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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-10-04 · N° 40. (4.10.1888) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 40. (4.10.1888)
Date
1888-10-04
Page
Seite 156 (sequence 5)
Language
German
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Leben8 ans nur dnroh das Vorwalten höherer Geäehtspunkte Har nnd verständlich and es ist darum auch das gate Reoht eines Jeden, wenn er naoh bestimmten theologisohen Gesichtspunkten Gesohiohte schreiben will, die in seinem Geiste als helle Wahrheiten erglänaen; nie und nimmer aber darf der Histo* riker seine persönliche n Zukunftshoffn nagen als Maassstab erwählen für die Beurtheilang der Ter• gangenheit; denn es ersteht dann beim Anblicke einer solohen Darstellung aaoh im Herzen des unp&rteiischen Lesers das berechtigte Gefühl des Unwillens durch die Erkenntniss, wie es durch Kunstgriffe versucfil worden ist, einen Zusammenhang von Ursaohe und Wirkung herzustellen, die in Wirklichkeit von einander soweit entfernt sind, wie der Osten vom Westen. gerioht, das naoh Herrn Pr. erst in der Gegen• wart sioh! im vollsten Umfange verwirklicht habe, sei Israel zerstreut worden in alle Länder der Erde; aber man sei demselben stets mit Hass, mit Schimpf und grausamer Wath begegnet; wie hätte Israel aa Lust and Math gewinnen können, sioh seinen Peinigern anzasohliesseu! Nun aber 8011 und wird eine neue bessere Erkenntniss zum Durchbruche kommen. Man wird nicht mehr mit der Stimme der Gewalt an Israel herantreten, nein, Liebe und Wohlwollen 8011 es sein, die man demselben zu Theil werden lässt; die vollen Annehmlichkeiten des Lebens sollen auoh den Verfolgten zu Theil werden und der Anschluss an das geforderte Heil wird sioh allmählich von selbst vollziehen. Nun, wer Ohren hat, der höre! (Wird fortgesetzt , Als ein Mann, der naoh solchen persönlichen ZakunftshofFhungen Gesohiohte schreibt, oder manch• mal auch, wie wir später sehen werden, bekannte geschichtliche Darstellungen wiedergiebt, ist ans nun Herr Pressei erschienen, der nun das zweite Heft seines׳ grösser angelegten יWerkes der Oeffentliohkeit übergeben hat, ein Werk, das einen dem Volke Israel im Grossen und Ganzen freundlichen und wohlwollenden Geist zu athmen scheint, aber für einen Preis, den wohl nur Wenige im Judenthume entrichten werden. Der Herr Verfasser hüllt sich zwar für jetzt noch in tiefes Dunkel, indem er erst im 5. Hefte seine Ansichten offenbaren will, wie er sich die Zukauft dieser Zerstreuung Israels denkt; allein aus zarten Andeutungen, die er bereits in dem ans vorliegenden zweiten Hefte za geben sich gestattet, ist es unschwer zu errathen, welch herrliche Zeiten sein Seherblick bereits geschaut hat. Als Rom die Weltherrschaft angetreten hatte, 80 lehrt er ans schon auf Seite 4, musste Israels Zerstreuung, ״da es seinen und aller Welt Heiland verwarf, vorherrschend die Richtung naoh dem Occident nehmen*. Seite 5 tröstet er uns im Hinweis auf Römer 11,2 u. 25, 26, dass Israel nicht für ewige Zeiten verstossen sei; ,seine (Israels) Widerspenstigkeit und Untreue hat Gottes Heilsrath für Jahrtausende hinaus vereitelt und in das Gegen theil verkehrt, aber doch nur für Jahrtausende hinaus and nicht für immer.“ Des Herrn Verfassers Perspective für die Zukunft ergiebt sioh auch ziemlich deutlich aus dem Zusammenhänge dessen, wie er die Stelle in Joh. 3, 14 15 auführt: ,Gleichwie Mose eine Schlange erhöhet hat in der Wüste, also muss des Menschen Sohn erhöhet werden, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben “ (S. 48). Aber wie and auf welche Weise könnten diese Hoffnungen sich erfüllen? Können auch Menschen ihr Scherflein beitragen für die Gestaltung einer 801eben Zukunft, können sie helfen diesen Rathschluss Gottes zu vollführen? Der Herr Verfasser lehrt uns deutlich den Weg, der erwählt werden 8011, dass Israel dem Rufe, der längst ergangen ist und noch ergeht, bereitwillig Folge leiste. Er schildert ans die Leiden8sohicksale des jüdischen Stammes und bekennt ausdrücklich (Seite 126) ,es sei eine Leidensgeschichte, welche jeder Menschenfreund und insbesondere jeder wahre Christ nur mit Jammer und Beschämung zu lesen im Stande ist*. Aber was folgt nun aus dieser Erkenntniss für Herrn Pressei? Der ganze Ton seiner Darstellung spricht die für die Völker beschämende Erkenntniss aus, dass sie bis auf wenige Ausnahmen einen schweren Irrthum in ihrem Verhalten gegen Israel bekundet hätten. Durch das göttliche Straf- Litterarische Notizen. 