Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 12-13. (25.3.1888)
- Date
- 1888-03-25
- Page
- Seite 49 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage m k 12-13 des ״Jüdischen Litteratnr-Blatts”. streuen polemischer Bemerkungen zusammen, was der Vergangenheit gegenüber nioht gut am Platze ist, zu tu Beispiel wird (S. 72) davon gesprochen, dass den ackerbautreibenden Juden die Verheirathang ohne Rücksioht auf die feststehende Familienzahl gestattet wurde,. wobei der {Verfasser anmerkt: risum teneatia amici. In einem Anhänge zu diesem Buche sind die Lebensbeschreibungen einiger hervorragenden Männer, die in Prag gewirkt haben, zuBammengestellt, was gewiss zu billigen ist, sohon deswegen, weil die jäd. Geschichte innerhalb einzelner. Gemeinden uns bei dem Mangel an Quellen eine pragmatisch, zusammenhängende Darstellung nioht gestattet, und daher nur gewinnen kann, wenn einzelne hervorragende Personlichkeiten aus dem Rahmen der{ GesammtdarstelluDg sich hervorheben. Dabei kann idh die Meinung nicht unterdrücken, dass der Verfasser sich die Mühe hätte geben sollen, seine Darstellung so zu halten, dass es Laien möglich geworden wäre, sich ein klares Bild von der litterarischen Bedeutung der geschilderten Persönlichkeiten zu machen. S0T wird von Ezechiel (oder wie der Verfasser aus mir uki bekannten Gründen schreibt: Ezeciel) Landau gesagt, dass er eia entschiedener Feind jedes Obskurantismus und Fanatiseine kühne Behanpein ausgesprochener und dem Wirken mns gewesen sei. Das ist doch tung von einem Manne, der Gegner der deutschen Schule wi Wesselys sich feindlich entgegehstellte. Mir schien es viel bezeichnender für Ezechiel Landau’s Anschaaungen, wenn man hervorheben wollte, dass er einem Kohen die Heirath mit einem Mfcd hen^ das ein Kind von ihm unter dem Berzen trug, nioht gestatten wollte, weil die übereinstimmenden Aussagen Beider nach talmudisohem Rechte nicht vollkommen glaubwürdig seien. Landau hätte es also über sich gebracht, aus religiösen Gründen zu verbieten, dass ein verführtes Mädchen ihre Ehre wiedergewinne, wenn nicht die Furcht vor dem französischen Gesetze (der Fall ereignete sich in Lothringen) welches uneheliche Kinder gewaltsam zur Taufe brachte, ihm eine halbe Zustimmung abgenöthigt hätte. Kann man da sagen, dass ein soloher Mann frei von jedem Obskurantismus war (שדת נדב חלק א״הע מהדורא 3 ם,־ כ״ז ) Ferner meine ich, dass es ganz besonders charakteristisch für Landau ist, seine wissenschaftliche Riehtung hervorzuheben, wie sie sich etwa darin zeigt, dass er auf die Frage nach der einem Pijut die Antwort giebt soll man sich an einen Kenner richtigen Leseart in ״In solchen Dingen ler Bibel, un t nicht an einen Rab biner wenden (3(שדת 33 חלק אריח סי.) Ebenso wenig zufriedenstellend erscheint mir die Darstellung Isaias Horowitz’, von dessen Hauptwerk in kurzem gesagt wird, ״düse1, in Fachkreisen hochgeschätzte Werk enthält Sittenlehren und Vorschriften wird nur noch kurz em Werke gegen den über religiöse Bräuche.