Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 31. (2.8.1888)
- Date
- 1888-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805936--1500-4856631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
J* 51. Jüdisches Jahrg.XVlL -Blatt. Zur ■tl«1ettH| «Uw JMatkui u4 IUm bitnhita llttararlaaka■ Cr• irkil■•■((• ur tarn «aklata 4er PkUo- H«U1, eaxUekt«, EtkaagTapkl«, Tkw• 1*41•, Orie■ Uli«, Exagaaa, HOMjlatU, Lltergtt e. PUertflk. Herausgegeben ran Rabbiner Dr. Moritz Rehmer. 2. GLucyuöt 1888• Maker iuf aluekUd••■ Llttarater, walcka *m Ba.Mt.ae ■»!■mt war..., Sa.« bi aleaaw Blatt« a(efakae«a Baapraak■«. naaaja.aa( rae awal ^aaepliuraa arfaift .*aallfa kerea SraUe-Uaertlaa. Caa ״JBdlaeke Litton tmr-Blktt« erscheint wöehentlioh in einem halben Bogen Preis bei allen Baohiuendlangea (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 ■ark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bet allen Postanstalten und Buchhandlungen f Muk kostet) erhalten das .Jüdische Litteratur-Blatt“ gritis. — Inserate werden mit MW. tttr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Mark! berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden pp- Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ן{ Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Unsere Orthodoxie im Lichte wissenschaftlicher Religion ■üetrachtang. Von einem freie. Theologen. VII. — Die L&n^&ie für Lagarde. Von DrJPh. Kroner-Br. Litteratnrbericht: Recensionen: Gttaemann, Dr. M., Rabbiner in ־Wien. Geschichte des ErziehungsWesens and der Kultur der Jaden in Deutschland etc. — Inserat. I Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist ni^ht gestattet. Unsere Orthodoxie im Lichte Wissenschaftlieber Religionsbetrachtung. Von einem freisinnigen Theologen. vn. Bin wesentlicher Punkt in dem Glauben der Orthodoxie ist die Annahme einer ar verfälschten Tradition d. h. der in der Mischnah niemals, nnd im Talmud nur mit bedeutenden Einschränkungen aasgesprochene Grundsatz, dass alle zabbinischen Gesetze von Mose an überliefert worden seien. Der Talmud scheint nämlich die Tradition biloss auf die allgemeinen Bestimmungen, wie die Masne des Verbotenen, die.Principien der Gesetze n. dgl. (Erubin 3 a) tu beschränken, ohne aber anzunehmen, dass die Gesetzesauslegung, ganz besonders die einender widersprechenden Meinungen Einzelner über dae Wirkung und Anwendung eines Gesetzes, Traditioii seien. In demselben Sinne sehen wir, einzelne fromme and gläubige Männer, siob ausspreohen. Salomo Luria sagt in eeiner Vorrede zu p'2 של שלמה Cr ausdrüoklioh, dass er nur das Unwidersprochene für Tradition an sehen könne, and Salomo Luria war gewiss kein Mann der Revolution auf religiösem Gebiete, wie sohon daraas hervorgeht, dass er an derselben Stelle, wo er die freimüthige Aeusserang! über Tradition thut und überdies ausdrüoklioh erklärt, dass durch das Anwachsen der Sohüler Hilleis j und Sohamai’s Missverständnisse und Entzweiung in das nach seiner Meinung feststehende Gesetz getragen wurde, Abraham ihn Esra wegen eeiner j kritischen Auflassung der mosaisohen Gesetze aufs heftigste angreift, und mit Bezug auf Maimonidee, der seinem Bohne das Stadium der ־Werke ibn Esra’s empfohlen hat, bemerkt: ״Gott möge ihm die Sünde Verzeihen." 1 ״ " .שרי ליה מאריה . Erst mit der Zeit flüchteten sich die Geister, bei Zweifeln an der Echtheit der Tradition, liinter den blinden Autoritätsglauben, so dass der leis« ite Zweifel!!..»ת, dass etwa der Prophet Samuel di!> Ziais so Seknüpft habe, wie wir es thnn, bei der grossen Lenge als Atheismus gegolten hat. Diese IT;Mangel an kritischem Verständnisse wussten die Ke laerriahtar unserer Zeit vortrefllioh auszanützen, am den schwächsten Versuch kritischer Betrachtung des rabbinisohen Lehrstoffes bei der unwissenden Menge als Gottlosigkeit zn denunoieren. Wenn wir aber auch die ganze Mischnah als von Mose überliefert gelten lassen wollten, so bliebe nooh immer für den, der überhaupt denken will, die Ueberzengung bestehen, dass der Palmud die Misohnah nicht immer richtig verstanden haben kann, ein Einwand, den Samson Hirsch!einst in seinen Choreb mit der hochnäsigen Bemerkung erledigte, dass die grossen Lehrer des Talmuds, welohe der Abfassung*- zeit der Misohnah am so viel näher etanden als wir, dieselbe auoh besser verstanden haben-müssen. Für den Autoritätsglauben mag diese Apologie genügen, wir aber, die wir sehen, dass der Talmud selbst eingesteht, einzelne in der Misohnah vorkommende Worte nicht deuten zu können (Makkoth & b, Synhedrin 70 a, Baba Kama 3 b), können aftmögliohgdie talmadisohen Erklärungen der Misohnah für anfehlbare halten. Wenn wir ferner sehen, dass der Talmad sehr oft eine Reihe von Versaohen zur Erklärang der Misohnah unternimmt, die 80 gezwungen sind, dass sie ans dem Wortlaute der Misohnah sioh nur dann ergeben, wenn man ganze Sätze als ausgefallen annimmt (80 ,(הסורי מיחסרא ist die talmudisohe Erklärung, obwohl sie für daB Gesetz als Norm gilt, dooh nur ein durchaus nioht unwiderleglicher Ver auoh, eine wirkliche oder scheinbare Schwierige keit des Textes zu erklären. Die Misohnah sagt a. B. in der Einleitung des Traotatee Nedarin: alle UmsohreibuüSän eines Gelübdes gelten als Gelübde, worauf der Talmad eine Unterscheidung zwischen ״Ra- Zeichnungen" des Wortes ,Gelübde* (כינויי נדרים) and Umschreibungen der Form dee Gelübdea (ת נדרים TD macht, und za dem Zwecke einen Satz in die Mischnah einsohiebt, den die Misohnah[hätte sagen müssen, wenn sie ihn gemeint, hätte. In einer andern Misohnah hei88t es wieder: Jeder darf schlachten, und was er gesohlaohtet hat, ist zum Genuese erlaubt, (Chuliin 2 a), worauf der Talmad eine Reihe van Deutangaverauohen unternimmt, am den scheinbaren Widerspruch zwischen der Form des Vordersatzes, wefloher jedermann daa Schlachten vorsätalioh gestattet (לכתחילה) und das Nachsatzes, welcher nur die vollzogenen Thataaohen St heisst, (בדיעבד), an erklären. Geben wir zu, dass ir thataäohlioh ein Widersprach vorliegt, so ist nooh immer die Frage, warum wir ans an den fünf Deatangsvers aohen in Talmad Genüge sein lassen müssen nnd nicht auoh einen sechsten oder ——*— aufstellen dürften, da der Talmad selbst nioht sagtdass diese fünf Erklärungsversuche alle M&glioh üstV Avanti.״ ־Min!ui