Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-03-01 · N° 9. (1.3.1888) · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 9. (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 36 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492408-6488258-9805909--1396-4856544
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Der Talnnd. Vortrag gehalten am 1. Tage des Hüttenfestes 5648 von Dr. L. Munk. Marburg 1887. Za keiner Zeit ist es wohl nothwendiger and dankbarer, sowohl von der Kanzel in der Predigt, als anch vom Katheder in einem Vortrage äber obigen Gegenstand, den vielbesprochenen and wenig verstandenen, za handeln, als giade in der ansrigen. ״Nothwendig“, weil ja zar Genüge die Erfahrung lehrt, dass fast kein Litteratnrerzeagniss 80 sehr Verkennnag and Missverständniss erfahren hat and erfährt, wie der Talmad and ״dankbar“, weil jeder nach Bildang strebende — Jade and Christ — eine gewisse Kenntniss von diesem Biesenwerke anstrebt. Beferentist vor kurzer Zeit darem gern der Anfforderang nachgekommen, die ‘an ihn vom Vorsitzenden des hiesigen ״wissenschafblich-litterarischen Vereins“, dessen Mitglieder verschiedenen Confessionen angehören, erging, an einem Abend über den Talmad vorzatragen. Ebenso werden alle, denen obiges Schriftchen za Gesichte kommt, sicher dem Aator Dank wissen, dass er es verstanden, den interessanten Gegenstand, wenn aach nur in aller Kürze, — da ja der Vortrag eigentlich aas einer gehaltenen Predigt entstanden ist — wenigstens seinen Umrissen nach den Hörern and Lehrern vorzaführen. Za bedauern ist’s jedoch, dass der Verf, der am Hüttenfeste obigen Vortrag vor seiner Gemeinde hielt, der er aach den sogenannten ״Feststranss“ za erklären das allerdings leicht begreifliche ßedürfhiss fühlte, diesen fast beständig zam tertium comparationis für den Talmad benutzt. Daher kommt es, dass Ersterer bei diesem Vergleich seiner ganzen hohen Bedeatang nach etwas zn kurz kommt, Letzterer bei der Beartheilung nicht im rechten oder wenigstens nicht im genügenden Lichte erscheint. So heisst es S. 7: ״ Der Lalaw besteht aas den verschiedenartigsten Naturerscheinungen....; sie alle verbinden ans za einem Ganzen zam Preise des allgütigen Vaters. So sind es denn aach die verschiedenartigsten Personen, die im Talmad unseren Blicken sich zeigen . . ., alle arbeiten an dem Aasbaa des Gesetzes, sie alle widmen ihre Geisteskraft der Erforschung des heiligen Gottes- Wortes.“ Abgesehen davon, dass dieser Vergleich etwas ״hinkt“, da wir die verschiedenen Gewächsarten am Hättenfeste verbinden, während die ״verschiedenartigsten Personen“ sich selbst zar Erforschang des Gesetzes vereinigen, bedarf es ohne Zweifel, wenn man ein Bild von der im Talmud niedergelegten Arbeit entwerfen will, der näheren Angabe der eigentümlichen^Art dieser ״Geisteskraft“, du^ch welche von den Gelehrten des Talmud’s das Gotteswort erforscht wurde. Es heisst ferner gleich darauf: ״Wenn wir mit dem Lalaw in der Hand ans in’s Gotteshaus begeben, erscheint derselbe dem Uneingeweihten ganz bedeutungslos ... So aach ißt es mit dem Talmad. Dem Uneingeweihten ist der Talmad zameist anverständlich . . . nar wer in seine Sprache vollständig sich eingelebt hat, vermag ihn wirklich za verstehen«?