“ Dann hinzugefügt, dass H. sich in die! Pipul ausspneche. Ich würde hingegen grossen Werth darauf legen, dass das breitere Publikum davon unterrichtet werde, wie diesem Manne trotz seiner religösen Ueberspanntheit eine hervorragende Bedeutung dadurch zukommt, dass er eine seltene Ausnahme gerade zu seiner Zeit, das Gebiet der Moralpheologie gepflegt hat. Man lese nur, wie er f. 350 bei aer Besprechung über Koraeh die Friedensliebe hervornebt. Daneben dürfen freilich seine; kabbalistische Schrullen nicht unerwähnt bleiben, wie etwa, was er f. 138 über die Sorgfalt beim Abschneiden: und Verbrennen aer Fingernägel sagt, was er damit begrüudet, dass die Fingernägel der Rest jener Hombekleidung seien, durch welche Gott Adam bis zum Sündenfalle vor der Berührung des Bösen geschützt habe. ——- Ebenso allgemein wie über Horovitz, sind die Aessemngen über Ephraim Lencyoz, den der Verfasser einen ausgezeichneten Redner nennt. Ich würde es hingegen für nothwendig finden, gerade bei diesem Manne, der für diejenige Richtung der Sohrifhaaslegang typisch geworden ist, welche künstlich aufgeworfene Schwierigkeiten, durch ebenso gewaltsame Antworten za lösen versuchte, die schriftstellerische Eigenart daroh ein Beispiel za erörtern. Man lese nur was Ephraim Lencyoz in der Erklärung der schwierigen Frage leistet, warum Gott zu Mose sagte fll. Mos. 3, 5.) : Ziehe deinen Schuh von deinen Füssen. Noch ergötzlicher ist L.’s Leistung bei der Erklärung der Anrede Josefs an seine Brüder (I. Mos. 42 8.'): ״Ihr seid Kundschafter, die Blässe des Landes za erspähen seid ihr gekommen.“ Hier meint L.: es gibt zwei Arten von Kundschafter; solche, w lohe die Mensohen aasspähen מרגלים und solche, welche das Land ausspähen wollen פרות חארין Josef sagt: Erstens habt ihr das Land ausspähen wollen, denn ihr seid dnre > zehn verschiedene Thore eingezogen, zweitens habt ihr die Leute ausspähen wollen, denn ihr habt euch unter die Anwesenden gemischt, statt euch zusammen t.u halten, wie es Brüdern geziemt. Darauf antworteten sie: Wir sind alle* Söhne eiaes Mannes, darum haben wir unsern Einzug durch zehn verschiedene Thore gehalten, am dem bösen Auge zu entgehen; einer von unseren Brüdern ist nicht da, darum mischten wir nns unter das Volk, um ihn za suchen u s. w. Mit solchen Proben wird dem nicht fachmännisch gebildeten Leser ein Mittel gegeben, sich über die geistige Bedeutung eines Mannes, wie Ephrain Lencyoz, ein Urtheil za bilden Ich will nur noch bemerken, dass ich die Werke dieser Männer nicht za dem Zweoke durchgelesen habe, am eine Charakteristik für ihre schriftstellerisohe Art za gewinnen, so dass ich annehmen kann, es müssten sich no.h kräftigere Proben finden Imsen. Trotzdem muss ich, wie bemerkt, ein freundliches Gesammturtheil über das Bach fällen, weil es immerhin ein Mittel bleibt, weitere Kreise mit der Geschichte des Judenthams bekannt zu machen. Leider'sind viele störendeDruckfehler ohneBerichtigung geblieben, ausserdem ist in der Orthographie der Eigenuamen und in der Transscription von hebräischen Wörtern eine grosse Leichfertigkeit bemerkbar, wovon iah hiemit einigo Proben geben will. Der bekannte Chronist Cosmas von Prag heisst (S. 2 und öfter) Cosmo■׳, der böhmisohe Geschichtschreiber WenselHayek (HagÄius) von Liboozan, häufig Hojek S. 2 u. s. w. — auch einmal von Liboepon statt Liboczan, S. 3 steht statt Spthignev, Spithinow, ib: ״wenn die ganze Geschichte aaf keine andere Quellen beruht“, S. 7. Dompierre, für־ Dampierre, S. 29. Erzherzoge für Erzherzoge, S 65. Honoratiouen für Honoratioren, S. 67 aahore für anhero, S. 66. Triumpfpforte, S. 70 Kollowarth für Kolowrat. Der von Kaiser ,Josef geadelte Erfinder des Tabakmonopols muss wohl Edler von Henikstein geheissen haben, wie sein Enkel, der aas dem Jahre 1866 bekannte östefr. General, jedenfalls nicht von Königsberg (S. 73), inrooulierte Essrogim, (S. 96): R. Löwe habe sich ״ein Homunculnm“ fabrioirt(S. 82),womit aber das Register der Draokfehler und Unrichtigkeiten nioht erschöpft ist. Von falschen hebr. Transsoriptionen V