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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-03-15 · N° 11. (15.3.1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 11. (15.3.1888)
Date
1888-03-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Y! 11. j Jüdisches Jahrg.X'YlL Li tteratur-Blatt. Z«r BelMchtaaffl *l(«r Jaiaathaai «ad Jade• katralTeadf•• llttaraiitekaa Kr- 1el«laa1|«1 aaf |l«a MaklaU dar Philooopfcl«, ficaehlehtj«. Kthaogra^hle, The>- loal«, Oriaatallaj, Eaanaac» ■oaillatlk. UUrvU a. PidaffOfffk. i Heraasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. §fjZay3e4t*1y, 15. 0!Zäz& 1888. fllehar dar *tBMbllftf•« Mttaratar.aalcha dar Badart 0• qywiüt ward#«, Bado* \m dlaaa■ RUUaalagaheada BaaaraehaaB Mal Zlaaaadaaf ▼a« awet BaeOaalaaa* Kxaaiplaraa arfalgt «laaiallg« haraa Oratia-laaertlaa. Inhalt: W i 8 g e n s c h a ft liehe Aufsätze: Böine’s Beziehungen zum Jndenthum und Christenthum. — 5iur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh.!Fortsetzung). icht: Recensionen: Litteraturberi Von Fürstin Natalie Gortschakoff. — I^eubauer, Ad Anecdota Oxonienta. Inserate. ״Juden und Christen“. Das ״Jldlseke Utterstar-Blatt4< erscheint wöchentlich in einem halben 1 fugen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalbin und Buchhandlungen Mark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratar-Bl^tt“ gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. tttr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. mm' Buchhändler n Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 26 X Rabatt. -J-ד->-- 1 glauben. Als er im Winter desselben Jahres zur : Aufnahme in die Lesegesellschaft sich meldete, wurde׳ ihm diese abgeschlagen, weil man ihu für einen Jaden. 1 hielt. Nan war er doch Christ und konnte sich als solcher geltend machen. Letzteres verschmähte er. Man erfahr seine Religionsänderang erst, als er einige Jahre später einen verdriessliohen Handel mit der Polizei hatte, der ihn auf mehrere Tage wegen eines Missverständnisses aaf die Hauptwache braohte. Der Actaar wollte damals zur Einleitung des Verhörs Namen, Stand, Religion etc. anfsohreiben, hatte schon die Rubrik Religion mit ״Israelitisch'• aasgefüllt, and hörte za nicht geringer Verwunderung, dass Beklagter Christ war. Was war also die Ursache des Uebertrittes zum christlichen. Glauben? Betrachten wir Börnes Verhältniss zu Christen- und Jadentham. Von seiner frühesten Jugend hatte Börne eine Art Missstimmung gegen seine ursprünglichen Glaubensgenossen offen getheilt, welche sich mit den Jahren immer mehr and mehr vergrösserte. ״Die staatsbürgerliche Gleichheit soll den Jaden nicht als ein Verdienst, als ein Lohn, sie soll ihnen als ein unveräusserliches Recht zuerkannt werden. Schlimm ist für die Jaden, dass der Deutsche in dieser Sache wie immer unter der strengen Regierang seines Herzens steht. Selbst um gerecht zu sein, muss der Deutsche lieben. Nun liebt man aber die Juden nicht. Aber der starke Mann der Wahrheit und des Rechts muss auch sein Herz zu. meistern wissen. Sie wissen, wie meines für die Juden schlügt! Und habe ich sie darum nicht dooh immer vertheidigt?“ Wiewohl er für ihre bürgerliche Gleichstellung zn jeder Zeit seines Lebens mit Wärme eintrat, stiess ihn doch, den Idealisten, ihre stark realistisohe Richtung, welche sioh mit dem Drucke der Zeit besonders heraasgebildet hatte, erheblioh ab. Nioht mit Unrecht hatte schon Steinth&l darauf hingewiesen, dass Börnes Abneigung gegen die Jaden mit seiner Ansicht überden Handel, den Kaafmannsstandim Allgemeinen znsammenhing, ״denn -die Jaden Frankfurts waren Kaufleute.“ — ״In Leipzig“ — schreibt Börne unterm _Nschdruch nur mll xroller Quell« jangab« gestiftet._ Börne’s Beziehungen zum Judenthum und Christenthum.f) Am 17. April 1818 erschien{ im ״Frankfaiter Intelligenzblatte “ folgende Anzeigä: ״Dr. Baruch macht seinen Freunden und Allen, mit welchen er die Ehre bat in Verbindung zu stehen, die Aenderung! seines Namens bekannt. Von jetzt an nennt and unterzeichnet er sioh Dr. Ludwig Börne. Frankfurt a. M., d n 14. April 1818.“ Am 5. Juni 1818 trat Börne zur protestantischen Kirche über. Pfarrer Bertuoh in Rödelheim leitete die geistliche Handlung und sein Sohn nahm als Taafzenge Theil. Von diesem Pathen nahm Börne den Namen Karl an, Karl Ludwig Börne. Wie er auf diesen letzten Eigennamen kam, ist erst in neuester Zeit einigermassen klar geworden,**) am wenigsten ist dieses natürlich durch seinen humoristischen Stammbaum in den ״Briefen aus Paris“ möglich, wo sich Börne von dem grossen Bör ־־ musste er nur in üblicher Weis«) bei dem Senate durch Zeugnisse aus den Büohern des Standesbeamten darthan, dass kein zweiter Börne in Es gab nur einen Schuhmacher Börner. Persönliche Vortheile hatte er bei diesem Uebsrtritte zur christlicheu Religion nioht gesa.bt. Deshalb mochte er auch sonst von diesem für sein!» nächste Zukunft entscheidenden Schritte wenig Aufhebens machen. Selbst in Frankfurt war seine Tarfe wenig bekannt; seine eigenen Eltern mochten eu lange Zeit nicht *) Aus dem soeben im Verlage von Berlin erschienenen: ״Ludwig Börn dargestellt von Dr. Michael Holzmani. "*) Laut einer Mittheilung der ״Fraukf. Zeit. 6. sMai 1886) finden sich nämlich auf devorletzten Seite eines au Anlass der : Börne-Jubiläumsfeier bekannt gewordenen Taschenkalenders von Börne’s Hand di« Worte: ״Namen—Börde —Börne—Börketr“; ״Börne“ ist unterst-ichen. Diesen Spuren der Seihsttaufe gemäss häte Börne der berühmt gewordenen Namen sich selbst zusammengesetzt. Robert Oppenheim in e, nach den Quellen (Nr. 126 v. 8. October 1803 an. Madame Henriette Herz — ״habe ich mit Veit nnd Fränokel gesprochen. Ersterer, wie ioh erfahren habe, hat meinem Schwager erzählt, ioh hätte in Berlin za viel Zerstreuung gehabt, nnd dergleichen. Das war mir sehr unlieb za hören; denn wie ioh Ihnen sage, die Frankfurter Juden leben auoh■ nooh 80 in Gottes Namen fort and bekümmern sioh Wenig um das wie? und warum? and denken nioht weiter als ihre Sinne reichen. Sehen Sie das Wasser trübe, gut, so sohliessen sie auf Schlamm, and die Blödsiohtigen erkennen nioht den trüben Widersobein.

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