‘ Gehört wirklich nar die Kenntniss and das Verständniss der Sprache des Talmnd’s dazu, denselben nach seinem Inhalt za be- 'greifen? Ist es nicht vor Allem der Geist, der oft nar durch ein Wörtchen oder durch eine Bedewendang, die so charakteristisch sind, dass sie kaum übersetzt werden können, markirt wird, in den man sich hineinsaleben hat, am seinen Werth za schätzen? Aaoh der Verf. scheint nach Anlage seiner Schrift von dem allerdings nicht zu missbilligenden Princip aaszugehen, dass alle Schilderangen vom Talmad keine rechte -Vorstellung von demselben veranlassen, wenn man nicht wenigstens einige Proben aus seinem Inhalt dem Publikum vorfährt. Daram füllt er seinen Vortrag — ״Predigt kann man’s nicht gut nennen — mit vielen and, wir müssen hinzafügen, dem Hüttenfeste and unserer talmudfeindlichen Zeit angemessenen Er- Zahlungen aus der Agada and mit treffenden Be- Stimmungen aus der Halaoha aas. Darin liegt unserer Meinung nach der Werth obigen Schriftohens, weil nar 80 Nichtjuden die ethische und humane Seite, und Jaden aach die halaohisohe Seite des Talmuds kennen za lernen im Stande sind. L. in K. Bamberger, Seckel. Lekaoh tob (Pasikta sutarta). Ein agg&disoher Commentar za Megillath Bath von Babbi Tobia ben Eiieser zum 1. Mal herausgegeben nach einer Hs. der Münchener Hof- und Staatsbibliothek, mit Vergleichung der betr. Hss. aus den Bibliotheken Oxford Bit. Mns. London Cambridge, Wien, Petersburg, Parma and Born und mit Commentar versehen. Einleitung. Inaugaral-Dissertation zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde an der Universität zu Leipzig. Eine Dissertation eines Theologen aus dem Gebiete der jüdischen Litteratur scheint uns die beste Einführung in den theologischen Beruf, denn in seinem and für seinen Beruf za wirken, heisst seinen Platz ehren and ihm'Ehre verschaffen. Und obwohl bereits Gelehrte wie Buber die Biographie des Babbi Tobia ben Eiieser geschrieben, hat der Verf. manch interessanten neaen Beitrag hinzpgeliefert. Wir allerdings neigen ans noch immer der Ansicht Buber’s zu, dass Babbi Tobia nicht aas Mainz war. Aach ohne Eisenbahn und Telegraphen hatten die Juden des Mittelalters in den Verfolgungen, die sie erlitten, Wege der Mittheilung, die heute noch unser Staunen erregen. Seite 9 —16 bringt Ergänzungen and Berichtigungen zu Baber’s Biographie, die der Verf. mit Becht als grundlegend bezeichnet; p. 16—35 bringt Exegetisches und Lexicalisches aas dem Commentar Lekach-tob zu Buth and p. 35—56 enthält Anmerkungen zum Lekach-tob Buth and machen wir besonders auf die Anmerkung Seite 39—44 aufmerksam, der wir uns vollständig anschliessen. Der junge Autor hat sich durch diese Dissertation als tüchtiger Eorscher auf c,em Gebiete der Midrasch- Litteratur erwiesen. Wir wünschen ihm noch recht oft auf diesem Litteratur-Gebiete zu begegnen. Jungbanzlau. Dr. M. Grünwald. Litterarische Notizen. ״Taras Manilla“ des Elia vonSobe ist der Titel 3in-_ Abhandlung Von Dr. Richard J. H. Gottheil, von welcher J 1 Verfasser jüngst dem ״Hebr. Union College“ eine Abschrift geschenkt hat. Sie enthalt den Originaltext und die englische Uebersetzung der syrischen Grammatik der Elias bar Schinaga (Metropolitan von Nisibis 1008), welcher unter den Grammatikern und Schriftstellern zur Zeit einen hohen Rang behauptet. Herr Gottheil erscheint in diesem Buche nicht blos als Copist und Uebersetzer; seine gelehrten Anmerkungen, welche den grössten Theil des Inhalts ausmachen, bekunden ausserdem seine grosse Vertrautheit mit der syrischen Litteratur. Das Buch ist natürlich nicht als Grammatik für Anfänger bestimmt, gewährt aber reiferen Schülern nützliche und schätzenswerthe Beiträge zar wissenschaftlichen Philologie. Relaen Trester-Branntweln in Kistchen mit 2 Literflaschen versendet franco für Mk. 4.— A. Andernach, Hamm in Westf Verantwortlicher Redactenr Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. W o 11 'f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.