Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 38-39. (20.9.1888)
- Date
- 1888-09-20
- Page
- Seite 152 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wu wir bei der Benrtheüang des ersten Heftes obiger Abbsndlnng sa oonstatiren betten, — dass der Veri, der eaf dem Stendpanote der proteetentisoben Orthodoxie steht, die sameist jedes Verdienst dem Jndenthtun und den Jaden sbsprechen sa müssen glaubt, doch im Ganzen siemlioh vorartheilsfrei and so sn sagen sine in et stndio den Chzrzoter and die Gesohiohte des Volkes Israel vorträgt, — das findet aaoh daroh den Inhalt des obigen zweiten Heftes seine Bestätigung. In 9 grösseren Abschnitten schildert der Verf. den Gang der jüdischen Gesohiohte von der Tbeilnng des Beiohes in Ja da und Israel bis snr Neuzeit, allerdings nioht gerade in erschöpfender Weise, aber doch anschaulich nnd populär. Einleitend setzt der Verf den Zustand des Israel. Volkes auseinander bis zum Auftreten Jerobeam’s. Treffend, ja in Anbetracht der christologisohen Tendenz, die duroh die Arbeit geht, in anerkennenswerter Weise wird der Grund, weeshalb Israel ״das erste aller Gottes- Völker“ zu sein berufen war und als solches den Ausgangspunkt des gesummten Gottesreiches auf Erden gewesen, überzeugend dargestellt. Nur dass wir hierbei wieder der falschen Auffassung begeguen, die wie ein Erbfehler fortwährend bis in unsere Zeit von Forschern, die den Geist des Judenthums nicht su kennen vermögen oder nicht erkennen wollen, aufrecht erhalten wird, dass nämlich Mose, der Erzieher des Volkes Gottes, vierzigjährigen Unterricht genossen zu den Füssen ägyptischer Priester!“(?). Dagegen muthet es uns recht freudlich an, wenn der Verf in richtiger Erkenntniss wahrer Humanität ״die Verkennung aller wahren Beligionen und vorzüglich des wahren Christenthums“, die mit der römisohen Herrsohaft über Judäa begann, mit folgenden treffenden Worten schildert (S. 63 ft.):... ״Aber in einem Hechts- ״Staat wie der römische, und wie unsere heutigen ״Staaten es sind, da scheint es, sollte ein solcher ״Buderschlag doch unmöglich sein; da ist die Eman- ״oipation als eine Forderung der Gerechtigkeit, der ״Staatsweisheit, der Menschlichkeit doch unwider- ״ruflioh! Und das vollends, wenn zu dem Hechts- ״Staat hinzukommt das Christenthum!' — Die Beli- ״gion, welche mit dem Judenthum gemein hat den ״Glauben an den einen Gott, das SitteDgesetz der 10״ Gebote, das Bedürfniss nnd die Verheissnng der ״Vergebung unserer Sünden durch die Gnade ״Gottes etc. etc.“ Schöne Worte, die allerdings von der Gesohiohte der alten und neuesten Zeit Lügen gestraft werden und insbesondere von allen Collegen des Autors beheraigt zu werden verdienen. So scheiden wir denn von dem Verf. obiger Schrift mit der Anerkennung, dass derselbe darin manche wohlwollende und offen ausgesprochene, allerdings auch von Missveratändnissen und Einseitigkeiten nicht selten freiznsprechende Ansicht über Juden und Jadenthum vorgetragen und sehen mit Spannung den weiteren Heften, aie vom Talmud und dem späteren jüd. Sohriftthum handeln sollen, entgegen. Baiserslautern. L a n d 8 b e rg. (Es ist uns von anderer Seite eine eingehendere Besprechung des Pressel’schen Baches zagegangen, die wir in einer der nächsten No. bringen werden. B.) LdtterarIsche Notizen. Frankreich Die neuesten französischen Publikationen, welche die Juden interesairen, sind: ״Nieder mit dem Antisemitismas“! von Numa Bresz, eine anspruchslose kleine Schrift, und ״Katholicismus und Judenthum“ von Marcus Garredi, ein 330 Seiten umfassendes Werk, beide von philosemitischem Charakter; ״Einig« Bemerkungen über du Evangelium“ von Dr. Klein; das ״Buch dee Propheten Daniel“ nach bebr&aehen, arabischen nnd syrischen Texten übersetzt nnd mit ein» kjitisohen Einleitung versehen von Abbt Fahre d’Envien; ״Coutrovers eines Bischofs“ odar Brief aas dem Jahre 514, ins dem Arabischen ins Französische übersetzt von Levi Schiössberg. — Der französische Resident, Herr M. J. Sciama (Sciama Bey), ein aaagezei'-hneter jüdischer Ingenieur, widmete einen beträchtlichen Theil seiner Masse den philosophischen Studien, als