Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 14. (5.4.1888)
- Date
- 1888-04-05
- Page
- Seite 54 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805914--1418-4856562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
aasaerordentliohen äussern Erfolgen. Uns interessirt hier nur der Gesang, der anoh die Jaden heransieht; des ist ein Theil des achten Gesanges (204—224), der sich mit den Jaden beschäftigt. Der Gesang fahrt den Titel: Im neaen Israel. Mit dem Grundgedanken k&nnen wir gans sufrieden sein. Die Jaden werden von ihren Feinden veijagt, wandern naoh Jerasalem aas, fahlen sich dort, weil sie nar unter sich leb9n, nicht behaglich, aber such der Oooident kann sie niobt entbehren, ihm fehlt der Sauerteig, die Jaden werden snrackgernfen anter der Bedingung, dass Europa ihnen seine Schulden ־ nicht sa besahlen braucht, and sie ▼erlassen mitFreaden Palästina. Wenn wir dies Phantasiebild seines lieblosen Beiwerkes entkleiden, 80 meldet es im Grande, dass wir Jaden gern in den Ländern leben, die ans angenommen haben, dass unsere jüdische Sehnsaoht nioht dahin geht, in ״Jeraischolajim“ ein Duodes-Königreich aafxariohten and dass wir der Bevölkerung, anter der wir leben, nicht schädlich, nicht überflüssig, sondern nätalich, ja, wie Hamerling meint, anentbehrlich sind. Aber Hamerling lebt in Gras, der hohen Schale des österreichisch en Antisemitismus, Hamerling sieht bei litterari8chen Kollegen jüdischer Abstammung eine Gansr des Glückes, die ihm, der ein vornehmet es Genre au pflegen meint, versagt blieb, and 80 kann er 8ioh denn nicht enthalten allerhan 1 Lieblosigkeiten einzufleohten und den Glanz seiner Bede in den Dienst der Antisemiten za stellen. Diese Herren werden nicht ohne Nutzen die Verse des Dichters lesen, der sich dessen rühmt, ganz modern za sein and politische and religiöse Vorartheile früherer Zeiten überwanden zu haben. Freilich wandelt Hamerling nicht ganz in den Bahnen des Antisemitismus. So leitet er das Kapitel mit folgendem Verse ein: Za derselben Zeit geschah es, Dass den Christen wieder einmal Nicht gefiel der Juden Nase Die gekrümmte Jadennasa Und man hörte plötzlich wieder Von verschwundenen Christenkindem, Die geschlachtet ohne Zweifel Waren von Israeliten. Je entschiedener die Christen Aufgeklärt sich selbst vermaassen, Nicht mehr Christen sein za wollen, Desto dringender verlangten Sie von Jaden, es zu werden. Aber schon die nächstfolgenden Verse sind kalt, unwürdig eines Sängers, der ein ganzes Buch zar Verdammnis« der Herzlosigkeit schreibt. ,Und so sahen plötzlich wieder, Wie so oft schon die Hebräer Sich vom Nimbus interessanter Dulder, Märtyrer umflossen, Und es gab nun wieder etwas Für die nächsten Menschenalter Za erlösen, za befreien — Unterdrückten Menschenrechten Neu zum Siege zu verhelfen.“ Ziemt solche blasirte Bede dem Dichter, wenn Menschenrechte unterdrückt werden? Den Homanculas hält H. dem jüdischen Geist, der ätzend sei wie Soheidewa8ser, wahlverwandt. Homanculas tritt zam Jadenthum über and nimmt den Namen Gotthold Ephraim an. Schämt ein deutscher Dichter 8ioh nicht, mit solch läppischen Witzen einen Lessing anzutasten? Die Juden theilt er ein: erstens in Schacherjaden, dann in Wacheijaden, ״Shylooks Fleischpfand in der Wageschal *, dann kommen die Börsen;aden, hierauf die 'maaschelnden Finanzbaroae. hernach die Zeitangsjuden, die Knnstsemiten und Litteratarhebrfter etc. etc. Hamerling bat also nie etwas davon gehört, dass aach ein ernstes Streben in den mannigfsohsten Bernfszwrigen bei Jaden za finden sei. Al>er anter sich anl sich beschränkt nar War das Jadenthum ein Deckel Ohne Topf) es konnte keiner Je den Andern