Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 25. (21.6.1888)
- Date
- 1888-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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25.J Jtidiscfies Jnhrg״ Litteratur-Blatt 21r Nw«htk1f *U«r Jileatkiai ■14 J14«■ I«treffn4«1 lltttrartacfce■ Crlehdiuiii •«f 40■ 6«kl1to der PhUe« ••phle, fl «•«kiekt•, Ctkietnpkle, Theo• I0fffev Orl«■ teile , Kzeteet» BeiMittk, UtirtU 1• PldeffOfU. Heraasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Bahmer. §titaydefmzy, 21. cfwtvi 1888. Blakar 4*r «ImMkllcif•■ Llttaratar, w«lek« te Mutioa mimll w«r4«a, 114h I* 4lw■ BlatU alaff*kw4• Bai BuhIu! tw ■«•1 taa—flaaaborUraa arlkl^t ahulln kan« SrattclaMrtm. Du ״JMlseke Litte ratar-BUtt« erscheint wöchentlieh in einem halben Bozen Preis bei allen Buch handlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang^8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Woehenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen S luk kostet) erhalten du ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit li Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilage■!mit 80 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buohh&ndler u. Lehrer, welche dirjsct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 2& Rabatt. ( uhalt: Wissenschaf tlicheAu t'sätze: WarJosephKa:•1 (Schluss). — Die neuhebräische Litteratur, Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Litte raturbericht : Recensionen: E; Biblisch-geschichtlicher Religionsunterricht zum Unterrichte in den untern Klassen Bürgerschule. o einKabbalist? VI. — Zur Rjh. ipler, Adolf S. iür isr. Kinder ler Volks- und Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist n i k h t gestattet War Joseph Karo ein Kabbälist? (Schluss.) Einzelne Vorwürfe, die der Maggid dem Earo macht, lassen diesen, wie Cassel mein), .in ״eigenthümiicbem Lichte erscheinen“. Uns scheinen die Vorwürfe nioht sehr schwer, sie sind Eingebungen eines geängstigten Gewissens, das auch die kleinste Versäumniss religiöser Uebnngen ernst iimmt Zum Schluss wird gar Cassel auf Grätz böse, dass dieser in seiner Geschichte die Konsequenzen seiner Ansicht zieht, der Maggid rühre 1 on Karo her. Cassel schreibt: ״Bis zum Ueberdruss wird fortwährend wiederholt, der Maggid wolle den Earo .damit beglüoken, dass er zur Heiligung dps göttlichen Namens verbrannt, ein tadelloses Opfe * za ״angenehmem Duft* aufsteigen werde.“ ״Grätz schliesst daraus, Joseph Earo habe Sehnsuoht darnach gehabt, ein Märtyrer za werden. Das ist einfaoh nicht wahr. Earo ist 87 Jahre alt geworden nnd hat niemals die Sehnsuoht darnach gehabt, verbrannt za. werden. Sehnsaoht nach Martyrium ist überhaupt ganz unjüdisoh eto.“ Herr Cassel behauptet hier offenbar weit mehr als er nur im Entferntesten beweisen lann. Weiss Cassel so genau, wonach Earo in den sieb! raundachtzig Jahren seines Lebens Sehnsucht empfunden hat oder nioht? ״Sehnsucht naoh Martyrium ist überhaupt ganz anjüdisoh,“ aber wie der Maggid beweist, war die Eabbala von diesem unjüdisohsn Wesen ziemlich stark inficirt. Der gelehrte Mann vergisst, nur um seine These zu beweisen, was er schon als eindaoher Schul• knabe gewusst hat. B. Akiba sagte,. als er zum Tode geführt wurde: ״all meine Tage habe ich 1 lioh gegrämt über den Vers“: ״mit deinem ganzen lieben, sogar wenn man dir dein Leben nimmt,“ wann wird es mir möglioh sein, dass ich es erfülle, und hm, da Gott es mir gewährt, sollte ioh es nioht erfülle 1?״ Brauoht Earo ״jüdischer“ zu sein als Akiba? £8 ist zuzu• geben, dass der Grandton des Jndenthams Freude! am Leben ist, aber wenn das 1 Diesseits so düster i und unfreundlich ist wie den Jaden zur Zeit Akiba’s; und Earo’s, wird die Hoffnung auf das Jenseits in j Vielen die Stimmung erzeugen, dem Diesseits wie einem Eerker zu entfliehen aud durch ein Martyrium sich das Jens.it8 zu gewinnen. Der gute Bath freilich, den Cassel noch naoh• träglich Earo giebt, um ein Märtyrer zti werden, ״aas muhamedanisohen Landen nach Ländern christlicher Herrschaft, zumal nach Spanien, za gehen“, ist nicht wohl bedaoht. Die Sehnsnoht naoh Martyrium ist noch nicht dasselbe wie ein Wagniss ohne Noth, das dem Selbstmord nahe kommt und so viel bedeutet als Gott versuchen. Natürlich ergiebt sich dem, der den Maggid nioht Earo zuschreibt, ein ganz anderes Bild von Earo, als ~ dem, der Earo für den Verfasser hält. Grätz eruirt aus dem Maggid Beziehangen Earos za Salomo Molcho. Wenn der Maggid keine Quelle ist, dann fehlt natürlioh jede Basis za dieser Behauptung. Es ist nioht ganz liebenswürdig jede einzelne Sohlassfolgerang, die Grätz für die Charakteristik Earos aus dem Maggid zieht, vorzunehmen und dabei zuweilen noch emphatisch, das ist nicht wahr, hinzaznfügen. Cassel drückt auch in nioht gerade vornehmer Weise einzelne Worte von Grätz. Grätz selbst sagt Bd. IX S. 312. ״So bestimmten hingebende Frömmigkeit und Phantasterei and aaoh ein wenig Ehrgeiz den Mann den Beligionskodex auszuarbeiten“. Man sieht daraas, dass Grätz den Ehrgeiz nioht als eine besonders wichtige Triebfeder bei Earo betrachtet; ein wohlwollender Leser, der nioht missverstehen will, wird dann eine andere Stelle bei Grätz, wo dem Earo Ehrgeiz ohne jede Milderung ungeschrieben wird, aas dieser erklären. £8 ist wirklich nioht gut anzunehmen, dass Earo in Saphet, diesem Herde der Eabbala, den Kopf völlig klar nnd frei behalten hat. Dana gehörte in diesen düstern Zeiten ein erstaunliches Mass von Willenskraft and Selbstständigkeit. Da sioh Earo anoh im Schnlohan Araoh nioht absolat ablehnend gegen kabbalistische Einflüsse verhält, so ist es nicht wahrsoheinlioh, dass er sioh der anstürmenden Eabbala für seine Person erwehrt hat. Man versteht auch nioht, falls eine Fälschnng vorliegen sollte, den Zweck der Fälschung; 80 hoch stand Earo nioht in der Ver* ehrang der Jnden, nm schon wenige Jahrzehnte naoh seinem Tode gerade ihm ein Werk nnterzasohieben. Es ist anzuenkennen, dass Earo der Eabbala auf halaohisobem Gebiete nioht viel eingeräamt hat; aber daraus darf noch nioht gefolgert werden, dass er persönlioh der Eabbala fern geblieben ist. Viele der hervorragenden Talmndisten hatten dies System der dop-