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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-08-09 · N° 32. (9.8.1888) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 32. (9.8.1888)
Date
1888-08-09
Page
Seite 126 (sequence 5)
Language
German
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— 126 b«i aller Friedensliebe, bei aller berechtigten Bäck• sicht gegen die Konservativen, der ‘ Aufklärung and dem freien Gedanken nichts vergab. Ein dunkler Faden rieht sich fast durch das ganse Gewebe, eine trübe Empfindung giebt den meisten Beden dieses Bandes eine dunkle Färbung, das ist der Gram um die Judenfeindsohatt, die neuerdings seit einem Jahrsehnt in Deutschland ihr Drachen• haupt erhoben hat Dr. Vogels teinhat jüngst in seiner Gedäohtnissrede auf Kaiser Friedrich gesagt, dass bei ihm, dem Dr V, die Sorge um den Judenhass und die Freude Aber den Sieg des jüdisohen Rechtes ״nioht in 8elbstsfiohtiger Regung um unserer Selbstwillen, 80n• dem um der fortschreitenden Entwicklung unseres theuren Vaterlandes“ entstehen. Zu solch hohem Grade von Selbstlosigkeit kann sich nicht Jeder aufschwingen, dass nur der Gedanke an das deutsche Vaterland ihn erregt, wenn er die deutschen Juden sei es verfolgt oder gläcklioh sieht. Auch der sei. Frankl ist wohl in erster Reihe trüb gestimmt worden durch die Sorge, welche seine deutschen Glaubensgenossen direkt bedrohte; aber allerdings war es auch der Bäckfall in die Barbarei, der im Judenhass, im Racenha8s sich äusserte, war es das Verblassen messianischer Ideale, das Hinabsteigen des deutschen Volkes von den Höhen der Civilisation, das ihn mit bangen Ahnungen erfüllte; er war nicht ein Jude in einem «■ngen und beschränkten Sinne, sondern als Jude ein Freund der Menschenverbrüderang, des geistigen Fort- Schrittes, und auch darum beklagt er Leid und Unbill, die über uns verhängt worden sind. So sind diese Reden, obgleich sie vor Allem den allgemeinen Gehalt des Judenthums zam Ausdruok bringen, auch ein Zeitbild; sie geben Zeagniss ’ von dem seelischen Leid, daswir im letzten Jahrzehnt empfnnden haben; — diesem Leid ist der Entschlafene nun zum ewigen Frieden entrückt. Durch sein Buch predigt er über den Tod hinaus die Ideale, die dem Lebenden die theuersten gewesen sind, Frieden und Versöhnung und echte Menschlichkeit. Recensionen. Wünsche, Aug., Dr. theol. et pbil. Der Baby- Ionische Talmud in seinen haggadischen Bestandtheilän wortgetreu übersetzt and durch Noten erläutert. Zweiter Halbband, zweite Abtheilung. (Schluss.) No. 89 (B. K. 113a) מי שרי heisst nicht: wer erlaubt? das (S. 45 Z. 12), sondern: ist das erlaubt? Kurz vorher ist ja erwähnt, dass es B. Sim’on im Namen R. Akiba’s gestattet hat, Kil’ajim anzuziehen, dm nicht als Jude erkannt zu werden und dem Leibzoll and anderen Erpressungen zu entgehen. Gegen ihn ist eben die Frage^ gerichtet: Wie konnte R. Akiba dies gestatten! Ist es doch religiöse Pflicht, jede staatlich• Anordnung za respektieren und ihr gewissenhaft nachzukommen! Hierauf wird die Antwort jrtheilt, dass es B. Akiba gar nicht beifallt, etwas 80 Ungehenerliches zu gestatten, wo der Staat und seine Finanzbeamten Zölle und Steuern in der ihnen vorgeschriebenen Höhe erheben; sein Aasspruch bezieht sich nur auf jene Zöllner in den römischen Provinzen, die keine Taxe hatten und Steuern in willkürlicher Höhe eintrieben, oder als ,Freunde“ des Statthalters sich dieses Amt anmassten und sich jede nur denkbare Ungerechtigkeit erlaubten, also auf jene- ,Räuberbande, die das Plündern der Provinzialen berufs- und handwerksmässig betrieb.