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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-08-02 · N° 31. (2.8.1888) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 31. (2.8.1888)
Date
1888-08-02
Page
Seite 122 (sequence 5)
Language
German
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ton ist di« Bemerkung, mit dar G. den Unteneilied ■wisohen dar grossen Judenverfolgung nr Zeit dea «raten Krenzzagee and 'der dritte Wb Jahrhundert später nt Zeit des sohwarzen Todes stattgehabten hervorhebt. Wir geben die Stelle wieder ua Probe für den Stil dee Güdemann’sohen Baches. ,Niemand wird das Blutbad entschuldigen, daa die Kreuzfahrer am Aasgang dee 11. Jahrhunderts in den jüdischen Gemeinden am Bhein an richteten. Gleichwohl kann man es begreiflich finden. Eis war eine Zeit höchster religiöser Spannung, am nicht za sagen Ueberspann an g, and der Fanatismus ist au Allem fähig. Es wurde noch geglaubt, and man braaohte nicht erst Hostiensohändangen und Kindermorde an er• finden and der Menge vorzuspiegeln, am diese aaf die Juden au hetaen. Die Erinnerung an den Kreuzestod Christi genügte, am die späten Enkel verantwortlich aa machen für ihre Grossväter, die ihn verschuldet haben sollten. Man berauschte sioh in frommem Thatendrang, den überdies die deutsche Heldsenage and die Bomantik des Bitterweeens befeuerte, and unter dem Zeichen des Kreuzes stürzten sioh Deutsche aaf Deutsche, die Jahrhnnderte lang in Frieden mit• einander gelebt hatten and die jetzt zum ersten Male des (d. h. feindseligen, Bef.) Unterschieds von Christen and Jaden sioh bewusst geworden waren. Aber in dem Zeitraum, von dem wir reden, wurde nicht mehr geglaubt. Der Enthusiasmus der Kreuzfahrer war verweht. Umsonst liess Papst Nikolaus V. seinen Sendboten Johannes Capistrano von Stadt za Stadt reisen and aaf den Kanzeln, mit flammender Bede die Deutschen za einem Kreuzzuge gegen die Türken auffordern. Die Deutschen hatten andere Sorgen. Falsches Geld, gefälschte Lebensmittel, gefälschte Kleiderstoffe and gefälschte Glaubenslehren brachten sie dazu, sich aa ernüchtern, die Zölle, Steuern und Auflagen bestimmten sie über das Nächstliegende, die Noth des Lebens, nachzudenken, und man ergreift nioht leicht daa ,Schwert für Gott“, wenn man nichts au beissen und zu brechen hat. Die Bomantik des Bitterwesens hatte ihren bestrickenden Zauber ver- Joren;... die Satyre kam in Aufschwung, and wo sie ihre zersetzende Wirkung übt, kann kein Fanatismus aafkommen. Sebastian Brant, Thomas Marner and Geiler v. Keisersjerg stellen ihr Vaterland als ein grosses Narrenhaus dar, and das Geklingel der Sohellenlcappen übertönt das Gesäasel frommer Mystiker and schwärmerischer Frauenzimmer. Eine 80 geartete Zeit ist nioht geeignet Glaubenshass za ersengen. Wenn man die JadenVerfolgung des 11. Jahrhunderts erklärlich finden kann, so könnte man dagegen versucht sein, die des vierzehnten and fünfsehnten einen Anachronismus aa nennen. — Man thäte übrigens Unreoht diese Verfolgungen dem Volke zur Last aa legen. Das Volk wollte Frieden mit den Jaden, welche mit ihm Sprache, Vaterland and Lebensgewohnheiten theilten. Immer wieder bemühen Kirohe and Staat sioh von Neaem, Sohranken zwischen den Christen and den Jaden aufzariohten, aber diese Bern fl hangen dienen nur dazu, die Innigkeit ihres Verkehrs sa beweisen and sind an vermögend, ihn za verhindern. Warum auch sollte der christliche Bürger seinem jüdisohen Mitbürger übel wollen. Dieser maoht dem Handwerker, dem Kaufmann, dem Beamten keine Konkurrenz and dabei ist er immer bereit, mit dem Gelde sa abenteuern, d. h. Geld darsnleihen mit höchst zweifelhafter Aussicht aaf Bezahlung. Der christliche Bürger sahlt die hohen Zinsen gern, denn bei dem adeligen and geistlichen Wucherer käme er schlechter• fort.... Die Kreise der Intelligens haben den Judenhass künstlich erzeugt und unterhalten. t Aas diesen Kreisen ertönte in jener Zeit sam ersten Mal der Baf: ,Die Jaden sind unser Unglüok*. Aber die riohtige Parole wäre gewesen: , Die Jaden sind ein Glüok für ans*. Denn ohne sie wären Beformation and Bauernkrieg am hundert Jahre früher f״ , ableitete Mau band ihm das Märohen von der BnmnenVergiftung aaf, aber das Geld, das man den Jaden abnahm, die man von Haus* and Hof verjagte, kam nioht dem Volk..