Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 20. (17.5.1888)
- Date
- 1888-05-17
- Page
- Seite 78 (sequence 5)
- Language
- German
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der Jargon eine Variation des Deatsohen ist, hat noch kein Mensch bezweifelt, bezweifeln können. Aber ,Variationen des Deatsohen* and ״Deatsohe Mundart“ ist nioht dasselbe. "Wem wird es einfallen, die im Laufe der Zeit sich verderbende Sprache der deutschen Auswanderer in Amerika eine ״deutsohe Mundart* zu nennen? Eis ist hier nicht der Ort diesen Unterschied näher darzalegen; eine Vorlesung über das Verhältnis der Mundarten zur Schriftsprache würde auch den Lesern dieses Blattes weniger Neues bieten, als dem Verf. des hier besprochenen Schrillchens. Es ist das schlimm, dass er die deutschen Mundarten aus-den Büchern kennt. Mundarten muss man im Volke durch die viva vox kennen lernen, aus dem Buche bekommt man noch keine Idee von dem wahren Laute. — Aach hat der Verf. keine Idee davon, dass es mehr als einen jüd.- deutschen ,Jargon* giebt; er hält den, welchen er in seiner Umgebung gewohnt ist, für den einzigen. Er sollte sich wundern, wenn er nach dem Posen’schen und von dort über Berlin nach Frankfurt und Süddeutschland käme. Es giebt so viel jüd.-deatscke Jargone, 818 es deutsche Mundarten giebt, denn der ,Jargon* schmiegt sieb überall der herrschenden Mundart naturgemäss an. Es ist dies ja gar nioht anders zu erwarten. "Wo die Juden hinkamen, lernten sie die herrschende Mundart als etwas Fremdes von aussen hinein. Natürlich erhielt dann die Mundart j immer eine sozusagen jüdische Färbung durch die fremdartige Aussprache der Juden. Da die Juden abgeschlossen lebten, lernten die Kinder die Sprache der Eltern und nicht der Umgebung, und so vererbte _e8 sich. Seitdem die Schranken gefallen, sind auch die jüd. Kreise der natürliche Boden des deutschen Sprachen-Lebens. Der Jargon ist die deutsche Sprache im Munde von Einwanderern, kann also wohl alterthümliche Formen aas der Zeit der Einwanderung oft besser als bei den Eingeborenen bewahren, da bei diesen die Sprache viel schneller, weil origineller, lebt; aber za den Mundarten steht sie nicht in coordinirtem Verhältnis?. Die Mundarten sind Kinder einer Mutter, der dem Deutschen zu Grande liegenden Sprache oder Sprachen. Der ״Jargon* oder vielmehr | ״die Jargone* sind Enkel dieser Mutter, aus der Ver- 1 mählung der Kinder mit jüd. Eigentümlichkeiten. 1 Natürlich hinkt nach dieses Bild; es ist nur der Kürze willen gebraucht. — Vom Lautwandel ln der Sprache hat der Verf. die primitivsten Vorstellungen. Er kennt die Laute nur aus dem Bache, und hält dem• nach die Laute für etwas so ganz bestimmtes, dass er sich wundert, wie a in e, u in ü, b in p etc. Jlbergeht. Wie würde ihn die süddeutsche Orthographie in Staunen setzen, wo b u. p, d u. t regel-; mässig von Kindern und Ungebildeten verwechselt wird! Das a vom e im Laute unterscheiden, wird nicht nur im Englischen in dem kurz:n a schwer, sondern, ausser dem Hochdeutschen, in fast allen deutschen Mundarten. Die Buchstaben, mit denen die Mundarten geschrieben sind, können nie genau in ihrem hochdeutschen Laut genommen werden. Sie klingen immer etwas anders. So ist’s auch mit dem Jargon, den Verf. auch nicht genau giebt. ״Der Da biest“, sagt kein österr. Jargonist, sondern ,weleger Dü bist*, das ,g* hart; Vater klingt ebenso wohl ״Voter“, wie ״Vater“; etc. — Von dem Gesetze der Assimilirung in den Verbis primae ל oder ג etc. hat Verf. keine Ahnung. Das ל kann, meint er, in!