Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 16. (19.4.1888)
- Date
- 1888-04-19
- Page
- Seite 62 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— ׳62 — S. 67: Gedaljah S. d. Jakob 8t. כיום נ, :כ״ז מבת תק׳ץ♦ — Der 27. Tebeth 6550 m. d. F. :*PD war am Mittwoch. S. 67: 08er S. d. Benjamin 8t ITO כיום נ׳ כסליו תקג־נ• — Der 28. Kisiew 5553 m. d. f. בש״ה war am Donnerstag. ' (Wird fortgesetzt) Recenaionen. Loeb, Isidore. Le 8aint enfant de la Guardia Paris, A. Durlacher, 1888, 32 S. 8*. Diese für die Geschichtswissenschaft hochinteressante Schrift versetzt uns im Geiste nach Spanien in die traurigen Zeiten der Inquisition und enthält eine auf gründliche Beweise gestötste ־Widerlegung der in Bd. VII. der ״Etudios historicos“ von Pater Fita veröden dichten Prozessakten über: El santo Nino de la Guardia. (Madrid 18^7.) In den Jahren 1490 und 91 wurden nach denselben 6 neugetaufte Christen und 5 Juden angeklagt, einen Christenknaben auf martervolle Weise getödtet zu haben, nioht am sein Blut, wie der Wahn und die Bosheit za allen Zeiten die Menge glauben machten, za rituellen Zwecken zu verwenden, sondern um das dem Knaben ausgeschnittene Herz in Verbindung mit einer entweihten Hostie als Zaubermittel zur Ausrottung der Inquisitoren und sämmtlicher Christen za benutzen. Wenn auch Herr Fita die Biohtigkeit der Thatsache an sich nicht bezweifelt, da ein den Angeklagten abgezwungenes Geständniss die Wahrheit der Beschuldigung über allen Zweifel erhebe, so räumt er doch ein, dass der Aberglaube und die Furoht der Getauften die Verurtheilang der Angeklagten veranlasst haben. Die höchst beachtenswerthe Brochüre des Herrn Loeb, welche als Separatabdruok aus der ״Revue des Etudes juives“ erschien, weist hiergegen aufs Eklatanteste nach, wie nach dem' stattgehabten Gerichtsverfahren die Verhandlungen nichts weiter als ein grobes Gewebe von List, Trag aud reiner Willkür waren. In die sich widersprechenden Angaben über Zeit- und Ortsverhältnisse suchte man dadurch ־Uebereinstimmang zu bringen, dass man die Angeklagten frei und ungestört miteinander verkehren liess, ja sogar das Gaukelspiel nicht verabscheute, einen der Angeklagten sein Geständniss vor einem in einen Rabbiner verkleideten Mönch ablegen zu lassen. Wurde nua durch den Verdammungsspruch des Inquisitionstribunals der Zweck der frommen Diener der Kirche, die Güter der auf dem Markte zu Avila unschuldig Verbrannten an sich reissen zu können, erreicht, so musstd jedes hierzu angewandte Mittel schon als gerecht passiren. Dass aber andere Motive diesem Intriguenspiel nioht zu Grunde lagen, weist der gelehrte Vemsser bis in die kleinsten Details überzeugend nach und resumirt derselbe das Resultat seiner eingehenden Untersuchungen in folgenden Sätzen: 1. Die Angaben der Zeugen, durch die Folter oder durch Androhung derselben erpresst, sind voller. Widemprüohe, Unwahrscheinlichkeiten und sohliessen jede Möglichkeit des Thatbeetandes aas. 2. Die Richter haben weder eine Untersuchung, noch eine Feststellung der Thatsaohen vorgenommen, um die Wahrheit zu entdecken; sie haben keine ihrer Pfliohten erfüllt. 