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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-06-14 · N° 24. (14.6.1888) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 24. (14.6.1888)
Date
1888-06-14
Page
Seite 94 (sequence 5)
Language
German
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— 94 — Reih« der in• and ausländischen jüdischen Litteratar. Die Hette I—III, die nns vor liegen, enthalten eine grosse Anuhl höchst be&ohtensweither Aafs&tze and Belletristischer Beiträge. Von hohem Interesse sind ״Einleitung in die Geschichte des Chassidismus“ von S. Dnbnow; ״Aus der Geschieht« der jüdischen Aokerbaukolonien in Bussland“ von M. Kulischer; ״Jüdische Typen im italienischen Bom&n“ von L. Bnsskin u. A. Klassisch schön sind die poetischen Beiträge von S. Frag, einem der grössten russ. Dichter der Jetztzeit and aach die übrigen Gedichte. Auf einem weit niedrigem Niveau steht das ״Drama“ eines Herrn Minsky: ״Die Belagerung Talczin’s“. An novellisti- Beil ragen ־bringen die genannten Hefte u. A. eine Er- Zahlung der rühmlichst bekannten E. Orzeschko, eine Novelle von einem Herrn Weinschal, die einen ausgezeichneten, eines Sacher-Masoeh würdigen, Anlauf nimmt, am zuletzt um so krasser abzufallen and die recht harmonische Erzählung in eine grelle Dissonanz ausklingen za lassen. — Bei dieser Gelegenheit gestatte man uns eine Bemerkung über die russischindische Novelle im Allgemeinen. Eine Eigenthümichkeit der jüdischen Novellisten Basslands ist ihre Neigung zum Polemisiren and Moralisiren. Es ist den Herren nicht wohl, wenn sie in ihrer Erzählung nicht mindestens einen Spitzbuben zeichnen können. Und das .ist nicht etwa Zufall, sondern es liegt Methode in diesem Beginnen: es soll hierdurch ansern Feinden eklatant gezeigt werden: ״seht, wir sind anparteiisch und ha'ten den Juden ihre Schwächen vor, seid aach ihr unparteiisch und streicht aus Erkenntlicl.keit die Tagenden der Juden jetzt recht hübsch heraus!“ Und wie antworten die also Apostrophirten? ״Seh% wie schlecht müssen die Juden sein, wenn sie von ihren eigenen Glaubensgenossen also geschildert werden!“ So war e«, so i«t es and so wird es sein. Ein bösartiger Feind lässt sich durch die Tugendhaftigkeit des Angefeindeten za allerletzt bekehren Die Schriftsteller sagen, sie seien die Aerzte, welche dem Volke seine Krankheit offenbaren: ״hier, daran kiankst Du — kurir’ Dich und — bess’re Dich!“ Sehr schön und richtig; aber das sagt man dem Patienten unter vier Augen und nicht vor aller Welt, die aas all dem Polemisiren ein Bild von einem moraliechen Verfall unter den russischen Jaden gewinnt,. der in der That nicht vorhanden ist. Für die russisch-jüdische Litteratar glauben wir aber ein am so regeres Interesse erwarten und beanspruchen za dürfen, als sie unseres Wissens bisher fast ganz unbeachtet geblieben war. A. Levin. Litterarlsche Notizen. Zu dem Artikel über R. Moses b. Isaac (No. 22) möchte ich hier auf FrensdorfiE's Vorwort zu seinei Edition von דר3י הנקוד (Hannover 1847), hinweisen. Dort wird nämlich die Vernütht ’ müthung ausgesprochen, dass unser R. Mos. mit dem Chasan R. M. ha-Nakdan zu identificiren sei. Das Bedenken, dass in einem alten Verzeichniss von jüd. Grammatikern unser Autor nach R.-Joe. Caspi aufgezählt wird, scheint er in der Anm. selbst aufgegeben zu haben. Er verweist dort auf eine Notiz 1m Litt-BI. d. Jr. 1847 No. 1, wo von einem Job. b. M. ha- Nakdan die Rede ist. — In den Responsen יהודה fPÖl wird «n הנשיא ד יצחק קאח p .,. עקביה בר מעיה בר יצחק erwähnt. Frensdorf! ist nun geneigt, beide Mos. zu identifiziren. Dennoch ist unser R. Mos. b. Isaak;ד,ידו (Znnz, L. G. 8. 118 d) identisch mit R. Mos. ha-Nakdan, dem Londoner [7(7, der, wie ich glaube, als Nachkomme des Nasi R. Isaac auch p נש־־אה genannt worden sein mag, analog dem talmudischen ב״ לדיה. Demnach dürfte auch die Schlussbemerkung des Herrn Davis hinfällig werden. Königsberg in Pr. Ed. Birnbaum. Englische Babbiaen. (Fortsetzung.) 