״ לקדweggelassen oder hinzugefiigt* werden. Was dem Verf. alz ״direkter Beweis* gilt, zeigt folgende Stelle S. 15: ״Alz direkten Beweis*, dass d$r Fluss ^Sambation* vom griechischen ״sabbatios“ abstamme, fanden wir in einem der Büoher des Herrn Präparandie-Direktora Heinrioh Deut80h zu Budapest folgende Stelle; הנהר pTOM על p CM ־MT ובו“. Das ist doch wirklich ein direkter Beweis. Herr Präparandie-Direktor Heinrioh Deutsoh in Budapest sohreibt auf dem Titel eines seiner Bücher fHSSD; ergo stammt סמבטיח von sabbatios ab. Der Herr Präparandie- Direktor Heinrich Deutsch in Budapest ist zwar schon kein junger Herr mehr; aber aus der Zeit, in welcher die Bezeichnung סמבטיון zuerst auftrat, stammt er Gott 8. D. doch nioht. Oder sollte statt ״direkter Beweis“ zu lesen sein: ״Director-Beweis“, von wegen des ״Präparandie-Direktors“? — Bei der Dürftigkeit der wissenschaftlichen Bedeutung eines solohen Schriftchens, berührt es geradezu peinlich, wenn dasselbe aggressiv wird, wenn es den ״dummstolzen Salon“ in ganz brüsker Weise (S. 8) apostrophirt; wenn es den .,Jargon“ die andern deutschen Dialekte apostrophiren lässt: לא נפל אנוכי כ3ם״, das heisst aber nicht ״ich bin nicht minder ab ihr“; sondern ״ich werfe mich nicht nieder vor (? R)euch, ich falle nicht, ich stehe fest, ich bleibe standhaft“ (S. 9). Gott behüte uns vor der Festigkeit und Standhaftigkeit des — ״Jargon1! Zum Glück hat der ״Jargon“ ein wenig aufgeschnitten; thatsächlich wankt der Boden unter seinen Füssen; er verliert mit jeder Stunde Terrain, und selbst in Polen und Russland, wo der ״Jargon“ eine gar nicht zu verachtende wissenschaftliche und ästhetische Litteratur hat, hat er den Zenith seines Lebens überschritten. — Das innerlich und äusserlich sehr magere Schriftchen ist nur eia Abdruck aus dem ״Qngarischen Israelit“, aber nicht jeder Artikel eignet 9ich zum Sonderabdruck. Jeder Verf schadet nur sich selber, wenn er von einem unbedeutenden ״Artikel“ einen Separat-Abdruck machen lässt. Ein Artikel ist eine Plauderei, und was, ausser dem Langweiligen, ist za schlecht für eine Plauderei? Aber eine Brochüre, die sieht man mit ganz andern Augen an. Einen Artikel liest man ohne Kritik; an einer Brochüre bemerkt man jeden Fehler. Namentlich aber sollte, wer über Sprache schreibt, die Sprache, in der er schreibt, gut handhaben. Selbst das so schöne Motto von Eötvös aber ist im vorliegenden Schriftchen, 80wohl bezüglich der deutschen Satzlehre, als auch des eigentlichen Gedankens falsch übersetzt. ״Inder Wissenschaft treffen die Menschen zusammen“ sagt Eötvös (talälkoznunk keil); Verf. lässt die Wissenschaft ״sich Zusammentreffen“. — Das Schriftchen verdiente nicht diese eingehende Besprechung. Diese hat zum bewussten Zweck, die Herrn Artikel- Schreiber es sich erst zweimal überlegen lehren, wenn sie einen Separat-Abdruck zu veranstalten, die billige Gelegenheit nicht unbenutzt Vorbeigehen la9sen möchten. Goldsehmidt. AU vortrefflichste Hilfsmittel flr den biblischen, hebräischen and Bellglons- Unterricht empfehle die in meinem Verlage er• schienenen Schulbücher von Cassel, Dreifass, Herzberg, Japhet, Johlson, Kisch, Kroner, Levlager, Lnj, Llebtaaaa, Las׳ satto, Itaadas, Bahmer, Rothschlld, Sehwaathaler, Schwärs, Stern, Wiesen, Zorn (Bibel) etc. Conlan teste Bedingungen. An Wiederverkfialer liefere za be• sonders günstigen Conditionen. Auch s&mmtlicbe Schulbücher anderer Verfasser sind za •ehr billigen Preisen bei mir za beziehen. Frankfurt a. M. J. Kauftmann. Snlij ro 1 J. Kauffmann in 3:an(futt 0. Si■ $0nbßeime r» ®•־t ütntatrudj f. b Sdjulgebraud). Untre Ur&rrfrtyuig!eben bem einzelnen Sorte ooec Sike, (fclli» rang u. $tdparat׳ot. »ebft einem ffn$mge: bal fB4׳tigße auä ber ljü>1äi|djen Stencntar« unb grormen« lehre. [263׳ fSreii: 3« autem ®djübanb Mk. 3. SRU bcigebanD. kehr. Zejrt Mk. 4. Vcrsntwortücbsr Bodactoar Dr. Bahmer Magdnbaag. Druck vonD. L. Wo Lff, Magdeburg. Verlag von Roborl Frisse, Leipzig.