deren Eigebniss eine Broschüre ״Darwinische Metaphysik“ za verzeichnen ist. In dieser versucht er za beweisen, dass die Lehren Darwins keineswegs materialistischen Charakters sind and dass man sich za denselben bekennen dürfe, ohne mit den Ideen aber Gott, Glaube and Unsterblichkeit in Widersprach zu gerathen. Paris. Der 31. Band der ״Revue des Etudes Jaives“ enthält folgende Schriften: Pierre Vidal: Die Jaden in den alten Grafschaften Roussillon nnd Cerdange (Fortsetzung); Theodore Rejnach: Sculpturen za Ascalon; Isidore Loeb; Joseph Hacohen and die jüdischen Chronisten; der jüdische Kaufmann in Marseille in der Mitte des 13. Jahrhunderts; das Rechts verfahren des Samuel ihn Tibbon, Marseille 1255 (Schluss); das Wort ״Toluj•‘ (תלד) in jüdisch-deutsch. ein Brief an Salomon Azubi; J. Derenboarg: Rabbinische Miscellanea; Recension eines in diesem Jahre in Paris erschienenen Baches; Prof Dr. D. Kaufmann: Die Marannen von Cesaro und die Repressalien der levantinischen Jaden gegen die Stadt Ancona; pine Anecdote über Pharao und Haman, unter den Arabern verbreitet; die Buchstaben 3, O. ל des Alphabets; J. Kracaaer: Rabbi Joselmann von Rosheim; W. Bacher: Commentar des Samuel ihn Chofni über den Pentatench (Schluss); J. Halövy: Kleinere Probleme (III); der Plaral in den 8emitischen Sprachen; Bemerkungen über die phönizische Schrift vop Pireas; Immanuel Löw: Recension übeT Dr. Jastrow’s ,,Dictionnaire der Targamim, der beiden Talmade and der Midrach-Litteratur“. London Sir Richard F. Bnrton rezensirt in der .״Academy“ die mittelalterliche lateinische Uebersetznng des *״Kaliiah we Dimnsh“ von Johann von Capaa, welche durch Herrn J. Dereubourg mt Anmerkungen versehen für die Bibliothek der Hochschule za Paris nsrausgegeben wurde. Dieeer Band vergleicht fünfzehn Uebersetzungen in arabischer, hebräischer, syrischer, griechischer, lateinischer, italienischer, spanischer and deutscher Sprache. Zlrlch. Ein interessantes historisches Geheimniss über die Beziehungen zwischen Leibritz nnd Spinoza wird in einer Serie za Hannover autgefundener Briefe eine Aatklärang erhalten. ' Italien. Der katholisch-chaldäische Bischof von Mossonl hat dem Museum der Propaganda za Rom ein äusserst werthvolles Manascnpt überreicht Es ist ein Gebetbach ans dem 5. Jahrhundert] von einem Armenier, Namens Narses, in cbaldäischer Sprache geschrieben. Man hält dassetbe für das älteste chaldäische Manuscript In Mossonl bedient man sich noch des Chalaäisshen als Gebetsprache; jedoch ist die Aasspräche desselben von der in den ältesten Zeiten sehr verschieden i Bukarest. Die 3. Lieferung des jüdisch-rumänischen ״Annaal Pentrp Israel iti“ wird eine vergleichende Studie, betitelt ״Ingerul und Subastrul“ von Dr. Gaster enthalten Amerika. I Unter dem Titel ,.Gedanken über religiöse Bräuche and Anschauungen‘• behandelt Rev. Dr. Flügel in Padu-ah ant-!r: andern versciiiedenen Gegenständen die Be- Ziehungen zwischen Jadenthum und Parsismus. Er hat es sioh r" . Raum nimmt die Untersuchung über das Verbot des Hauptentblössens ein,{ dessen Ursprung er za entdecken sich bemüht. (Wir werden pinige Aaszüge aas der interessanten Schrift bringen. Red.)! — Eine Inqnisitionsgeschichte des Mittelalters von dem amerikanischen ]Schriftsteller H. C. Lea ist soeben erschienen. Der Verfasser ist bekannt durch seine Forschungen auf dem Gebiete der Kihchengeschichte. In drei umfangreichen Bändpn giebt er 'einen! ausführlichen Bericht von dem Entstehen and der Entwickelanjgdieses schrecklichen Instituts, dessenHeimath die pyrenäiache!Halbmsel war. Baltimore. Der bekannte Philologe, Herr Alexander Harkavy aas JSt. Petersburg weilt augenblicklich in unserer Stadt. Sein bedeutendstes Werk bandelt über die rassischen Diale'te. In denselben hat er naebgewiesen, dass der russisohjüdische Jargon!Spuren aus den Sprachen aller Länder enthält, welche die Juden auf ihren Wanderungen berührten. Im nächsten Jahre (will Herr H. die semitischen Sprachen an der hiesigen Universität stadiren. Verantwortlicher Redactear Dr. Rshmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert F riese, Leipzig