“ (Mommsen, röm. Geschichte HI 3, 526 ff.) Das zweite שרי 'S auf. derselben Seite ist richtig übersetzt. No. 90. Der Autor dieses Ausspruohes heisst B. Sim’on der Fromme, nicht Samuel. No. 92. ד7א דמניסתא übersetzt Verf. nach Baschi’8 Erklärung Dorfriohter and bemerkt in einer Note, dass das ,ein sehr schwieriger Ausdruok ist-, dessen Wortsinn nicht feststeht“ Dagegen wird dasselbe Wort S. 62 So hüsselriohter übersetzt und daselbst in einer Anmerkung erklärt. Dieser Ableitnng des Wortes würde ich Arach’s passendere Uebersetzung ,gewaltthätige-Richter“ (von 01 hochmüthig) vorriehen, wenn moht das Wort auoh in den Formen מנחתא and מגושתא vorkäme. Es scheint persischen Ursprungs zu sein. No. 93. In Sehern Tob ibn Schaprut’s Pardesrimmonim und Jakob Luzzatto’s Kaftor wa-ferach wird diese aggadische Erzählung, sowie alle ahnliohen, alles Wunderbaren entkleidet. Rabbi Jooh&nan habe den Babylonier wegen dessen — wie er glaubte — ungebührlichen Benehmens in den Bann gethan (c£ Moed Katan 17 a: .שמתא ש0 מיתר), aber diesen bald wieder gelöst, da er sein Unrecht einsah. Unter der Schlange, die R. Jochanan den Einlass in die Höhle wehrte, bis er sich demütigte, sei R. Kahana’s treuer Anhang oder Jüngerschaar zu verstehen, die jenen mit ihren schwierigen Fragen in die Enge trieb, cf. B. Mez. 59 b: שהקיפו דברים כעכגא זו. No. 94 (B. K. 119 z'. Aus der Uebersetzung ist nicht za erkennen, warum R. Chisda seinen Pächter, der es ja so ,sehr genau nahm“, entlassen hat. Nach der Erklärung des R. Samuel Edels bediente sich der Pächter einer anderen Waage, wenn er sioh seinen Antheil nahm, und einer anderen, wenn er den Antheil seines Gutsherrn abwog. Die Hamburger Talmudhandschrift hat jedoch hier den bemerkenswerthen Zusatz ושקל אגרא ופחתא, der sich nach dem Zeugniss des Aruch (s. v. תקר) auch im Commentar des R. Chananel befanden hat Demzufolge hatte der Ar1sr der eher ein Gutsverwalter, als Gatspächter war, sich widerrechtlich die Hälfte des Erträgnisses angeeignet, trotzdem ihm der bedungene Lohn (sein Gehalt) richtig ausbezahlt und die gehabten Verluste und Auslugen ersetzt worden waren. Wir schliessen hier unsere Bemerkungen, die nur zum Theil Ausstellungen sind, obzwar wir bisher erst die übersetzten Stücke aus dem einen Traktat B. K. unserer Betrachtung unterzogen haben. Auch an die Uebersetzung der beiden nachfolgenden Traktate liesse sich noch manche kritische Bemerkung und Erklärung knüpfen; doch wir fürchten durch zu weite Ausdehnung unserer Besprechung den Eindruck hervor zurufen, als ob die Arbeit des Herrn Verfassers eine geringwertige wäre. Und das möchten wir keinesw e g 8. Denn wenn wir auoh zweifeln, ob der Laie überall, besonders bei halachischen aus dem Zasainmenbang gerissenen und unvollständig gebrachten Excerpten, den vollen und richtigen Sinn herausfinden wird, 80 wird doch diese Uebersetzung dem angehenden. Theologen und dem Hebraisten, der auoh in dasrabbimsche Sohrifitham eingeführt werden möchte, sehr willkommen and von unschätzbarem Werth sein; und vornehmlich wollen wir jüdische Lehrer, die zu wenig Zeit oder zu geringe Sprachkenntnisse haben, um sich mit dem Talmud selbst za beschäftigen, darauf aufmerksam machen, dass ihnen in der vorliegenden Uebersetzung das beste Hülfsmittel geboten ist, sioh in leichter Weise die Kenntniss der aggadischen Bestandteile des Talmud, die Kenntniss des En-Jakob, anzueignen. Burgkunstadt Dr. J. Cohn, Distriktsrabbiner. Berichtigung. In vor. No. S. 121a Zeile 22 v. u. ist ״Lancier“ (st Laie) za lesen. Verantwortlicher Redaetear Dr. Kahm er, Magdeburg Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Boberl Frie se, Leipzig.

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