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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-04-19 · N° 16. (19.4.1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 16. (19.4.1888)
Date
1888-04-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 jC Rabatt. Inhalt: Wi88enschaftliche Aufsätze: Die Juden n Marocco. Von V. J. Horowitz, Consalatssecretar in Tange ־. —Collectauea. Von Dr. Ph. Kroner, Rabb. in Brandenburg a. d H. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Reen a. Rh. (Forts) Litteraturbericht: Recen sionen: Loeb, Isidore. Le saint enfant de la Gnardia Paris, A. Dnrlacher. — Megillath Pnrö Hakkelaim (Filrhäng-Purim) herausgegeben ran Dr. A. Kisch. Litterarische Notizen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist njeht gestattet. Die Juden in Maroccoi Von V. J. Horowitz, Consnlatssecretärl in Tanger. Seid den ältesten Zeiten sind^in Marokko wie in ganz Nordafrika Jaden ansässig. In ddr Provinz Tafilelt sollen 8ioh jüdische Grabsteine beifinden, die unzweifelhaft beweisen, dass daselbst bereits zur Zeit' des selbstständigen jüdischen Reiches Juden anwesend waren. Die ersten Jaden überhaupt dürften wahrscheinlioh sohon mit den Phönioiem in jene Regionen gekommen sein und sich gleichzeitig zu | beiden Seiten der Säalen des Herkales angesiedelt haben. Unter der Herrsohafb der stammand spräoh^erwandten Harthager haben sich dieselben gewiss ganz wohl befunden and vermehrt und an allen Schicksalen des Landes Antheil genommen. So mancher jüdischer Krieger mag im Heere des Hannibal vor den Thoren der spätem Bezwingerin seiner eigenen Nation gestanden haben Später, als nach Zerstörung des Nationalreiches durch die Römer, diu Juden sioh nach allen Provinzen des ungeheuren Römerreiches verbreiteten, werden wohl ihrer auoh nioht־ wenige naoh Maaritanien gekommen sein. Unter der Kha-‘'׳ lifenherrsohaft des Mittelalters prosperü ten die Jaden Marokko’s ganz besonders. Endlich b«i Austreibung der Maaren nnd Jaden aas Spanien am Schlösse des 15. Jahrhunderts ging der grösste Theil der Enteren mit Letzteren zugleioh naoh Marokko. Die Jaden sind über das ganze Land bis in die Wüste hinein verbreitet Es giebt kaum einen Eössern Distrikt, der gänzlich ohne Jaden wäre. dess ist 8elbstvemändliah die Vertheilung keine gleiohmässige. Am zahlreichsten sind de in Hüsten- Städten vertreten. Die Anzahl der Juden in ganz Marokko dürfte mit einer Viertel Million eher za gering als za hoch angeschlagen sein. Reohnet man ge irime, in der Sahara befindliche halbjüdische Stamm« dazu, 80 ist deren Ansahl eine naoh weit grössere. " m iäüü In physisoher Hinsicht unterscheiden sioh die Juden merklich von den übrigen Marokkanern. Zunächst sind es die allgemeinen Merkzeichen des in allen Ländern mehr oder minder erhaltenen Stammestypas, wenn von einem solchen überhaupt die Rede sein kann, was nicht so ganz erwiesen, wie allgemein geglaubt wird. Dazu gesellt sioh der, durch die dortige sociale Stellung des Jaden, im Laufe vieler Generationen der Physiognomie desselben aufgedrückte eigene Stempel; so dass dort der Jade, auch ohne seine besondere Traoht, leicht unter den übrigen Landesbewohnern heraaszuerkennen ist. Der sohene, ängstliohe Bliok, das Unsichere, sowohl im Ausdrucke der Gesiahtscüge, als auoh in der Haltung der ganzen Gestalt, geben den sonst nicht ansohönen Zügen beim ersten Anblick etwas abstossendes, Misstrauen Erweckendes. Ein näheres Betrachten jedoch lässt den Zag des Leidens erkennen, der dem ganzen Wesen aafgeprägt ist nnd alles Uebrige erklärt. Wie könnte der unter einer so rohen barbarisohen Nation, wie die Marokkaner, die tiefste Stelle einnehmende Jude sioh besser prisentiren! Ferner giebt es unter den Juden keine Farbigen, da sie sioh mit den Mauren nioht vermischen. Sämmtliohe Juden sind mehr oder minder hellfarbig. Trotz der furchtbar gedrückten Lage im dortigen Lande sind die Juden dennoch meist kräftig und wohlgebaut, von zäher Gesundheit und Ausdauer, wenig unter Mittelgrösse, sogar mit anzutreffenden hoohgewaohsenen 'athletischen Gestalten. Zum Theil mag dies vom gesunden Klima and von der harten, aber kräftigenden Lebensweise vieler unter ihnen herstammen, da dortzulande Jaden vielfach za den ׳ niedrigsten nnd schwersten Arbeiten verwendet werden, za denen der die Rahe über Alles liebende Rechtgläubige sich nioht gern hergiebt Was die geistigen Eigenschaften der marokkanisehen Jaden an belangt, so wird bekanntlich die jüdisohe Raoe allgemein als besonders begabt betrachtet' nnd gielt dies zum Theil auoh für die marokkanischen Juden. Sie bekunden im Allgemeinen angeborene, schnelle nnd leichte Fassungsgabe, gutes Gedächtnis*, lebhafte Phantasie and sonstige damit verbundene Eigenschaften. Die Verhältnisse sind jedooh dort derart, dass ihnen nur im Kleinen nnd Klwnliohen Gelegenheit geboten ist, einige Intelligenz geltend za machen. Da es jedooh unter den frühem marokkanisohen Jaden zur Zeit der kulturtrenndliohen Khalifenherrsohaft so manche berühmte Minner gegeben hat, so dürften auoh deren Nachkommen deusea fähig sein and es bei Gelegenheit beweisen können. Vorläufig sind dieselben durch die langjährige barbarisohe Knechtung fnrnhthsr rrilürt1J?i itwtl■./ *ul.

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