‘ za Gate, sondern floss in die Tasohen derjenigen, die jenes Märchen and andere mehr erdiohtet hatten. . .. Man muss nur sehen, mit welcher heuchlerischer Betriebsamkeit alle Schäden der Zeit den Juden in die Schuhe geschoben werden. Der Zeitraum wiederhallt von Klagen über Vertheuerang der Lebensmittel durch Vorkaaf. Dagegen wird in Worms als Heilmittel die Massregel angewendet, welche — man höre! — den Jaden verbietet Miloh für ihre Säuglinge einzakaufen, bevor die Christen sich damit versorgt haben. Damit das deutsche Volk an Fischen keinen Mangel leide, dürfen die Juden in den Städten erst zu einer späten Stande am Freitage die Märkte besuchen, am sich mit dieser Speise für den Sabbat za versorgen. . . . Die Bollen waren vertauscht, niemals hat es ärgere ,Pharisäer* gegeben, als diese christlichen Volksretter jenes Zeitraums, diese ,Christenjaden “, wie sie Sebastian nennt, welche ihre eigene Verworfenheit dadurch decken, dass sie auf die Jaden schimpfen. Es war nur natürlich, dass Lather in seiner ersten Periode gegen die schändliche Behandlung der Jaden Protest erhob, denn es konnte ihm nicht entgehen, dass sie aaf derselben Lüge und Heuchelei beruhte, die er bekämpfte *. Wir sehen die alten Geschiohten, die Güdemaan erzählt, haben noch ' ein höchst aktuelles Interesse. Im Folgenden wollen wir noch einige für das innere Leben der Juden hochinteressante Thatsachen naoh Güdemanns Dar- Stellung hervorheben. Wiederholte Einladung zur Concor re nz. Der Verband Jädiscner Geistlicher iu Amerika hat vor längerer Zeit einen Preis von 2200, (Mk. 100), ausgeschrieben für die best« Schrift über Leopold Zunz und seine Bedeutung für die Litteratur, für die jüdische sowohl wie für die allgemeine. Der Termin, innerhalb welcher die concurrirenden Arbeiten einzusenden waren, ist bereits verflossen; allein in der letzten Versammlung dea Vereins, welche am 24. Mai in Washington statttand, wurde auf Antrag der Preisrichter beschlossen, denselben bis zum 1. April 1889 auszudehnen. Ich biinge diesen Beschluss zur Kenntniss der Fachgelehrten in der Hoffnung, dass derselbe die verdiente Beachtung finden werde. Die Bedingungen sind den Theilnehmem | durchaus günstig. Die Schritt kann in hebräischer, deutscher, : französischer oder englischer Sprache abgefasst werden und bleibt Eigenthum des Verfassers. Religiöses Bekenntnis•, Nationalität oder theologischer Standpunkt bleiben bei der Entscheidung ganz ausser Acht Die eingesandte Arbeit soll nür aaf ihren innern Werth geprüft werden Was von dem Verein beabsichtigt wird, ist eine gründliche Darstellung der litterarischen Bedeutung der Werke des verstorbenen Meisters, wobei keine gerechte Kritik ausgeschlossen ist, so wie deren Werth für die reifere und vollere Erkenntniss des Judenthnms and seiner geistigen Gescbiohte. Die Darstellung 8011 von der vollständigen Vertrautheit des Verfassers mit den Werken Znnz’ zeugen. In Bezug auf die Veröffentlichung der gekrönten Schrift will ich aaf Folgendes aufmerksam machen. Es hat sich jüngst eine Nationale Gesellschaft gebildet, (Jewish Pablication Society), die sich die Förderung jüdischer Litteratur zur Aufgabe gestellt hat; ihr Centralsitz ist in Philadelphia. Sie wird sicherlieh einer gediegenen Schrift über den Bahnbrecher in dem Felde, aaf dem sie arbeiten will, gern ihre Hilfe angedeihen lassen. Die ooncurrirenden Arbeitern sind, mit Motto and venäegeltem Couvert versehen, welches den Namen des Verfassers enthält, einzusenden an Dr. Gustav Gottheit, Vorsitzender. 681 Madison Ave., New York. U. S. A. ^IngilfgiSülv^ttoöä^^Eirhmt^lfagdilbäig^nävmAL'woIff'^^debmg'v^IgTÖnBÖbetrFritMjl^^g•

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