1. Breslau. In No 36 Ihrer gesch Wochenschr. befindet sich eine Notiz aas Paris, ans welcher her.orgeht, dass Herr Alexander Goldberg eine Sabscription zur Herausgabe der nachgelassenen Manascnpte feines Vaters Berl Goldberg veranstaltet, worunter sich auch eine französische Uebersetzung der Fabeln Bidpai’s, unter dem Titel Kalila wedimna befinden 8011. Ich habe mit dem alten Hrn. Goldberg in London und Paris fast täglich verkehrt und es ist mir wohl bekannt, dass der greise Forscher alle möglichen Sprachen verstand; ob auch altindisch, in [welcher die genannten Fabeln zuerst erschienen sind, weiss iah nicht Aber so gut er auch die verschiedenen Sprachen verstand, hat er doch in keiner anderen, als in der hebräischen, oder wohl auch in der sogenannten jüdisch-deutschen, ״ ■ach den bereits vorhandenen französischen Uebersetzungen von David Sshid, Galland und anderen eine hebräische Ueber- Setzung angelertigt haben wird. M. Silberstein. R1I 2 Paris Sprache am in Versailles ספר המצות aus Granada“ veröffentlichte jüngster Zeit ״ המצותach Noten erschein! welche der v! schenkt hatte, königlichen Herr Moise Bloch, Professor der arabischen bbinerseminar zu Paris, und jüngst zum Rabbiner!ernten, die ganze hebräische Uebersetzung des von Maimoniaes d. ״Solomon ben Joseph Ibn Avub herauszugeben. Einen Theil dieser Uebersetzung 1882 Herr Dr. Moritz Peretz in Breslau. In bat Herr Bloch bei Durlacher in Paris das כפר!lern arabischen Original mit einer Einleitung und neu lassen Hierbei benutzte er die Manuscripte, erstorbene Albert Cohn dem Pariser Seminar ge- sowie die Handschriften der Bodleiana und der Bibliothek zu Berlin. 3. Paris. Unter dem Titel ״Controvers eines Bischofs“ *) hat Herr Leon Schlossberg die Uebersetzung eines merkwürdigen Mai.uscripts aus der Pariser Nationalbibliothek veröffentliche Dasselbe enthält einen Brief, welchen um das Jahr 514 ein Bischof an einen anderen schrieb, worin zahlreiche und triftige Grund s enthalten sind, welche es ihm unmöglich machen, an die Göttlichkeit Jesu zu glauben. Wie es am Eingänge des Manuscripts hieisst, hat sich der Bischof zum Judenthum bekehrt. 4. Load«■. Fräulein E. van Campen, welche in dem ״Athenäum“ fcnter der Sektion ״Holland“ die literarischen Erscheinungen dieses Landes während der letzten zwölf Monate t beschreibt, erwähnt u. A. eiu schönes Werk des Professors ׳Pierson ״Geestelyke Vooronders“ (Geistesvortahreu). Dasselbe besteht aus einer Reihenfolge von Auf Sätzen, welche die Hauptquelle unserer Civilisation und unseres geistigen Lebens illustriren. Er lat das Volk Israel seiner Religion wegen ausgewählt, erzählt nun seine Geschichte, zeichnet seine Original- Charaktere, die Propheten und ihre Ideale, die Priester, Gesetagebe' und Weisen. Von den dichterischen Erzeugnissen behandelt er ״J 1b“ und das ״Hohe Lied1‘. der &. London ,Nature“ Race, wie an der h. Schrift Herr Professor S a y c e hat in der letzten Nummer äinen kurzen Artikel über die ״weisse Race von Palästina“ ver iflentlicht. Er sucht darzuthun, dass diese weisse den egyptischen Denkmälern zu ersehen ist nnd von den hornigen Reisenden behauptet wird, die Emoriter sind, und dass sie mit den alten Babiern, den heutigen Kabylen Nordafrikas, verbunden war. Briefka iten der Red. Die Fortsetzung der ״Litter. Studie“ von G ildschmidt (L Art. in No. 38-39) folgt Tn nächster Nr. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rehmer, Magdeburg Druck von D. L. W o 1 f f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig•

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