Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 27. (4.7.1888)
- Date
- 1888-07-04
- Page
- Seite 106 (sequence 5)
- Language
- German
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106 Nebensatz schliesst schon mit לבתיהם u»d reioht keinesfalls, wie Verf. übersetzt, hie הרך עליה. Die Stelle lautet also: Obgleioh sie Wälder nahe bei ihren Häusern hatten (d. h. obgleioh eigentlich nichts Sändhafte8 dabei war, dass sie dort ihr Vieh weiden liessen, da Waldbeeitser es nicht übel nehmen, ja nach einer uralten Anordnung (תקנת יהושע) nicht übel nehmen dürfen, wenn man in ihren Wäldern das Vieh weidet), so war doch ein kleines Feld dazwischen, über welches der Weg zum Walde führte; es war also unvermeidlich, dass die Tliiere auf dem Wege rar Waldwiese fremdes Eigenthum abweideten. Deswegen trat die Strafe ein. No. 47 (foL 80 b). Der dritte der hier tradirten Sätse lautet: ״Wenn Jemand (80. von einem Nichtisraeliten) ein Hans in Palästina kauft, so sohreibt man darüber einen Kaufoontraotsel bat am Sabbath. כוחבין עליו heisst nicht: er schreibt ihm. Natürlich ist es Sache des Verkäufers, den Contract anzufertigen und zu übeigeben. Kleinigkeiten sind in der Arbeit des Verf. häufig zu rügen, doch diese übergehen wir, weil bei ihnen vielleicht der Druckfehlerteufel seine Hand im Spiele hat. Auch der Stil lässt manches za wünschen übrig. So sagt Verf. S. 22: das Lamm, was in der Arbeit, nicht gestört worden ist; S. 24: Es ist gestattet, eine Katze ra tödten, aber es ist verboten, sie zu halten. Im Texte steht: and es ist geboten etc. Der zweite Satz bildet eher eine-Steigerung als einen Gegensatz. «Ja, es ist sogar verboten“ — dürfte die Uebersetzang j lauten. In No. 52 ad 5. muss es (statt ״am Vorabend ן vor Sabbath“) Freitag heissen und ad 6. ist ״Freitag“ : zu streichen.׳ In No. 58 ist שקילי und שקילא durch denselben Ausdruck wiederzugeben; auch ist das 1 letztere Wort kein Imperativ. In No. 65 sohliesst die I Boraitha mit dem Worte ,fordern“. Dann folgt der Ein warf; Vielleicht ist aber Tödten was Anderes; d. h. die Boraitha sagt nur, dass Selbstmord verboten j ist; ob der Autor derselben auch der Ansicht huldigt, 1 dass auch sich za verletzen verboten ist, das ergiebt sich nicht ans seinen Worten. — Das. ist die Ueber- Setzung: ״R Jochanan nannte seine Kleider seine Ehre“ (*םכברותי) nicht ganz correct; und woher weiss Verf, dass הקפר der Name des bekannten Tannai, der Schmied bedeutet? (Forts, folgt.) Ein Bubenstück, ersonnen, am eines Mannes Ehre zu vernichten. Aktenmässige Darstellung seines Prozesses gegen Hirsoh Hildesheimer, von Dr. König, Witten a. R ״Dies Kind, kein Engel ist so reil “ — müsste man von Dr. König sagen, wenn seine ״aktenmässige Darstellung“ den Eindruck auf den Leser machte, den er davon erwartet. Aber man liest auch zwischen den Zeilen, und man liest auch, ״was der Meister weise verschweigt“. Dr. K. will den Beweis bringen, dass er der antisemitischen Bewegung ganz fern stehe, und zum Sohlass enthüllt er selber, er habe in Berlin am 7. April die Ehre gehabt, ״im grossen Saale von Baggenhagen“ vor eiuer grossen antisemitischen Versammlung zu sprechen. Sohon das lässt tief blioken! — Die Denunciationen gegen Juden, die ihm im Prozess-Verfahren vorgeworfen wurden, will er auf Veranlassung anderer Juden gemaoht haben. Aber warum wendet man sioh an Dr. König, der ja seines Zeichens ״Arzt“ und nioht ״vereideter Denunciator“ ist? — Auch ist er im Irrt hum, wenn er meint, dass man den schriftlichen Zeugnissen derer, mit denen er umgeht, einigen Glauben beimisst. — Grosse Zumuthung ist es, ihm zu glauben, dass er auf eine Beleidigung des ״WittenerTageblattes“, mit