Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 23. (7.6.1888)
- Date
- 1888-06-07
- Page
- Seite 90 (sequence 5)
- Language
- German
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- 90 — wendigen Gegenstand verschaffen za können, sondern er 8011 von Gott nehmen, d. h. er 8011 im Vertrauen aaf Gott sich das nöthige Geld borgen and darf dessen gewiss sein, dass Gott ihn für die fromme That segnen and ihm zar baldigen Bezahlung seiner Sch nid verhelfen werde: T71B לוו ללי ואד• So erklärt diese Stelle R. Nissim in seinem Commentar zum Alfäsi (Snkka Per. III) im Gegensatz za Baschi and Tossaphoth. (Vergl. auch B. Sam. Edels zur Sc) Ueber die Verwandlungen fol. 16 a wäre auf Sachs’ Beiträge I, 154 and Perles, Etym. St. S. 71 zu verweisen. Man muss übrigens nicht, wie Verf. in einer Eassnote bemerkt, ״die שדרה beugen“, überhanpt nicht den Rücken krümmen, sondern ״wie geknicktes Rohr“, die Kniee beugen and das Haupt soweit vorwärts neigen, dass die Wirbelsäule bis zum Rückgrad in Bewegung kommt nnd sich ein wenig dehnt, und wieder allmählich die frühere gerade Haitung einnehmen,' wie eine Schlange.“ (S. Arach 8. v. חיורא.) v In No. 8 (En-Jakob No. 3) ist שהשדוה zweimal ״sie bestachen ihn“ übersetzt-, anstatt: ״sie hielten ihn in Verdaeht, sie beschuldigten ihn“, wie es im Anfänge richtig heisst. Die Worte הכשילם בב״א שאינם מהוגנים übersetzt Verf.: lass sie straucheln unter Menschenkinder, die der Wohlthaten würdig sind Richtig ist die Stelle S. 137 (B. Bathra 10a) übersetzt: Lass sie straucheln durch Menschenkinder, indem sie nämlich ihre Wohlthaten denen zuweisen, diederseiben nicht würdig sind. Das Böse, das Jeremfa seinen persön-; liehen Feinden nach dem eigentlichen Wortlaute i des Verses wünscht, erscheint nach der Aggada in I einem besseren Lichte. Der Fluch ist sehr unsebulj diger Natur. Wenn man einem Trunkenbold ein; Almosen giebt, das dieser sofort vertrinkt, so verdient; zwar die That selbst keinen Lohn, da sie nicht.; wohlthätig, sondern nachtheilig wirkte; aber die; fromme Absicht ist doch wenigstens zu loben. No. 9 (E J. 4) ״Ehre erwies mau dem Chiskia“; d. h. man liess an seinem Grabe Thora lernen, und; zwar nach einer Ansicht 3 Tage, nach einer andern j Ansicht 7 oder 30 Tage.;יאמר* לך bedeutet uicht I ״Andere sagen“, sondern dass irgend ein Ausspruch oder Name noch in einer anderen Form als in der schon erwähnten überliefert worden ist. — No. 10 (E. J. 5) in משלח־.רנל השור והחמור findet ן die alte Exegese den Erfolg und die Belohnung. ״Heil euch, die ihr bei jedem Wasser säet: ihr werdet den Fuss des Rindes und den des Esels (nicht hemmen, sondern) freilassen, d. h. ihr werdet eine so reiche Ernte haben, dass ihr euer Vieh überall werdet weiden lassen. Die Aggada hält es für undenkbar, dass uns des Propheten Mund eine 80 banale Wahrheit mittheilen sollte; sie legt daher in seine Worte einen tiefem Sinn hinein ״ Heil euch, die ihr säet, d. i. Wohlthätigkeit übt ״bei jedem Wasser“ d. i. neben der eifrigen Beschäftigung mit der Gotteslehre: ihr werdet wie die Stämme Josephs uud Jakobs gesegnet werden, welche (Gen. 49,14 and Deut. 33,17) mit שור und חסיד verglichen werden. Der Text unserer Aggada ist nach Jalkat za Jes. 32,20 und den Lesarten der Handschriften bei Rabbinowicz leicht zu emendieren. No. 11 (E. J. 6) ״Wer in dem Hofe des Nächsten ohne dessen -Wissen wohnt, braucht dafür keinen Miethzins zu zahlen, weil es Jes. 24,12 heisst: ״Und bei der Oede wird zerschlagen das Thor.