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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-06-28 · N° 26. (28.6.1888) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 26. (28.6.1888)
Date
1888-06-28
Page
Seite 102 (sequence 5)
Language
German
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meisten nar^das Vieh milchen, welches rein ist, aber nicht das anreine. Sohliesslioh entscheidet er aber, dass wir von dieser Thatsaohe keine hinlänglich genügende Ueberxengang haben und daher das Gesetz bezüglich der Milch in seiner ganzen Strenge aufrecht erhalten müssen. Diese Rabbinen, Benjamin aas Canterbury and Joseph aas Lincoln, gehören aagenscheinlich derselben Schale and Geistesriohtang des oben erwähnten R. Beracbjah an. Wir können in jedem der angeführten Fälle dieselbe anbeagsame Strenge and feste Anhänglichkeit an das Gesetz wieder erblicken. Ihre Gesinnung lernen wir aas dem Responsam des B. Eliezer aas London in ״Haggaoth Mordechai“ za Sabbath, dessen schon früher Erwähnang geschah, ganz genaa kennen. Dieser behauptet , dort, dass in allen Fällen, welche aaf der Grenze 1 zwischen Erlaubtem and Unerlaubtem liegen, Niemand ■' sich daraaf verlassen dürfe, dass er denjenigen, welche ן ihn dieserhalb am Bath fragen würden, erlauben { würde, den erleichternden Weg einzaschlagen. Ferner, j wenn Jemand , eine solche That begangen, die ihm : erlaubt schien, so dürfe er nicht, wenn dagegen Ein- | wand erhoben wird, daraaf bestehen, nachträglich | deren Beohtfertigang anstreben. Der בנדי ישע erklärt 1 die Ansicht, welche B. Eliezer aas London za ver- ׳ breiten sacht, mit grosser Deatlicskeit und sagt: — ,Wenn Jemand etwas that, was strenge genommen, zulässig ist, das wir aber nicht öffentlich gut heissen dürfen, so darf er den Unwissenden nicht beweisen , woben, dass die Sache wirklich erlaubt sei, wenn 1 diese sehen, dass er sie ausübt, sondern er muss lieber ׳ ihren Spott und ihre Verachtung in Rahe über sich ergehen lassen.״ Wir sehen hieraus, dass die englischen Babbinen { des Mittelalters darin übereinkamen, mit Eifer das j Goftesgesetz vor jeder möglichen Verletzung zu hüten! und dass sie einen Geist der Wachsamkeit an den; Tag legten, welcher vorzüglich dazu beitrag, das Judenthum in diesen unruhigen Zeiten aufrecht zu erhalten. Unser Loos ist in eine friedlichere Zeit gefallen, aber dennoch sollten wir versuchen, die Kunst der Unterwürfigkeit und des anbedingten Gehorsams, welche uns als ein Vermächtniss von jenen grossen Toten, welche aaf unserer Heimathsinsel wohnten, überkommen ist, zu erlernen. Wenn wir für unser Leben das ihrige zum Muster nehmen, dann wird die Zukunft des englischen Judenthums gesichert, und es I selbst jener grossen Männer, welche unserm Lande einen würdigen Platz in der Geschichte der hebräisehen Litteratur verschafft haben, würdig sein. Bev. Naphtali L e vy. — Nach dem Jew. Stand. Kecensionen. Winter, Dr. J. Die Stellung der Sklaven bei den Jaden. Breslau, Preuss & Jünger. Die Sklaverei, die Lösung, welohe das Alterthum für die ewig alte und ewig neae, soziale Frage gefanden hatte, war nicht eine and dieselbe bei allen Völkern des Alterthums. Sie musste schon, abgesehen von allen andern Umständen, verschiedene Formen annehmen, je nachdem die Arbeit bei den Freien und Herrschend4V in Ansehen stand, oder als eine unwürdige Beschä־ ,gang betrachtet warde. Der Grieche and Börner verachtete die Arbeit; eines freien Mannes war nar Krieg and Jagd and Staatsdienst and Schwelgerei würdig. Nicht 80 die Juden: bei ihnen stand die Arbeit in höchstem Ansehen. ״Sechs Tage sollst du arbeiten — steht in demselben Dekalog, j an derselben Stelle, wo der höchste jüdische Feiertag, I Verantwortlicher Redacteur Dr. Eahmer Magdeburg. Druck vo der Sabbath, der Tag der Bähe, anbefohlen ist. Könnte bei den Römern and Griechen der Sklave dieselbe Stellung