Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 14. (5.4.1888)
- Date
- 1888-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierte IjlUrUoh bei t Bark kostet) erkalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mR!lagen mit 80 Bark, berechnet and sinl an die Expe litioa diesee Blattes sa senden direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 1ן Rabatt. Inlinlt: WissenschaftlicheAafs&tze: TJnse wissenschaftlicher Religionsbetrach sinnigen . Theologen — Beitrag znr am biederrhein Mitgetheilt von L a Rhein Litteratnrbericht: Recensionen calus, ein modjernes Epos in zehn G1 Litterarische Notizen. Orthodoxie im Lichte tiang Von einem frei- Geschichte der Jaden Cohen, Lehrer in Rees Hamerling. Homnnesängen. Unbefugter Nsekdruek aus diesen Blstte ist sieht gestaltet Unsere Orthodoxie im Licht! lieber Religionsbetrac Von einem freisinnigen Theologen. te Wissenschaft-;litung. wohl 80, als ob Bildung beruhende der ihrer angeb- 'ieSchule der ortho- II.*) Die orthodoxen Herren thun ihre ganz auf die Basis moderner Anschauung sich in nichts von Hohen Vorbilder unterschiede und doxen Religionsgesellsohaft in Frankfurt a. M. hat sogar eine Schulfeier veranstaltet, bei der gegen die aasdrückliehe Bestimmung des Oesetzes (V.lMos. 22 5) Mädchen in Knabenkleidern auftraten, aber das ist nnr ein künstliches Vertusohen des tiefgehenden Gegensatzes, der, oh man ihh zageben will oder nicht, zwischen unserer Ansohänung and der des vorigen Jahrhnnderts brsteht. R. Mose Soferund seine Gesinnung»- genossen haben jeden Bashnr von rer Jesohibah ausgewiesen, der mir im Verdachte stand, ein deut- 8 o h e 8 Buch gelesen zu haben ai d darin haben sie eben strenge nach der talmudiscien Vorschrift gehandelt, denn die Misohnah (Synhedrin 11.1) sprioht demjenigen' das ewige Leben ab, der ספרים חיצונים d. h Bücher, die nioht in den Kanon der heiligen Schriften gehören, liest, and der Talmud (Synhedrin f. 100 b) sagt aJusdrüoklioh, dass dieses Verbot sich auoh auf Bücher von religiös-moralischem Inhalte, wie dasBuoh desJesusSiraob, erstrech e. Und nun gar erst der Sohulohan Aruch, der mifehlbtre Gesetzes-Codex der Orthodoxen^ ,der papierene Pi ipst*,' wie ihn Dr. Joel in Breslau einmal nannte R Josef Karo dekretiert, gestützt auf die Autorität des׳ R. Jonah Gerondi und R. Asoher, die ihre Entscheidung wieder auf das talmndisohe Verbot, die erläuternde Sohrift unter einem Bilde za lesen, stütz! n, (Sabbath 149 a) das Verbot: Werke der Profan-L tteratar überhaupt za lesen. loh will der besondern Wichtigkeit wegen *) Art. 1 sieh» in No. 10. *) Lieber Immanuel aas Rom and Grits., Bd. VII, 8. 307ff. soine D.chtungen vergl dieses Gesetz im Wortlante oitieren: ,Gedichte oder Erzählungen, die das Alltagsleben behandeln, desgleichen Liebesgeschichten, wie das Werk des Imannel oder Erzäb langen von Kriegen, darf man am Sabbath nioht lesen und aach an Werktagen ist es verboten nach den Worten des Psalms (1.1): ,Heil dem Manne . . ., der picht sitzt, wo Spötter sitzen und wer es thut, versündigt sich gegen das Verbot ,Ihr sollt ench nicht kehren an die Abgötter“ (III. Mos 19,4), znmal bei Liebesgeschichten liegt die Sünde schon in der Reizung der Leidenschaft, deshalb ist der Verfasser, der Ueberseteer and ganz besonders der Verleger ein Sünder und Verführer.“. (Schuleban Arach, Oraoh Chnjim 307.16) Unter solchen Umstäuden ist es kein Zweifel dass die Verfasser der Feuilleton-Tfrxn&ne im , Israelit* sowie der orth. Redacteur jenes Blattes, naoh der Ansicht des Sohulohan-Aruch in ihrer Sündhaftigkeit dem König Jerobeam gleichznstellen sind, von dem die Mischnah (Aboth. 5.18) die Worte gebraucht: ירבעם רטא והחטיא את הרבים• Dabei kann es keinen Entschuldigungsgrand abgeben, dass diese Romane, wie der ,Israelit“ in seinem Teohinnah-Deutsch von ihnen rühmt, für אמונתנו הקדושה eintreten and dass ihre Helden bei Ankauf eines eleganten Anzuges auoh darauf sehen, dass dieser ,be-Kaschruss“ gearbeitet sei, denn Romane-Sohreiben oder -Lesen ist nach der anfehlbaren ÄnsiohtR. Josef Karo’s — Götzendienst. Was sollen wjr erst von den frommen Heldinnen denken, die Olavier spielen, während doch der Soh. Arusoh jede Belustigung verbietet? (Oraoh Chajim § 560.- al. 3). Nicht minder ist das moderne, gesellschaftliche Leben nach dem Soh. Ar. sündhaft, wie besonders der Theaterbesuoh, geschweige eine dramatische Aufführung, wie sie auoh dieOrthoaoxen bei manohem Familienfeste veranstalten, and trotzdem sie so gerne ihre Theilnahme an dem modernen Leben für vollkommen vereinbar mit ihrer religiösen Anschauung halten, heisst es im Talmud ausdrücklich: Man darf nioht ins Theater, in den Circus, in die Rennbahn, za den Vorstellungen der Taschenspieler etc gehen. (Aboda vsarah f. 18b) Abraham Danziger, der Verfasser des angesehensten Ritualwerkes der Neuzeit, wendet anf die Theatorbeeucher die Worte Jesaias .3,9: ,Wehe ihnen and wehe ihrer Seele, denn sie thun Böse« an sioh selbst.“ (דדי ארם; Sabbathgesetxe 61,1.) — Und doch erzählt man sich von dein Red. eines hoeborthod. Bl-, dass er sogar ,Possen“ für’« Theater geschrieben; er •oh eint da nicht diese ganze Orthodoxie als sine ,Posse“? Wenn trotz dieser grossen Differenzen die Orthodoxen so thun, als unterschieden sie sioh in 'ihnr. Auflassung nicht von den naiv gläubigen Rabbinsa.- errfit