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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-03-25 · N° 12-13. (25.3.1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 12-13. (25.3.1888)
Date
1888-03-25
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Dogma gelehrt und verbreitet. Wir wissen, dass das Christenthum stets gern sich Verdienste auf Kosten des Judenthüms angeeignet und] seine Superiorität suf die vermeintliche Inferiorität des Judenthums gegründet hat. So bezeichnet man auch christliche׳ ,seit s fälschlich den ,Gott Israels ,als einen National-Gott der Judeu, der universelle Gott sei christliche ].!ehre; der Gott der Juden sei ein Gott der Rache, der christliche Gott ein Gott der Liebe; die Religion Israels sei eine National-Religion dieses Volke!, das Christenthum sei universell, bestimmt die Weltreligion, und Eigenthum aller Menschen und Völker zu werden; das Gebot allgemeiner Menschenliebe kenne das Judenthum nicht, sondern beschrän se dasselbe auf den nächsten Volks- und Glaubensgenossen, den allein es ״Bruder und; Nächst®“ nenne, während das Christenthum dieses Gebot universell auf alle Menschenbrttder ausdehne; das Christenthum sei überhaupt universell und eine Religion allgemeiner Liebe und Verbrüderung, das Juden thum eine Religion ies Völkerhasses and der Aussohliessung ln gleicher Weise vindicirt sich nun auch das Christenthum den jüdischen Unsterblichkeitsglauben, der doch nicht als philosophisch-freie Eskenntniss, sondern, mit jüdisoh-heidnischer ,Färbung und in dogmatischer Beschränkung als i Auferstehungsglaube“ ins Christenthum übergegangea ist. Kennt das Judenthum den Unsterblichkeitsglauben nicht? Sohon vor dem Christenthum, in der Zeit der hellenistischen Periode wurde der Unsterblichkeitsglaube stark ventilirt. Die Griechen überkameu ihn von den Juden, wie so •viele andere Ideen, nicht umgekehrt die Juden von den griechischen Philosophen. Dagegen wurde er von den griechischen nnd jüdischen Epicuräern, den Materialisten und Vertbeidigern der Welten- und .Sinuenlust, geleugnet. Gegen diese religionsfeiudliche Sekte hatte auch das Christenthum anzukämpfen und den Spiritualismus und Idealismus der Religion zu vertheidigen. Nicht bloss im An- Schluss au das Judeuthum, sondern auch in seinem Kampfe gegen den Epicuräismas hatte das Christenthum bei seiner Mission an das Heidenthum den Unsterblichkeitsglauben zu vertheidigen uud als eine Lehre der neuen Religion zu betonen. Unter den Juden ist diese Lehre aber 1 ange vor Jesus bekannt; wir finden sie in den apokryphischen Büchern und auch das hebräische Bchriftthnm der vorchristlichen 1 Zeit-(Kohelet) bekennt sich zu derselben nnd vertheidigt sie gegen die raaterialistischs Anzweiflung der! Epicuräer. i 1 Bei Moses suchen wir sie nur scheinbar ver-! gebens. Er hat keine Veranlassung, sie als Dogma I aufzustellen, weil er überhaupt nicht Principien und Lehren als solche aufstellt, sondern aaf Principien und Lehren gegründete Gesetze; wir müssen demnach aus den Gesetzen die Principien und Lehren abstra- ' hiren, wo sie nicht ausdrücklich daneben ausgesprochen •sind, Zu solo’nen Gesetzen für das diese seitige Loben giebt aber eben die psychische, auf das. Jenseits bezüglicne Unsterblichkeitsieht o. wenig Vev- '. i anlassaug. Dieselbe liegt nun - dem G. setz von der ״rothen Kuh“ (No. 1!)), dem Sühnnnd Reiniguungsopfer für die Verunreinigung duroh Nähe uad Bej rührnng eines Todten, zu Grunde. Das Gesetz hat; zunächst einen materiell hygienischen Zweck: D?8- י infeotion, aber auch einen geistig-religiösen : Bekun-. : dung, dass der Mensch nur durch seine göttliche I Seele lebt, und dass der leblose, gestorbene und ent- | seelte Mensch ein Klampen Erde wird, dem die Gött-! lichkeit und Reinheit der Seele fehlt. Diese An-! sohauung steht in voller Uebsreinstimmang mit der biblischen Schöpfungsgeschichte der Menschen, wonach der irdische and leblose Leib des Menschen erst durch die eingehauchte göttliche Seele belebt wird. Er stirbt demnach durch Entfernung der Seele, wodaroh der Leib zur Erde zarüokkehrt, von der er genommen worden, der Gleist, die Seele, aber za Gott, der die gegeben (Kohelet). Zum Unterschiede heisst es von der Thiersohöpfang: die Erde brachte die Thiere aaf Gottes Geheisa hervor, nicht: Gott schuf

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