins Wanken gebracht und darum weiss Herr Pr. nur, das Israel ״am Schreiben und Lesen, Bauen und Pflanzen zu lernen, nach Egypten geeohiokt worden ist. Eine ähnliche Willkür in der Auflassung der Urgeschichte des jüd. Volkes bekundet sich in der Ansicht des Herrn Verfassen, dass Israel, als es Besitz genommen hatte von dem Boden des heiligen Landes nur durch sich selbst, durch das selbstständige böse Trachten seines eigenen Herzens in den Abfell von Gott gerathen sei Denn das Land Kammn bot, so lange Israel noch der Erziehung bedurfte ״die nöthige Abgeschiedenheit von dar heidnischen Welt an Eurer Sa v. <» te“ eta. Nach Herr Pr. war nioht die mindeste Lcokang and kein Anreiz zur religiösen and sittliche ב Entartung in Kanaan für Israel vorder Verfasser des Baohes der Biohter unterrichtet, wenn er die Völker aafzählt, die Gdtt hatte bestehen lassen, am daroh sie Israel za versuchen. Erst aaf Seite 6 erinnert Herr Pressei in flüohtiger Weise an ״das Unkraut des kananitischeü Heidenthums, das naoh den Tagen Josaa’s, der! einen (?) gewaltigen Erziehershand *), wieder Meister ward und von Samuel ausgereatet wurde.“ j (Schluss tolgt.) I Das Wort, das J. Babinowitsch hat gesprochen im Gotteshaase ״Beth Lechem“ in Kischiaew, den 17. Ootober. 1 draassen, den nöthigen Schirm gegen ihre Angriff« wie gegen ihre Versuchungen.“ Ein Mann der sich za einer solchen Betrachtung erhebt, muss — sit venia verbo-mit dem Inhalte der historischen Bücher ״Josna“ and ״Biohter“ nioht sonderlich vertraut sein. Naoh der Auflassung des Herrn Pr. hatte Joeua gar keine äassere Veranlassung an das Volk die Ermahnung za richten (Josaa 23, 12 u. 13.): So Ihr Euch aber ab wendet and Euch ansohliesset an den Best dieser Völker, die übrig geblieben nnter Eaoh und Euch verschwägert mit ihnen und Ihr kommt unter sie and sie unter Eaoh, so sollt Ihr wissen, dass Gott Euer Herr nicht fortfahren wird, aaszutreiben diese Völker ^vor Eaoh her und sie werden Eaoh zur Schlinge und zam Fallstrick und zur Geissei Der grosse Beformator and Sektirer, Josef Rabinowitsch, den iioh jüngst so unbedacht und voreilig in der ״Israel. Woohenschr.“ moralisch todt gesagt, hat neuerdings ein Lebenszeichen von sioh gegeben in Form einer Broohüre, die der Welt verkünden 8011, wie and waa der berühmte ״Juden-Ghrist“ spricht. Ueber dieses neae ״Werk“ äassert sioh der Becensent des | ״Wosohod“'in so humorvoller Weise, dass wir es uns j nioht versagen können, seine abspreohende Kritik hier j wiederzageben. ״Wenn der mündliche Vortrag des ן Kisohinewer Sektirers ebenso gediegen ist, wie seine i gedruckte Bede, so darf man seine ״Sache“ unbedingt ■ als eine verlorene bezeichnen — sagt der Kritiker | im WosehodJ Denn vergebens sacht man in dem Heftchen neae, originelle Ideen, einigermassen stioh- 1 haltige Argumente für jene Verschmelzung des Jaden-! thams mit dem Christenthum, wie Herr B. sie empfiehlt; man findet niohts weiter als jene abgegriffenen Auslegungen j der heil. Schrift, die auf die jüdische Masse keinerlei Eindraok maohen können. In der Pred'gt des!Herrn B. ist weder Kraft, noch Idee, noch zeugt sie von tiefer, innerer Ueberzeugung: alles ist im offiziellen Stil gehalten, träge and langweilig, so dass es oft den Eindruck macht, als hätte an dieser Stelle der Prediger selber vor seinem Anditoriam taktlos — gegähnt. Dieser Umstand dürfte aaf das kürz loh daroh die Zeitungen verbreitete Faktarn zarüoki aführen sein, wonach Herr K. einen Hirten ohne Heerde, einen Prediger ohne Aaditoriam repräsentirt, and da versteht es sioh von selbst, dass es ״nicht gat ist für den Mensohen, allein zu sein“ — nioht nur nioht gat, sondern auch langweilig. Und so theilt denp der arme — Hirt ohne Heerde — seine Langeweile feit dem — lesenden Publikum, indem er sich sagt: ״Getheiltes Leid ist ein halber Trost“. Wir fühlen dem Herrn R. sein Leid theilnahmsv oll nach, obgleich wir zu unserem Leidwesen der Ueberzeugung Ausdruck geben müssen, dass sein ״litterarisohes Auditorium“ : ebenso ״zahllos“ sein werde; wie das Aaditoriam im Kischinewer ״Beth Leohem“. — Bei dieser Gelegenheit mache ich den Lesern dieses gesohjjBL die Mittheilang, dass der bekannte Hebraist and Satiriker Leon Gordon**) von der Bedaotion des ״Hameliz“ zurüokgetreten ist. Das Blatt dürfte einen annähernd passenden Ersatz schwerlioh finden. L. *) Die Schrift erzählt (Joeua 24,31 und Richter 2,7) ״Israel diente dem Ewigen alle Tage Josuas und alle Tage der Aeltesten, die lange lebten naoh Josaa“. ••) So ist wie Herr Dr. Blatte ihn Name des geistvollen Dichters, nioht aber, '־ \d in seinem trefflichen Essay in diesem £1- Gordon. Tssaatworttiahsr Bedaoteur Dr. Bahmer, Magdeburg. Droekvoa D.LWolff, Verlag von Boberl F ri e ae, Leipeig.

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