Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 37. (13.9.1888)
- Date
- 1888-09-13
- Page
- Seite 146 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der Praxis noch nie gehört. Verf. sohiebt ferner bei der Aussprache des Pathach-fartivum je naohdem ein j oder w mit ein, s. B. HTI ravaoh, ריח rejaoh אל1ה elauwah! Wir enthalten ans eines Urtheils hierüber, vielleicht fühlt sich der Yerf. veranlasst, diese Lesearten in dies. Bl. näher za begründen. St. צרור הודים, G6dächtni88 reden auf hervorragende Männer des Jadenthams mit eingehender Würdigung ihrer Thaten and Werken von Dr. Samael Back, Babbiner der iarael. Caltasgemeinde za Smiohow (Prag.) 1888. Prag, Jakob B. Brandeis. (Frankfurt a. M. bei J. Kaufmann.) Die vorliegende Schrift enthält 4 Gedächtniss• reden, von denen die drei ersten auf Montefiore, Zaoharias Frankel und Löb Back, sowie auf Albert Cohn, die Formen der Deraschah, die letzte auf Zu ne allein die logisch geordnete Form der Predigt hat. Der Verfasser begründet die Wahl der Form der Deraschah, die er blos den ersten bei den Gedächtnissreden vindiciren möchte, in einer Yorbe• merkung mit folgenden Worten: ,Lokale wie individuelle Motive erforderten die Form der Deraschah. In unserer neuen homiletischen Litteratur ist die Dera• schah fast garnicht vertreten, und dennoch giebt es Fälle, wo sie auch in unseren Tagen vom Kanzel* redriör verlangt wird. Es dürfte daher einmal auch ein Muster von der antiquirten Derascha nicht unwillkommen sein.“ Wir wollen, da der Yerfasser von lokalen wie individuellen Gründen ausgegangen ist und selbst von einer ,antiquirten“ Form spricht, mit ihm darüber, ob die Form der Deraschah überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat, nicht rechten, und wir freuen uns auch, diese Arbeit des Yerfassers, der nicht blos gut zu ,fabulieren* versteht, sondern sich wiederum als ein in Bibel und Talmud tüchtig bewanderter Theologe-erweist, aufs Wärmste begrüssen zu können. Back weiss in schwungvoller, klarer Sprache die ge* schickt gewählten Midrnschstellen homiletisch fruchtbar za machen und können diese Gedächtnissreden mit ihrer präcisen Charakteristik der hervorragendsten Verdienste von Männern wie Zacharias Frankel, Zunz, Montefiore und Albert ,Cohn nicht nur den Fachgenossen, sondern vorwiegend auch dem grösseren Publikum empfohlen werden. Nnr können wir der in dir Vorbemerkung ausgesprochenen Meinung des Verfassers nicht ganz beipflichten, dass diese Predigten auch ״dem Historiker wie dem Litterarhistorikcr der Zukunft“ Material bieten sollen. Dieses ist eigentlich weder die Bestimmung der Deraschah, noch der Predigt, obschon einzelne von Back gebrachte litterarhistorische Notizen uns von grossem Werth erscheinen. Für weitere Kreise der Gegenwart erblicken wir in den vorliegenden Beden eine willkommene Anregung und hätten wir darum auch gerne die biographischen Angaben über den thatkräftigen, dem Wohle Israels geweihten Theil des Lebens Montefiore’s bei Back' etwas mehr ausgeführt gewünscht. Die Ausstattung der Schrift ist eine vorvorzügliche, obschon nicht verhehlt werden kann, dass vielfach Druckfehler im hebräischen Text sehr störend aufiallen. So ist in der Bede auf Montefiore in dem Gleichniss aus Wajikra Kabba Abschn. 