dem er in Fehde lebte, nur darum gesohwiegen, weil er die Artikel nioht gelesen, und zwar weil er, Dr. K., an schwerem rheumatischen Leiden darniederlag. ״Wo andere Gründe fehlen, stellt eine Krankheit oft zur rechten Zeit sioh ein“! ״Einen Vortrag über die Verlogenheit des ״Wittener Tageblattes* za halten, war er gesund genug; aber die Erwiderung za lesen, dazu fehlte die Gesundheit! — Im Sause seines Bruders, des Bürgermeister König, riohtet die Mietherin, Fr. Koch, ein ״Bordell“ ein; er, Dr. K, hat dieser das Haus als Bevollmächtigter vermiethet, und zwar 80, dass diese ״in alle Reohte and Pflichten des Haasherrn trat,“ und darum behauptet er, kann er nichts für diese Benutzung des Hauses. Na, es mag ja recht sein; aber warum vermiethet er einer solohen Frau K. das Haus? ״ Mehr einem instinktiven Gefühl der Vorsicht, als der Ueberlegung folgend, habe ioh das betreffende Haus in der Zeit, in welcher sich das B. in demselben befand, niemals betreten, obwohl ioh das Recht hatte, nachzusehen, ob es in gutem Zustände“ eto. — so schreibt Dr. K. Aber solche ״instinktive Gefühle der Vorsicht“ fallen auch nicht vom Himmel; sie habe ihre psychologische Genesis. — Eine Sängerin Laura Komalsky aas Frankfurt sohreibt ihm einen Absagebrief, weil er ein Fanatiker ist. Er vermuthet, die Dame heisse nicht Laura, habe einen Schnurrbart und heisse Isidor. In diesem Punkte muss ich dem hart verfolgten Dr. K. Recht geben: ioh vermathe dasselbe. Er ist ein Freund von guten Witzen: warum nicht auoh Isidor Sohnurrbart aus Frankfurt? Er weiss die Blätter gut zu misohen, dass es manchmal Mühe hält, etwas zu merken. Zum Vorwarf werden ihm Manipulationen 1. in der ״Allgemeinen Ortskrankenkasse“, 2. ״Handwerkerkasse“, 3. ״Krankenkasse für Handwerksgehilfen und Lehrlinge“ gemacht; er führt Atteste an von der ״Ortskrankenkasse für Fabrikarbeiter“, der ״(rühern allgem. Kranken- und Unterstützungskasse*, ״Kasse der selbstständigen Handwerker“, ״Ortskrankenkasse für Handlungsgehilfen and Lehrlinge“. Man sieht, das deckt sich nicht. ״Handlungs-Gehilfen“ sind nioht ״Handwerks-Gehilfen“ etc. Man hat da anwillkürlieh die Empfindung, wie wenn man Sand in die Augen gestreut bekäme. Kurz: bei allen Unbefangenen maoht das ״Bubenstück“ den Eindraok des qai s’excuse s’accuse 1 ״Eines Mannes Ehre“ darf noob nioht 80 zerzaust sein, wenn ein Bestreben dieselbe zu vernichten, den bombastischen Namen eines ״Bubenstückes“ verdienen 8011. Wer sioh erst eingestandenermassen in die Welt durch verschiedene zweifelhafte Künste: ״Denunciationen, öffentliche Vorträge über Verlogenheit“ etc. einlässt, dessen Entrüstung über das ״Babenstüok, eines Mannes Ehre zu vernichten,“ ist keine jungfräuliche, sondern eine affectirte; ist das unschuldige Erröthen einer Madame de Pompadour, die da wusste, dass es ihr schön lässt. Es ist ein taktischer Zug, niohts weiter. — Trotzdem Dr. König moralisch keine Lorbeeren eingeheimst hat, zweifeln wir, dass dieser Prozess die 200 Mark Strafe nebst den immensen Geriohtskosten, zu denen der Beklagt?, Dr. Hirsoh Hildesheimer, verartheilt wurde, werth gewesen ist. Der ״Chillul hasohem“ ist zagross, der daroh den Staub enisteht, den solohe Prozesse auf wirbeln. Die Absicht des Dr. H. Hildesheimer bei seiner Provooation dürfte | ja wohl eine gute gewesen; aber das Resultat ist mehr als zweifelhaft gut. Ob Dr. K. ein Ehrenmann ist oder nicht, was liegt da viel daran? Er ist dadurch nur berühmt geworden. Man sollte den Herrn nie einen solchen Dienst erweisen. Goldsohmidt. Verantwortlicher Bedactear Dr. Bahmer Magdeburg. Druck von D. L. Wo lff, Magdeburg. Verlag vou Robert F ri e se, Leipzig.