Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 34. (23.8.1888)
- Date
- 1888-08-23
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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■M 84. Jüdisches Jahrg.XVIL Littemtur-Blatt. Zar Beleiehtu! Aller lidnth•■ •id J1d<1 ketreffeid« lltt«r Arische■ Er- 1ekd111|«1 iif dem Gebiete der Philo- •ophle, Geschichte, EtkiOfrAphle! Theolofie ן OrieatAlie, Exegese, Homiletik. Litargik a. Pldsgoglh. Heraasgegeben ▼on , Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. STta<j9e6wx^, 23. 1888. Bicher Iw 1lHchli|1n■ LIt*M־ht»r,w«lei• Itr IMulin niwult nrl«, 111•• 1■ 41«•«■ Blatt« •Iar«h«a4• iMtiMkui Bel rl.tead■■« n> ■w.l BceMii•«■■ Ksraplam erfclgt «■■lll«• kara« Sratla-IaKrtiaa. Das ״JBdlsche Llttermtur-Blatt« ers Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrg allen Postanstalten and Bachbandlangen 8 85 PL für die gespaltene Petitzeile, Beilage: 1 am* Buchhändler u. Lehrer, welche d :heint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhandlungen (in 8 Mark. 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Man hatte einfach vergessen, dass die Schrift- ' erklärung dem Zwecke der Erbauung zt. dienen habe und, ganz befangen von der dialektischen Methode, welche das geschichtlich Auseinanderliegende gewalt- | sam zu vereinigen sucht, leisteten diese[ Prediger ihr möglichstes, um der Schrift Gedanken za unterschieben, welche ihr unmöglich zugjrande liegen ן konnten. Soweit ich die Litteratnr der Derasoha ן durchforscht habe, ist Jehuda Rosanes im 17. Jahr-! hundert ein besonders classisoher Vertreter jener j Richtung, welche die pilpulistische Methode der talmndischen Forschung auf die Erbauingsrede anwandte. Da kann man lesen, — ich bitte das wärtlieh zu nehmen — dass Gott und die Engel darüber in Streit waren, in welchen Falle man sich für 'die Religion za opfern habe, wobei die Enge! der Ansioht des Maimonides beipfliohteten, dass es ein Selbstmord sei, wenn man sioh, nm den Zwang znr Uebertretung eines Gebotes ausser Blatsohande, Götzendienst and Mord zu entgehen, tödten la*8e, während Gott, nm Abraham za retten, weloher jvon Nimrod zum Feuertode verurtheilt war, sieh der! Ansicht des R. Josef Chabib im Nimake Jossef ansohloss, weloher meint, dass das freiwillige in den Toijl gehen für Gottes Wort jeder Zeit gestattet sei. Man wird sioh freilich sagen, so ein Mann wollte selbst nicht, dass seine Ausführungen ernsthaft genommen Werden, dooh meine ich, dass jemand, der so viel Soharfsinn zar Lösung einer frage aufwendet, unmöglicher Weise seine Arbeit für eine unnütze halten könne. Wenn wir dann ferner nooh sehen, dass Rosanes in seinen Schrifterklärangen sich mit David Kimohi, dem klarsten und besonnensten 80hrifterklä1jer, welchen das Jadenthum besitzt, aaseinander seist, so kann ' man dooh unmöglich glauben, dass er Beinen Erklä- : rangen nicht denselben Charakter zneirkannte, wie j jenen. Uebrigens ist Rosanes nioht der einzige seiner Art, welcher den Niedergang des religiösen Fuhlens : durch dialektisches Witzeln, — eine Krankheit, woran nooh heute unsere Predigt vielfach leidet, — mit verschuldet hat. Nehmen wir als besonders olassisches Beimaster Ephraim Lenoycz, den Verfasser der gelesensten Erbaaungsbacher, and betrachten wir das leligiöse Denken dieses Mannes nar in einem Beispiel. Wäh-! rend Lenoycz Rabbiner in Prag war, war daselbst die Pest ausgebroohen. Der grösste Theil der jüd. Gemeinde mit dem Rabbiner an der Spitze, waren in ein Dorf anweit von Prag ausgewandert, nm der Gefahr der Ansteckung zu entgehen. Da fragt ein Mann den Rabbiner, ob es denn recht sei, bei einer Senohe za fliehen, da man doch überall sieh in Gotteshand befinde. Was antwortet nun Ephraim Lenoyoz? Sacht er eine Vermittlung zwischen wissenschaftlichen and religiösen Thatsaohen? Sacht er einen theologischen Standpunkt, am die Einwirkung Gottes auf die Geschioke einzelner Menschen za verstehen? Nein! Die dogmatische Frage wird mit einem Witz beantwortet. In der Thora (V. Mos. 28.21) heisst es: ״Gott wird die Seache dir an den Fersen heften, bis du verschwanden bist von dem Boden, den da gekommen bist zu besitzen“. Daher sehen wir, dass die Senohe ein Werkzeag Gottes ist, nm die Mensohen ans ihrer Heimath zu verbannen, denn die Seuche ist naoh ’ dem Talmad (Abot 5. 8,9) die Strafe für Vernaohlässigang der Zehnten and des Sabbathjahres. Anderseits steht geschrieben (III. Mos. 26.33): ״ Euch werde ioh zerstreuen unter den Völkern, euer Land wird wüste sein, and dann wird es feiern seine Sabbathjahre, während ihr im Feindeslande seid, weil ihr sie nioht gefeiert habt, so lange ihr darauf wohntet“ Also die Menschen wollten nicht freiwilligden Sabbath feiern, darum jagte sie Gott aas ihrer Heimath fort, indem er eine Senohe über sie sendete, wo sie, vor der Gefahr der Ansteckung flüchtend, sieh freiwillig verbannen. (Elinleitang an שש TD5.) Wer aber wissen will, wie bereits vor mehr als zweihundert Jahren einzelne erlenohtete Männer über die unnatürlichen Exegesen dachten, der lese die beherzigenswerthen Worte Jalr Ohaim ßaoharaohs (Resp. No. 152.) über die Aeasserang eines kabbalistischen Schriftstellers זקיקין תור, dass mit den Worten .deiner Hände Arbeit wenn da geniessest, H«m heil dir and wohl dir• (Ps. 128.2) derjenige gemeint sei, der beim. Talmadstadiam mit den Händen in der Loft herumfechte. — Wir haben bisher die Fehler der alten Zeit •oho-