3. Rabbenu Eliezer aus London. In den הנהות מרדבי zu שבח (Kap. 17, Ende) wird bestätigt, dass R Eliezer aus London und der gefeierte אבי הלזרי Zeitgenossen waren, welche zusammen eine talmudische Frage über ein und denselben Gegenstand erörtern Der אבי העזדי war nun bekanntlich einer der grössten Tossafisten (s. Chulin 47 b Pesachim 100 b) und wird fast in jedem Talmudtractate vom ״Mordechai“ und dem Rösch“ erwähnt Er ist der R Eliezer bar Joel H a 1 e v i, welcher bei den Tossafisten unter dem Namen ראבי״ה bekannt ist, dessen Werk jetzt gedruckt vorliegt*) (das Manuskript befindet sich im Beth Hamidrasch zn London). Dieser רא—י״ה war der Tochtersohn des ראב״ל; Letzerer lebte 4893, wie aus § 48 seines Werkes zu ersehen ist, woselbst ein Document mit dieser Jahreszahl erwähnt wird (□'שם הנדול). In dem ״Mordechai“ zu שבת antwortet dieser Rabiah dem R Eliezer aus London, dass er richtig entschieden habe Wir sehen hieraus, dass R. Eliezer aus London zwischen 4900 und 5000 gelebt hat und von den grössten Gelehrten seiner Zeit zu Ratlie gezogen wurde. Die Leser werden sich des von mir (Ende ״Mordechai“ zu Jebamoth) angeführten Falles erinnern, wo über eine Frau berichtet wird, deren Mann zwischen Lincoln und York ermordet wurde. Es wird nun darüber diskutirt, ob das Geständniss des Mörders in so weit als Zeugniss für den To i des Mannes gelten könne, dass der Frau auf Grund desselben d e Wiederverheirathang gestutet werden dürfe. Diese Frage wurde einer grossen Anzahl Gelehrter vorgelegt, von denen R. Eliezer aus London als der bedeutendste erklärte, dass dieses erlaubt sei. Die-e Entdeckung verdanke ich der Behauptung des Lehrers des ״Mordechai“ מלוטנבורנ C"“1n1ö> welcher in einem Gutachten (s. Maimonides, Hilchoth Gitiu, Kap. 13, Responsen im Anhang' sagt: ״Wir haben die Frage naca allen Seiten untersucht, und ist es unmöglich, aus der Erörterung einen Schluss für die IJrlaubniss zur Wiederverheirathung der Frau ziehen zu können etc. Möglich ist jedoch, dass wir dass Zeugniss des Heiden, welcher ׳,en Mord Vegangen, zalassen können, um auf Grand desselben die Wiederverheirathung zu gestatten, denn ich habe ein Manscript des R. Jako>> bar R Mordechai (im ,Mordechai“ selbst heisst es ״des R. Mordechai“) gesehen, welches von R Eliezer unterzeichnet i״t, und in welchem behauptet wird, dass, wenn man den Mörder einem Juden, ohne irgend ein Motiv, welches ihn za einer falschen Aussage verleiten könnte, das Geständnis* ablegen sieht, einen Mann, so und 80, aus York getödtet zu haben, sein Zeugniss angenommen werden dürfte.“ D s Responsum schliesst mit d״r Bemerkung, dass der Schreiber nicht würdig sei, als Autorität angesehen zu -werden und mö ■hte daher in dem oben angeführten Sinne entscheideu. wenn R Eliezer und die übrigen Rabbinen seine Ansicht unterstützen. — Ich glaube auch, dass anstatt הר '0 מלונדרויש (Mordechai za Moed Katan § 870) הר״א מלונדרו״ש zu lesen ist und ferner, dass, wo der ״Mordechai“ von dem Rabbiner zu London spricht (Baba Kama § 152, Gitin § 4<>6) hierunter R. Eliezer fauch einen הר״מ aus England gegeben hat. (Hagaoth Maimoni über ״Trauergebräuche“, Rosch ״Moed Katan“ 24); aber wie wir schon früher gesehen haben, war dies R Meier aus ״Norgitz“ von der Insel, welche England genannt wird. Von Rev. Naphtali Levy.**) (Nach dem Jewish Standard.) London. Die Publicationen der Englisch-jüdisch-histo־ rischen Ausstellung“ sind soeben in der Officin des ״Jew. Chron “ erschienen Dieselben enthalten: 1 Hebräische Schetaroth der englischen Juden von 1190—1290, von M D Davis, nebst englischen Summarien. Dieser Band enthält alle zugänglichen hebräischen Documente ans der Zeit vor der Austreibung, also die einzigen Materia ien, die über das Leben der jüd Gemeinden jener Zeit Auskunft geben 2 Englisch-jüdische Bibliothek od. Bibliographie der englisch-jüdischen Geschichte, von J. Jacobe n. L Wolf 3 Au sste llungs-Re den oder Conferenz-Vorträge des Herrn Prot. Dr Grätz״ Dr. H Adler, F L. Cohen, Dr Ganter, A. Lewy, Dr. Gross, J. Jakobs, Walter Ryl und L Wolt — Der Snbscriptionspreis beträgt 1 Guinea *) Das Buch ראבי״ה erschien bereits im J 1882 in Krakau von dem Rabbinatsaaseesor Herrn Ch. N. Dembitser mit einem werthvollen Commentar לדת חן. (Der Uebersetzer.) **) Im Anschluss an1 den oben citirten ״Mordechai׳‘ (Ende Sabbath» theile ich noch mit, dass an derselben Stelle sich eine Bemerkung des Verfassers des לילי ישע befindet, welche zeigt, das* Rabbenu Eliezer denselben Beweis bringt, wie R. Eliezer aus London auf der vorhergehenden Seite, wo es deutlich heisst: ועיי? בתשובת הרא־ מלינדרוש בדף קפ״ב und am Schlüsse: וראביה. ס״ל נ־׳ב כווחיה אבל לא מטעמיה דר׳יא מלמדרוש Dies beweist, dass R. Eliezer ein Zeitgenosse des Rabiah war. Verantwortlicher Bedactear Dr. Rahmer Magdeburg. Druck von D. L. W o 1 f f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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