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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-08-30 · N° 35. (30.8.1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 35. (30.8.1888)
Date
1888-08-30
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Jüdisches Litteratur-Blatt. Zir B«lMehtMf all« ■■4 114« l«t71ffM4« UttmrlMki■ Br- Hkduif«■ uf 4mm 6tM«to 4« Pkll•- Mfkli, «•MklekU, BthMtnvkf«, Tfc•#- (•fl•, OrlMtolU, Bx«c«m, Bwliaik, Lltartfk 1. PUagtflk. Herausgegeben ▼OB Rabbiner Dr. Moritz Kshmer. tflLeiyde&wuj, 30. £lu9440t 1888. ■Ickir der •UMkllflfM LttUr.tar.wWek• U MHtm ngMtaSt wir•«, bta I» •l«Mta •Iktta Sifilai• ■awrwkui M BtHWu! TM ■W«l BWtaaiM•• Kxwtlar« «rfklft •taaull«• km« Dntb.lwrtln. Das ״J ■41 •ehe Lltteratar-Blatt" erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhandlanaen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang[8 ■ark. Abonnenten der ^Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljihrüoh bei allen Poetanstalten nnd Bnohhandlnngen 1 lup kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit itt Pf. ittr die gespaltene Petitseile, Beilagen faait ■0 Mark, berechnet nnd sind an die Expedition dieses Blattes su senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Bobert Friese Inserate einsenden, erhalten 26 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Secte der Chabad (חב״ד). — Unsere Orthodoxie im Lichte wisiensohaftlioher Beligionsbetrachtnng. Von einem freis. Theologen[ XI. (Schloss.) — Znr Chronologie. Von L Cohen in Rees a. Rh. Litteratnrbericht: Recensionen: Lazzatto, Samaelis Davidis, Tergestini Bibliotheca, (בית האוצר), in (na Hebraica ejas Synonymia continentar ' Unbefugter Nachdruck aut diesem Blatte ist nic!ht gestattet. Die Secte der Chabad (ד|ב״ד)♦ Von der Lesart des Sohneor Salman'Li&di (1751 bis 1S13\ der in der Sch’mone Esre חכמי■ בינה ודעת statt רעה בינה והשכל setzte, leitet die Clhabad-Seote ihren Nameu her. Dieses Anagramm ist aber auch ihr Programm. Man weiss zwar nicht, | ob Salomo Liadi diese Leseart nnr desshalb einfübrue, um seine Anhänger danaoh zu benennen; hat er es ^ber gethun, so verdient er unsere Achtung. Entgegen jener Strömang, die fromm sein aber nioht lernen wollte, nnd das ״Schedin jehadain“ wieder zu Ehren brachte, suchte er, seine Sohäler zum Studium \ anzueifern. Wo der nBaw* verehrt wird, ist man noch immer fleissig, und in vielen Gegenden des lernen ■en Ostens ist ״Lutwak“ gleiohbedentend mit dem! deutschen ״gelehrten Haus.“ Manohtcal allerdings ist darunter noch etwas anderes zu verstehen.*) Die Anhänger des Liadier nnd seiner!Nachfolger sind keine Chassidim, Meinungen nnd Ziele dieser Secten sind verschieden, die Steilung des ,[Raw“, des Lehrers, ist so ganz anders als diejenige de^ ״Zaddik“, des frommen Wundermannes, dass eine Verachmelznng nnmöglioh ist. Was die Nachfolger des ״ Besaht “ verherrliohen, gehört nioht zu den Idealen des Lithaaer, nnd man muss sich wandern, dass sie bis jetzjb stets zasammengeworfen werden. Hat das Aenfsere auoh eine gewisse Aehnliohkeit, so muss man doch nioht vergessen, dass sie nioht gleich sind, ja sogar, dass die eine Partei — die Chabad — eine höhere 8tellang einnehmen mass. Wnnder, anverständl ohe Tisohreden, unsinnige Begeisterung, Zukunft verkünden eto. sind für die Chabad nioht vorhanden. ' Der Raw ourirt nicht, ״er macht nioht“, um ein altes, nioht sehr geistreiohee Wort za gebrawihen, ״ Lahmen wieder sehend and die Blindi m wieder gehend.“ Man hat nioht mit bewussten Schwindlern nnd rasend-irren Anhängern za .thnn, 60 idem mit allerdings die *) Graetz, Gezohichte der Jaden, Band XL (leite 124. einer Seote, die ihr Oberhaupt nur ■einer .Klugheit nnd seiner Gelehrsamkeit wegen verehrt. Dass aber aaoh unter diesen dann nnd wann mehr begeisterte als gelehrte Verehrer Vorkommen, soll nioht geläagnet werden. Allein wir fragen: Wie steht’s mit dem Raw? Nioht Silber and nioht Gold, nioht elegante Wagen and luxuriöse Weiber repräsentäten den Reiohthum des Baw, nein, das ist schon desshalb nioht möglioh, weil er nicht ״Pidjonim“, (Lösegelder) beanspracht and keine Hundert-Rubel-Scheine bekommt. Sein Reiohtham ist die Thora, seine Pracht das riesige Gedäohtniss nnd sein Stolz das entwickelte Gehirn — eine grosse Bibliothek besitzt er in den meisten Fällen nioht. Das sind kurze Zöge, die aber genügen, das Wesen des Raw za kennzeichnen. Er ist kein Zaddik and folglich aaoh kein Despot, der geiehrte Kleinstädter wird von ihm geachtet nnd geehrt nnd wenn einer seiner Verehrer ihm einen ״Chiddasoh“, eine neue Deutung dunkler Stellen mittheilt, so frent er sioh — dass es gerade einer seiner Freunde ist, der einen 80 scharfsinnigen Kopf besitzt. Und das Stadium dieser Leute ist grfindlioh, ihr Wissen ist unermesslich aud wir Leate mit moderner Bildung and akademisohen Matrikeln können ans nicht denken, wie sie so viel gelernt haben. Das ist nioht das polnisoh-galizisohe Studium mit viel Pilpal and wenig Verständnis, hier prahlt man nioht nnd I witzelt nicht, — ein eigenthiimlioher Emst begleitet die Worte dieser Menschen. Man mnsä einen solchen Lithauer gesehen und seine grässliche Spraohe verstanden haben, am darüber artheilen za können. Eine kleine Gesohiohte, die ioh vor Jahren von meinem Vater hörte, ist für den Fleiss dieser Leute ganz charakteristisch. Ein reioher Lutawak ging einmal auf Reisen, der Kutscher seines Gefährtes war ebenfalls Lithaaer. Eines Morgens — es war im Winter — befand sich der Katsoner am Flosse, um die Pferde za tränken. Da plötzlich brach das Eis and Kätscher sammt Pferden sanken in die Tiefe. Als der reiohe Mann es erfahr, begann er bitterlich na weinen. ״Nioht der Verlnst der Pferde“, jammerte er, ״sondern mein todter Kutscher th'ut mir weh.“ Und als man ihn trösten wollte and sagte, dass ein anderer Diener doch leioht zu finden wäre, da antwortete er: ״Einen solahen finde ioh nie wieder. Wisst ihr denn, was er war? Talmud babü and jernschalmi, Sifra, Sifri and Tosefta, alles, konnte er answendig!* Der Herr, der diesen Werth einsehen konnte, war nioht weniger gelehrt, als sein Diener. Vielleicht ist die Gelehrsamkeit der Lithaaer aal ihre eigene Lehrweise znrfloksnfthren — sie Ismen mit Lust, forschen mit Aufopferung und dental »v 1 afeaaOMÜteiÜiiAäÜili

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