Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 38-39. (20.9.1888)
- Date
- 1888-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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M 88—39. Jahrg.XVII üdisehes Litterätur-Blatt. Sw MeHktug ftlltr JijMtbMMi utf J14« kMudtt IltUnrüek« Ir- («Mnift■ 1>r 4w Gebiet« 4er Philo- •Ofkie, fieieklekte, Itkiofrepkle, Theolöffle, OrlcatAll*( big•(«, Heoflettk, Lltargik m. PUaiogik. Herausgegeben biner Dr. Moritz!lahmer. 20. Se-plctivGct• 1888. Sltkar *«rducklifl«•• Uttoratar.w-Iek, te Muli« ■1(«u4t w«t4mi , •lia U dl 4M■ Blatte!!■(ehe-de Beefreehnf Bel Btaeeadeed eea awel Baeeaeleae• beaplarea erfelgt «IumII•• kane firatla-Iaacrtle■. Das ״Jldlaeke Lltteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhandlangen (in Leipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8| Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bet allen Postanstalten and Buchhandlnngen 8 Mark! kostet) erhalten das ״Jüdische Litteiatur-Blxtt“ gratis. — Inserate werden mR üb Pf. für die gespaltene Petitzeile, Stellagen mit 80 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes >a senden Bnc&händler a. Lehrer, welche direkt oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 1ן Rabatt. + Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Der Baam de« der Baam der Erkenntnisa in Sohiller’s M< rarische Studie. Von Dr. J. Goldschmidt-1 Zar Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Litteratarbericht: Recensionen: Ilalfmann,. Beiträge zur Syntax der hebräischen Sprach] Wilh. Die Zerstreuung des Volkes Israel. Die Stofen dieser Zerstreuung. Litterarische Notizen. Lebens and Eine littelirkenfeld. — r. Hermann. 1. — Pressei, weites Heft: Unbefugter Naehdruck aus diessm Blatte ist nis^t!eststtet. Der ״Baum des Lebens“ und ״der Baum der Erkenntniss“ in Schiller’s Muse. Eine litterarische Stndie. Von Dr J. Goldsc hmi d t-Birkenfeld. I. Dr. 013 Ueber den Einfluss der heiligen Schrifjt liten auf die Litteratur unseres Vaterlandes ein geistvoller Schriftsteller (Herr Rabbiner z. Z. Brandenburg, jetzt in Berlin) in dies s: werthvolle Beiträge geboten. In Folgend! 11 weiterer Beitrag za dieser Frage geliefert Bezug auf den Einen unserer klassisch 8: Diosknren: Sohiller. — Schiller liebte es, für seine tiefsten sehen Untersuchungen, an Vorstellungen langen aus dem Kindesalter der Menso knüpfen. Ein höchst merkwürdiges ־ ist die Einleitung za seiner Untersucht Anmnth and Würde", wo er an der Mythe vom Gürtel der Venus geradezu zi wird, um die reifsten Ergebnisse seiner sehen Forschung über den Unterschied z׳ müth and Schönheit in dieser Mythe 81 finden. — Sohiller’s Mose interessirte sich aber ni! für die Erzählungen and Vorstellungen Israeliten, als für die Mythologien der seine gesohiohtliohe Muse haben wir ja ir dang Moses" den Beweis, welchen Ernst denkens er der Religion der Hebräer and sohiohte widmete. So gewiss als sowohl dieses Essay’8 anf solchen Voraussetzungen Religion der Egypter beruhen, wie aaoh di! Sfenden Aeusserungen über die Jaden nar er nicht geprüften allgemeinen Stimmen noch nicht verhallten mittelalterlichen sind, so gewiss ist die ganze Sohiller’sohe Moses" objeotiv ein Tribut der Anerkenn! Grieo di» der Israehat bereits Kroner n Blättern m 8011 ein werden, in n Diohterphilosophiind Erz ähhheit anzuiel hierfür ig ״Ueber griechischen Exege ten philosophi- Wischen Annthalten zu .!:ht weniger der alten hen. Für der ״Sendes Nachderen Ge- Resultate über die e besohimdas Eoho des damals Fanatismus ״Sendung für die füg Bedeutung, welobe der Universal-Historiker Sohiller dem Judentham beilegte. Bekennt Schiller ja dooh in der Einleitung ausdrücklich: ״In einem gewissen Sinne ist es an widerleglieh wahr, dass wir der mosaischen Religion einen grossen Theil der Aufklärung danken, deren wir uns hantigen Tages erfreuen." — Aber nicht nur der Historiker Sohiller fühlt sich neben ״Lykurg and Solon“ von den strahlenden Zügen des Moses mächtig angesogeu und zur Verehrung hingerissen, sondern aaoh der Dichter Sohiller liebt es, aus dem Blüthen-Kelohe mosaischer Erzählung für seine erhabensten poetisoh-philosophisohen Erzeugnisse Nahrung und Darstellungs-Stoff za sammeln. — Die beiden Pole eines jeden grossen Lebens, also aach eines echten Poeten-Lebens, bilden: die Tragik des dichterischen Berufes als Prophet der Ungläubigen, als Prediger in der Wüste, and der endliohe S ieg i m Geiste, wenn nach anssen auch — wohl immer — der Erfolg hinter deraStreben zarüokbleibt — Von dem Propheten Elias erzählen die Königs-Büoher: Er stand in der Höhle des Offenbarungs-Berges Horeb, Da hörte er die göttliche Stimme: Was saobbt da hier Elias? Er antwortete: Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott Zebaoth, denn die Söhne Israels haben deinen Band verlassen; deine Altäre haben sie niedergerissen, deine Propheten haben sie getötet mit dem Schwerte. Nar ich allein bin übrig geblieben, aber aaoh mir wollen sie das Leben nehmen. — Da rief die Stimme: Gehe hinaus! Stelle dich auf den Berg, and die Gottheit wird voräberziehsn! — Ein grosser, mächtiger Sturm erhob sioh: er zerlegte Berge, er zerschmetterte Felsen — er zog der Gottheit voran, aber Gott war nioht in ihm. — Nach dem Sturm ein ErdBeben, — nioht im Erdbeben war Gott! Nach dem Erdbeben eine Flamme — aaoh in der Flamme war Gott nioht. - Aber nach der Flamme kam die Stimme einer leisen Stille ... als Elias diese hörte, da verbarg er sein Antlitz in seinem Propheten- Mantel!- j Prophetisch im Kampfe mit seiner Zeit steht jedes, grossen Bestrebungen geweihte Leben: ״Sturm, Erdbeben, Flamme"-das ist die Tragik eines jeden Propheten-Berafes; ״die Stimme einer leisen Stille"-das ist der Sieg im Gleiste. Die Tragik seines dichterischen Propheten-Berafes hat ans Sohiller niedergelegt in seiner Kassandra, den Sieg in seinem grossen Geiste, in seinem Ideal nnd Leben.— -• . Und für beide Pole seines grossen Lebens hat Sohiller die Erzählung vom ״Baume der Erkenntniss" als Träger seiner tiefsten Empfindungen nnd höohsten Gedanken benützt. — "