3. Sie haben das Datum des Verbrechens nicht bestimmen können, haben weder das Verschwinden da— Kindes bewiesen, nooh den Leichnam oder sonstige Ueberreste irgend eines christlichen Kindes entdecken können. Mithin r Der Kindesmord von La Guardia hat nie stattgefunden. Zum bessern Verständnis der Sohrift und zur Orientirang über die Ortsverhältnisse ist dieselbe nooh daroh 2 in den Text gedruckten Kärtchen illustrirt und dürfte die tiefempfundene Darstellung des unglückseligen Ereignisses gewiss nicht verfehlen, einen ebenso tiefen Eindrack auf die Leser zarüokzulassen. Ein chronologischer lrrthnm that der interessanten Schrift keinen Eintrag. Nach S. 26, Note 1 fiel das jüdische Pessachfest 1488 auf den 29. März; riohtig ist der 27. März. L. Cohen. Megillath Pure Hakkelaim (Fürhäng-Parim) herausgegeben von Dr. A. Kisoh. (Separatabdruck aus der Jubel80hrift zum siebzigsten Geburtstage des Prof. Dr. H. Grätz). — Breslau 1887. S. Sohottländer. Kein Gebiet der unübersehbaren jüdisohen Litteratur ist in den verflossenen Jahrhunderten so wenig oultivirt worden, wie die Geschichtswissenschaft. Es herrschte ein solcher Mangel an historischem Sinne, dass selbst berühmte Schriftsteller, die unsterbliche und bändereiohe Werke hinterlassen haben, der wichtigsten Ereignisse ihrar Zeit oft mit keinem Worte, manchmal nur beiläufig Erwähnung thun. Es ist daher, auch der kleinste Beitrag zur Ausfüllung gesohichtlicher Lücken, zur Aufhellung dunkler Zeitläafte sehr willkommen. Die vorliegenden Blätter erzählen eine kleine Episode aas der Geschiohte der Prager Israelitengemeinde. Aus dem Schlosse des Fürsten Liechtenstein wurden während dessen Ab- Wesenheit im Winter 1622/23 damastene Vorhänge gestohlen. Wiewohl dieselben iu Folge öffentlicher Bekanntmachung in allen Synagogen der Stadt sofort herbeigeschaflt and dem Vertreter des Fürsten, dem Grafen Rudolf Waldstein, übergeben wurden, liess dieser den Vorsteher und den ״Beglaubigten“ der Gemeinde in den Kerker werfen und schenkte ihnen erst die Freiheit, als der Unglückliche, der die Vorhänge von zwei Soldaten ahnungslos gekauft hatte,, eingeliefert worden war. Diesem, der zum Galgen verurtheilt wurde, rettete die Gemeinde das Leben durch ein Lösegeld von 10,000 fl. Der Tag der Rettaug (22. Tebeth) wurde von nun an alljährlich als ״Fürhäng-Parim11 von den Familien der Geretteten gefeiert. Die Erzählung ist fliessend 'und ziemlich correkt geschrieben, correkter als das kurze Vorwort des- Herausgebers. _ C.-B. Litterartsche Notizen. Londsa. Dr. Mackenzie, der neue Directorder Königliehen Akademie der Musik ist mit der Ausarb itung eines Oratoriums -Moses“ beschäftigt. — In der ״Century“ für April findet sich das letzte Ge• dicht der verstorbenen Emma Lazarus. Es ist der Königin j von Rumänien gewidmet und enthält einen warmen Aufruf zu. ' Gunsten der verfolgten und ausgetriebenen rumänischen Juden. I Die Bezugnahme auf das Chnstenthum hätte besser unter- I bleiben können. | — Herr M. D. D avis iu Dalston und Herr Walter | Rye in Norfolk haben nach dem ״Norwich Argus“ ihre Forschlingen über die früheren Juden in Norwich und Umgegend begonnen. Ersterer hat verschiedene wichtige Zusätze zu seiner interessanten Notens&minlnng gemacht, welche bald veröffentlicht werden sollen. Unter anderm hat er entdeckt, dass Ban gay im 12. Jahrhundert ein bedeutender Mittelpunkt jüdischer Gelehrsamkeit gewesen ißt, von welchem aus die rabbinische Gelehrsamkeit nach allen Richtungen hin sich verbreitet hat. Das war also noch vor der Zeit der Judenaustreibung, als die mächtigen B i g o d 8 noch Herren der Burgen Bungay und Norwich waren• ok vo0i JXIa. W o 1 ft, Magdeburg.?«dag yon Robert r£ri*f<