einnehmen, wie bei den Juden? Unmöglich! Von am so grösserem Interesse ist das vorliegende Buch, welches diesen Gegenstand sehr eingehend behandelt. Der Qaellen-Naohweis für den behandelten Gegenstand ist so gründlich und erschöpfend, dass man es einem jungen Theologen, — der Verf, ein Sohüler des Breslauer Seminars, war noch nicht entlassen, als er das Bach schrieb — gar nicht Zutrauen würde, so vollständig mit den durch das unermessliche Gebiet des Talmai und der Midraschim zerstreuten Quellen so vertraut zu sein. — Die Eintheilung des Gegenstandes geht natürlich von dem Unterschiede zwischen עבד עברי und עבד כנעני aus. Die Entstehung des Abhängigkeits-Verhältnisses, die Dauer und die Natur desselben zwisohen den Stammesgenossen wird ebenso, wie die Stellung des heidnischen Sklaven und zwar als Be.dtzthum, als Peison und in der Ehe mit einer Sklavin und als Mitglied der Gesellschaft, klar und gründlich behandelt. Das Buch wird jedem Fachgenosseu eine sehr angenehme und anregende Gabe sein, obgleich der Styl auch da, wo die Hochschätzung der Freiheit in Israel glorificirt wird, nicht das nüchterne wissenschaftliche Geleise verlässt. __ Le-Regel Ha-Jeladim. (לרגל הילדים) Alphabet hebreu ä l’usage des ecoles anisi que pour l’enseignement particulier compose par Dr. A. Ehrlich. Wilna 1888. Diese jüdische Fibel mag immerhin in der jüd. Fibellitteratur Russland’« eiuen Fortschritt aufweisen; unsere in Deutschland gebräuchlichen Fibeln sind weit methodischer angelegt, so hat die uns vorliegende für die Buchstaben .י\ז׳ד!,ט.ם nur 3 halbe und 5 ganze Zeilen mit Uebungen, während das ץ I'/j Seite in Anspruch nimmt. Inbetreff der Buchstaben ,דם׳ז׳ף .ץ scheint sich der Herr Herausgeber nach Dr. Bahmer’- Fibel gerichtet zu haben, ebenso in anderen Punkten. M. Sp. Litterarische Notizen. Paris. Die Buchhandlung des ״Bücherfreund“ verurteiltlicht unter dem Titel ״Dichtung und Wahrheit“ einen Band Gedichte von Ferdinand Goldschmidt, welcher einem der ersten Finanzhauser der Stadt angehört. Vertasser ha' sich jetzt der Litteratur gewidmet, und seine bedeutenderen Schriften sind in der ״Revue des deux Mondes“ und dem ״Memorial Diplomatique“ freudig begriisst worden. Eine der Piecen ist eine begeisterte jüdische Hymne an Frankreich. London. Soeben erschien von Herrn Rabbiner Leone Racah in Leghorn (Livorno) eino Geschichte, des Hauses Honenzollern unter dem Titel ״Die Hohenzollern von 1000 bis 1836. Die englisch-jüdischen Geschichtsschreiber wird es gewiss interessiren, za erfahren, dass Herr Dr. David Kaufmann die Inschritt von Abr. Carvajals Grabstein aufgefunden hat. Dr. K glaubt, dass diese bis jetzt noch ganz unbekannt war. — Die St James' Gazette“ vom 20. April veröffentlicht einen Artikel über Pseudo-Juden. Dieser handelt über die Sekten und Volksstämme, welche entweder Juden sind, oder doch für solche gehalten werden, als z. B die Daggetoun der Sahara, die Marranen in Spanien und Portugal, die Palascha’s in Abessinien, die Be ni Mzab b in Algier uud Tunis, die schwarzen Jaden in Coching und Malabar etc. Amerika. In einer ,,Square Dealing“ (einträgliches Geschält) betitelten Flugschrift (London, bei Wesley) veröffentlicht ein gewisser Ja 1 ias Woodbine Entwürfe za einer neuen Parlamentsacte, für welchen er u A vorschlägt, alle Juden aus England zu vertreiben, welche nicht eine jährliche Einkommen- Steuer von 250 L. St. bezahlen. Die Broschüre ist ein ergötzlicher Beitrag zur Einwanderungsfrage und illustrirt in lächerlicher Weise den Unsinn, welchem Arnold White und seine Freunde entgegenstreben. Den grössten Spass macht das BekenntDiss des Verfassers, dass er es mit diesem Vorschläge auch ernst meine. (Weiss Niemand für diesen Volksbeglücker einen vacanten Finanzihinisterposten?) 1D. L. W o 1 f f, Magdeburg. Verlag von Robert F r i e se, Leipzig

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