1 No. 7 statt des Druckfehlers כשכך לה ׳ zu lesen כך בשלה. Aehnliehe Inkorrektheiten finden sich beiläufig hie und da auch in der deutschen Uebersetzung der angeführten Midraschim, so in der auf Montefiore angewandten Agadastelle Jalkut zu 963 § האת הברכה Pirke de- Babbi Elieser, Cap. 45. — Nimmt man Alles in Allem, 80 kann man behaupten, dass jeder Leser dieser Gedäohtnissreden an der innigen und warmen Würdigung der Verdienste der gefeierten Männer, an der Klarheit und Präoision des Ausdrüoks sich umsomehr erfreuen wird, als gemeinhin gerade in Gedächtnissreden auf bedeutende Männer in unserer Mitte zuweilen ־Heberschwengliohkeit und Ueberladang mit künstlich gedeutelten Belegstellen vielfaoh häufiger als das Gegentheil angetroffen wird. Somit können wir diese gereifte Gabe des bekannten Yerfassers, der sioh durch seine Exegese und geistvolle Midraschauslegang vorwiegend auszeiohnet, auf das Wärmste empfehlen und wünschen wir dem Büchlein auch möglichst guten äusseren Erfolg. M. F. Ein Schnitzer! In ,Geigers Zeitschrift für die Geschicte der Jaden in Deutschland“, Bd. II. Seite 388/9 gibt M. Grüwald einen Beitrag ״zur Geschichte der Censar“, in welchem er den bekannten Techinim- Doctor Teohen von de Lagarde’s Gnaden an Unkenntniss der Sache, über die er schreibt, noch übertrumpft. Das Ding handelt von den Worten □כל הקדישי וכל הגשמית! welche in einem Amsterdamer Luach von 1726 Vorkommen. Zu den Worten כל הקדיעים bemerkt Grünwald: ״d. h. alle Fälle wo dasrKaddisohgebet, das bekanntlich zur Verherrlichung und Anerkennung der Grösse und Gerechtigkeit Gottes dient, gesprochen wird.“ Wer aber nicht weiss, dass mit obigen Worten die zwei Festtage der Kirche: ״Allerheiligen und Allerseelen“ (1. u. 2 November) in den alten Luchoth bebezeichnet zu werden pflegten, für den gelte auf dem Gebiete der jüd. Geschichte das geflügelte Wort des Vorsitzenden des deutsch-israelitschen Gemeindetages. Zuitterarische Notizen. Magdeburg. Nach zuverlässigen Nachrichten ist die im Besitze des Herrn A. Kaufhnann m Frankfurt a M befindliche ״Zunz'scheBibliothek“ durch Herrn Dr. Gaster ftir das Ramsgate- College erworben worden. London. Rev. B. Schewzik am Lady Montefiore College- Ramsgaste, hat in hebräischer Sprache eme kurze Abhandlung über ״Feuerbestattung“ unter dem Titel אפר הנשרפק veröffentlicht. Ein Vorwort in englischer Sprache gewährt den Studirenden einen klaren Einblick in den behandelten Gegenstand. — Rev. Naphtalie Levy hat unter dem Titel ספר מלט שנות einen Supercominentar zu dem Miichnah-Commentar über רלים! des Wilnaer Gaon herausgegeben. Herr Levy sucht in seinem Werke viele Schwierigkeiten, die sich in dem genannten Commentar vorfinden, zu heben und behandelt seinen Stoff in einer gedrängten, aber logischen und kritischen Weise. Das Buch ist in Wien erschienen. London. Die erste demnächst erscheinende Nummer der ״Jewish Quarterley Review“ wird voraussichtlich fqlgende Beiträge enthalten: ״Das Buch Sechaijah“ von Prof Cheyne; ״Neujahr und seine Liturgie“ von Dr. Neubauer; ״Jüdische Dogmen“ von Schechter; ״Das Predigerbuch“ von Friedländer und ״Die Bedeutung der Juden in Gegenwart und Zukunft“ von Dr. Graetz. Paris. Herr Alexander Goldberg hat eine Subscription zur Herausgabe der vielen und wichtigen nachgelassenen Schriften seines seligen Vaters, Beer Goldberg, eröffnet. Unter diesen zahlreichen Arbeiten des berühmten Litteraten und Mathematikers befindet sich auch eine französische Uebersetzung der Fabeln Bidpai’s, unter dem Namen ״Kalila we- Dimna“ bekannt. Sew-York, Hier erscheint eine neue jüdische Zeitung unter dem Titel ״Volksadvokat* heraasgegeben von G. Seli* kowitsch Ausser St Petersburg und Warschau ist unser Ort der einzige, in welchem eine jüdische Zeitung täglich erscheint. Dies ist die ״Jewish Daily News.“ Verantwortlicher Redactear Dr. Ra־h me r, Magdeburg. Druck von D.L. Wolf!,Magdeburg. Verlag von Robert Fr io se, Leipzig.