“ — Der Vers bildet nicht den Rechtsgrund; er ergiebt sich nur aas demselben. Durch das Unhewohntsein leidet das Gebäude; der Arme, der darin seine Wohnung aufsohlägt, schadet nicht nar nicht dem Eigenthümer desselben, sondern nützt ihm, denn er bewahrt sein Haus vor gänzlichem Verfall, welcher unbedingt eintreten würde, weil in den verlassenen Mauern אשיה ״der Dämon der Eiuöde“ haust. Dieser Dämon ist nach R. Meir Halevi (gest. 1244) der Holzwurm! Siehe '"1 zar Stelle fol. lla. Mar bar R. Aschi theilt aus eigener Erfahrung mit, dass dieser Dämon wie eiu stössiger Ochse die .stärksten Balken umstürzt. No. 13 (E. J. 7): ״um das Ackern nicht zu verhindern.“ Wörtlich: damit sie die Pflugschar nicht aufhalten. Es ist יעכבו od:r ההעכב zu lesen. No. 16 (Fol. 37 a) ״Als ihn aber niemand nehmen wollte.“ Die Haudscariften halx-u משקיל oder לא שליל statt משתקיל: er wollte ihn nicht nehmen. Die Erzählung liefert den Beweis, dass der Raufbold seinen Beinamen Bisoha ״der Böse“ mit Recht führte. No. 17 (E. J. 9) Zu der Schlussfolgerung von Midian auf Moab macht Verf die Bemerkung: ״So darf mau die Moabiter allein (?) doch gewiss schlagen“. Es muss heissen: Um so mehr wird dies Gebot gegen die Moabiter zu erfüllen srin, welche Bileam herbeiriefen, also die eigentlichen Urheber des Verderbens waren, das über Isra91 hereinbrach. Midian kam ״nur zum Beistaude Moabs“ d. h Midian spielte nur eine Nebenrolle bei der Geschichte, (s. Num. cap. 22.) Verf. hat die St-Ile missverstanden. No. 18 (E. J. 10) ״Niemals verkürzt Gott einem Geschöpfe den ihm gebührenden Lohn.“ Mit ״Geschöpfe“ ist nicht blos der Mensch gemeint, wie Verf. in Parenthese anmerkt. (Cf. Rasch! Pesachim 22 a.) Für: Du selbst sollst sie zu Frohnarbeiten nicht heranziehen“ — muss es richtig lauten: Nicht einmal za Frohnarbeiten etc. *) No. 19 (E. J. 1L) Die Worte: כל אודן שדרשת מה תהא עליהן übers. Verf.: ״Du hast alle את ausgelegt; was machst du nun mit diesem את?“ Es muss vielmehr heissen: ״Alle את, welche du bisher gedeutet hast — was soll nun aus diesen Deutungen werden? Alle deine Muhe war umsonst; da dieses את Deut. 6,13 keine Deutung zulässt, so sind auch alle deine früheren Auslegungen des את hinfällig“. Und der Rabbi erwidert: ״Sowie ich für meine bisherigen Deutungen Lohn empfing, da ich sie aus frommer Absicht gab, so werde ich nuu auch Lohn erhalten für das Aufgebeu derselben, da icu sie aus Ehrfurcht vor Gott aufgebe, an welcher ich kein Wesen theilnehmen lasse.“ Für קבלתי ist אקבל oder אני מקבל mit mehreren Handschriften 7.u lesen. No. 24 (E. J. 13) In der Uebersetzung dieser schönen Aggada ist eia kleiner, sinnentstellender Zusatz des Verf. zu rügen. ״Warum räumst du die Steine aus einem Gebiete, welches nicht dein ist, in ein Gebiet, welches dein ist“, d. i — setzt Verf. hinzu — welches dir bald gehören wird? Al« ob der Chassid ein Prophet gewesen wäre und dem Manne, der die Steine aus seinem Aoker auf die vorbeiführende Strasse warf, den baldigen Verlast desselben. verkündet hätte! Der Acker ist nicht dein Eigenthum, meint der fromme Mann, denn Niemand kann dir den Besitz desselben für ewige Zeiten verbürgen; die Strasse aber ist and bleibt dein Eigenthum, denn dein Autheil an den öffentlichen Verkehrsstrassen, an allem Commuualen ist unverlierbar und unveräasserlich. (Fortsetzang folgt.) *) Dann bedarf es in der W.’schen Uebersetzung nur einer Wortamstellang: ״Da sollst sie selbst zu Fr. nicht“ u. s -w (Red.) Verantwortlicher Bedactear Dr. Rahmer Magdeburg. Druck vonD. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert F rie8e, Leipzig.