Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 40. (4.10.1888)
- Date
- 1888-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Litter&tur-Blatt. Zar Biliiektitg aller J14ntk1■ ■■4 Jade■ ketreffeadea lltterariaehea Er• «ekelaaagea aaf de■ Gebiete der Philo• •ophle, Gceehlehte» Ethaotraphle, Theo• (0*10, Orteatalla, IxifN«, Homiletik. Mtarglk Pldagogih« 1 Herausgegeben! von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. u}, 4. Gcto&ei 1888. Biah«r «•raiuaklfglc•■ Llttacstar.wdek• «v BkBMtlo■ aagtMrtt wert•■, *■«•■ la dlMMi Blatt« •!■K«ke■«• Bt^rwkaag B«I BlNllai( Tt* »w«l ■*MUi•■•■ b«a>rlan> •rfolgt claaiaU•• kam Sratli-laHrtt«■. Das »Jldlsehe Lltteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis hei allen Baohhandlunäran (in Leipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang ß Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich hei allen Postanstalten und Bachhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 Pf. für die gespaltene Petitzeile^ Beilagen rftit 20 Mark, berechnet rind sind an die ESzpedition dieses Blattes sn senden I■* Buchhändler n. Ziehrer, welche direfet oder dnre'i Robert Priese Inserate einsenden, erhalten 1^25־ Rabatt. i 11 h;« 1 1.: Wissenschaftliche Aufsätze: Kopfbedeckung und -Entblössung im Gotteshause Ein Beitrag zur Calturgeschichte des Morgen- und Abendlandes. Von Rabbiner M Flügel. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Heed a. Rh. Litteraturbericht: Recensionen: Pressei, Wilh Die Zer- Streuung des Volkes Israel. Zweites Heft: Die Stufen dieser Zerstreuung. | Litterar ische No t iz e n. { Unbefugter Nachdruek aus diesem Blatte ist nicht gestattet. -1 Kopfbedeckung u. -Entblössung im Gjotteshause. Ein Beitrag zur Cultnrgeschichte des Morgennnd Abendlandes. [ Von Rabbiner M. Flügel. j Orten überhaupt. Nun, was mag der Grund dieses Brauches sein? Was dessen Sinn? Oder hat er gar keineu Sinn? Ist er Zufall, Willkür, Priesterkünstelei? Seit Abraham und Ninas, und vor denselben, betete man dort stets bedeckten Hauptes. Je mehr dagegen wir dem Alterthnm entrückt sind and je näher wir dem Oocident kommen, desto mehr verschwindet dieser Brauch, desto allgemeiner betet man unbedeckten Hauptes. Demnach ist dort, im Osten, Kopfbedeckung Zeichen des Respekts; hier ist das entblösste Haupt Symbol desselben. Warum ist dem so? Ist’8 Zufall und Willkür? Es giebt keine solohe in der realen Welt, warum in der idealen? Lasset uns daher diesem interessanten Brauoh genauer auf die verborgene Spur kommen, er wird uns vielleicht den Schlüssel «um bessern Verständnis» des Orients liefern. I. Werfen wir eiuen Blick auf die äustjern Formen des Gottesdienstes im Abend- und im Iforgenlaude, so sehen wir, dass sie sich zuerst durch die Kopfbedeckung und die K op fe nt b 1 öss uug scharf von einander unterscheiden. Den Einen ist es ehrwürdiger, uralter Brauch beim Gebete und allen feierlieben Gelegenheiten, in der Oeffentliohkei i überhaupt, den Kopf stets, and ohne Fehl, bedeokt zu halten; von den Andern verlangt die alte Sitte, der Anstand, bei solchen feierlichen Gelegenheiten das g;rade Gegentheil, das Haupt ehrerbietig entblösst zu halten. Die orthodoxe, alte Synagoge'hält an der morgenländisohen Sitte fest: der Betende erscheint da stets nnd unfehlbar mit seinem Hute bedeckt, und darüber and dem gauzen Oberkörper hat er au? ierdem noch seinen Talar (Tallilh), die jüdische Toga oder das Pallium, mit den mystisch geknüpften Schaufaden (Zizith). Diese letzteren sollen ihm religiöse Ideen ins Gedäohtniss rufen; das P&lliam we auch die eigentliche Kopfbedeckung sollen ihm ,Ehrfurcht vor Gott einprägen “; das Bewusstsein, dass nr in Gegenwart Gottes und ein Glied des Priestervolkes sei. Kopfbedeckung ssmmt deren Vervollständigung, Pallium, Sehaufäden und Phylakterien, machen die Uniform, die Kokarde und die Nationalfarben dieses Priest er- Volkes aus. Die Kopfbedeckung ist aber nioht bloss in der Synagoge za Hanse; die islamitischen Moscheen, die Gotteshäuser der heutigen Gebern und deren einst weltbeherrschenden Vorfahren, der Parsen oder Perser, der Meder, der Baktrier, der Parther eto. etc, kurz der ganze heutige Orient, Asien, Afrika t nd ein Theil Europa’s huldigen nooh dem Brauohe ier strikten Kopfbedeckung beim Gottesdienst und aa feierlichen In der Bibel, der bebräisoh-alttestamentliohen, findet 8ioh nichts Bestimmtes statairt, ob der Betende mit bedeoktem oder mit entblösstem Haupte vor Gott erscheinen solle. Nur dem Priester wird (2. Mos. 28,4 und 3. Mos. 16,4) ausdrüoklioh die Kopfbedeokung anbefohlen. Jedoch einiges Nachdenken über den Orient, dessen politische, soziale and religiöse Ansohauungen heute, and dessen angeborene conservative Instinkte, wird hinreichen, am ans zn überzeugen, dass die Patriarchen, die Richter, die Könige, di• Propheten, die Priester und alle Persönlichkeiten der Bibel mit bedeoktem Haupte an heiligen Orten za erscheinen pflegten. Wenn am Horeb dem Mose die Worte ertönten: ״Wirf deine Schuhe von deinen Füs8eu weg!“ (Exod. 3,5 ׳, so ist selbstverständlich zu ergänzen: ״und bedecke dir das Haupt, denn diese J Stätte ist heiliger Boden.“ Dean so lesen wir auch im folgenden Verse 6: ״Und Moses verhüllte sich , das Gesicht, denn er scheute sich Gatt za sehen.* Ebenso in Exod. 33,22: ״Wenn Gott vor ihm vorüberzieht, wird ihm das Gesicht bedeckt.“ So erschriokt Jesaja (6,5) Gott mit blossen Aagen gesehen zu haben. — Diese Anschauung mochte ein Analogon gewesen sein von dem Factum, dass das mensohliohe Auge nioht das Sonnenantlitz ansohauen kann. Was das physische Auge nioht vertragen kann, das darf der Mensch nicht. Diese Anschauung mochte vielleicht mit der Verehrung des Mithra einstens zusammengehängt haben. Der vorgeschiiebene Priesterhut (8 Moe. 28,4) heisst מצנפת, von צנף umhüllen, den Turban umwickeln; stammverwandt mit צפון, verborgen, in. Dunkel gehüllt. — Nun scheinen dem Orientalen Gesichts Verhüllung and Sohahausziehen oorrelativ and stets zusammen za gehen; es sind die zwei Hälften der nämliohen Idee: beide drücken Ehrfurcht aas. Im Oocident findet das grade Gegentheil statt; beide ■