überlisten, Denn gleichpfiffig waren Alle. ״ Alle dreist and ohne Scrupel. Keiner borgte Gold vom Andern, Rothschild schlich verarmt als Schnorrer Abends heimlich durch die Gassen, Die gewiegtsten Recensenten Hatten nichts za reoensiren Und die beissendsten der Spötter Nichte za spotten, nichts za beissen. Hel'er gähnte, Spitzer nagte An der Feder, Herrn Fritz Maathner Fehlt es an ,berühmten Mastem“ . . . ,Andererseits begann des Westens Welt aach wiederum allmählich Ihre Jaden zu vermissen. Schien es doch nunmehr zu fehlen Allenthalben an dem rechten Sauerteig im Völkerleben Ueberhand nahm ganz entsetzlich Kunst und Poesie.“ Um sich griffen bald nicht minder Aach gewisse Hautkrankheiten, Weil die besten Spezialisten Dieses Faches jetzo fehlten.“ ,Abgesandte von des Westens Völkerschaften sind gelandet, Einzuladen die Hebräer Nach Europa heimzukehren. Gleichberechtigung wird geboten Zurück ruft man den Ausgestossenen. . . Man sieht, Hamerling ist gegen Jaden wie gegen Christen beinahe gleich — ungerecht; es ist die e88igsaare Poesie eines Poeten, der die erhoffte AnerkennuDg Dicht findet, die unedle Rache eines Autors, dessen Werke von jüdischen Kritikern vielleicht zerzaust worden sind. Auch Homunoalas wird nioht viel gelesen werden. Vielleicht interessirt es unsere Leserinnen, dass nach Hamerling das Sohönste auf Erden eine junge Jüdin ist. Liltterartsche Notizen. 1. In Paris wurde eine Biographie ,Beaumarchais“ veröflentlicbt Der berühmte Componist der Opern ,Der Barbier von Sevilla“ und ״Figaro’s Hochzeit“ war bekannt durch die Bereitwilligkeit, mit welchen er Schwachen und Schutzlosen sein Interesse entgegengebracht. Im Anhänge des Buches befindet sich der Text eines Briefes, welchen Beaumarchais 1779 im Interesse eines Jnden in Bordeaux, gegen welchen ein Verhaftabefehl ergangen war, an den Herzog von Richelieu geschrieben hat. — Herr Professor J. Da r mstett er beabsichtigt, die von ihm im ,Journal des Debats“ and der ,Revue bleue“ veröffentlichten Artikel über die Ergebnisse seiner Reise nach Indien in Buchform unter dem Titel ״Briefe über Indien“ heraaszugeben. 2. Die Lösung der räthselhaften Namensunterschrift (Litt-Bl. Nr & Notiz 2; theilt Herr Rabkin in Düneburg im ״ Hameliz“ No. -7 mit. Hiernach bezeichnet das erste חלה die Anfangsbuchstaben des vom Verfasser ,אברהם בהן מלאסל heraasgegebenen?וחשב ל1 הכה und das zweite die der drei Werke וחשב. ולבש, והעריך הכהן• Das erste חשב bezeichnet die Anfangsbuchstaben von חמישים שערי בינה and das zweite die der drei Werke פשר בתוד פשר; יהשב לו, ושב, ובא הכהן soll auf עי פגים בתודה. hinweise.1, ב״ך auf die Erklärung der 22 כ־ס) Buchstaben nach kabbalistischer Deutung; םם״י enthält die Anfangsbuchstaben von ספר משנה יצירה und ואי א die des Buches אלף אלפים. Co h en-Rees. 3. In der Beilage zu No 12/13 des Jüdischen Litteratar- Blattes ersucht Herr Cohen- Rees a. Rh. um Auskunft über den Inhaber des Würzburger Rabbinats i J. 1756 Mein sei. Vater. Heymann Michael, berichtet Uber denselben in seinem ]unterlassenen, im Drucke befindlichen Werke Folgendes: חר־־ר אריה ליב ב״ר ברוך כהן רפאפורט היה בשנת ת־־ק אב־׳ד בשנייטיך (Schnaitaoh) והמדינת ונתקבל בשנת תק״ג לאביר בהייצפעלד ומתת ווירצבורג (כנר־ מהסכמתו על ם׳ אשלי רברבי ד אמיד משנת חקיג) והסבים בשנת תקל־ח על ספר חידושי הלכות רשב״ץ לחתנו וק אחיו הרב מדד. שמחה בונים (והרב חיד״א מידו עברו בשליחות ע ־הה בעיר הייצפעלד ראה את פניו ושמע ממנו כמה חידושים מהנאת אביו כמ׳־ש בועד־ לחכמים היא אות ב־ סי־ כ־) והפליג בזקנד. כאשר E. Z Michael-Hambarg שמעתי: Verantwortlicher Redaetear Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D L W olfi, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig,