Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 9. (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805909--1393-4856541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisehes Jabrg.XVII. Litteratiir-Blatt. Sv BilMekti«! «Iler Jtdiith«■ ■td Ji4m bttrdfftade« IllUririaehea Kr* 1dkelaa1|t• atf de« Uftblete der PkU•• lopkl«, Qaiehlebt«, Kthadfrapkl«, Theo* 10*1•. OrfoftUli», Kxefeee» Homiletik. Lltenrik 1u PidA*o*lk. Herausgegebeu ron * Rabbiner Or. Xorilz liahmer. 0T£a<j3e6u1t<j, 1. 0Ttär!& 1888. Blcn«r dcrtllHUi|i|HLht<raUr^alcl1• der BaSxet *a aafuudt werde« t hdei le dleeeai Bl«tte eltfekeede Eeeereehed« •ei KImmmmSmmx ree ■wel keceaeiees• KeeMpleree erfolgt etaaeellge tan« firetle-lMtertieM. Das ״Jüdische Lltteratnr-Jilatt« erscheint wöehentlioh in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhandlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Kark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen * Kark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 86 Pf. iur die gespaltene Petit-/.eile, Beilagen mit 80 Kark, berechnet uol sind an die Expedition dieses Blattes za. senden. Bnchh«udler a Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einaenden, erhalten '25 yi Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Unser Öclvma. — Zur Chronologie. Vpn L. Cohen in Rees a. Rh.!Fortsetzung). Litteraturbericfht: R e ce n s i o n en: JStem, Moritz Zwei patriotische Kundgebungen. — Der 'ijalinud. Vortrag, gehalten am 1. Tage des Hüttenfestes 5448 von Dr L. Munk. - Bamberger, Sechei. Lekach tob (Pasikta sutarta). L itte r ar ische Notiz. — Inserat. - - - - ■ -|- Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. ' I Unser Sch’ma.1 Der Streit darüber, ob und welohe Glaubenslehren wir haben, ist alt; er soll hier nicht erneuert werden. 1 Soviel steht jedoch fest: wir haben keine Glaubens-! lehren im kirohlichen Sinne, nicht solche, welche weder begriffen noch bewiesen werden können, nnd : nur auf Treu und Glauben angenommen werden; müssen. 1 Unsere Gebetordnung hat ausser den einleitenden Psalmgesängen: 1. das Glaubensbekenntnis der! קריאת שמע als קבלת עור מלכות שמים d. ^Anerkennung des : Ewigen nnd Einen Gottes und 2. das wie 3. קריאת התורה die Belehrung lesung und Predigt. So einfaoh der Inhalt des Sch’ma lautet, so steht er doch nioht allgemein gültig ’ ־־' Setzungen sind nicht immer gleich werden oft bekrittelt nnd zurückgewiesen. Wir übersetzen: ״Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig. “ Andere: ״ H. jL der Ewige (Herr) unser Gott, der Ewige-(Herr) ist eanzig.“ Die letztere Uebersetzung wird angeblich gewählt, nm nicht zn sagen, dass dieser Gott nur exclusiv unser Gott und nicht der universelle Gott der ganzen Welt, aller Menschen and Völker sei. Der Universalismus des jüdischen[ Gottes aber liegt an sich im jüdischen Gottesbegrin; der ״ewige und eine“ Gott kann eben kein Natioualgott, muss universeil sein.*) Die Idee vom Natimalgott der Juden beruht auf heidnisohem Missverstäudniss und christlioher Polemik. Schon bei den Samaritanern begegnen Gebet תפלת ע-עז)» durch Schriftvör- ' fest. Die Ueber- 1 nnd abweichende *)Wir glauben auch, dass die Bezeichnung Gottes als י״י צבאות nicht,: wie üblich, in dem beschränkenden Sinne .,Herr der Heerschaaren“ (= Kriegsgott) za fassen sei, sondern 1m Gegentheil im ■miverseUsten Sinne als. Herr des Universums“, denn unter צבאות sind nicht die Kriegshuerschaaren verstanden, sondern וסל צבאם pאm ״ השמיםdie Scha&ren des Himmels und der Erde“, lalle das Universum füllenden geschaffenen Wesen, die Hinujelek&rper nnd die Nat [irreiche. (Red. wir dem heidnischen Irrthum, das■ wie jedes Volk und Land seineu König, so auoh seinen besondem Gott habe. Das Christenthum hat dadurch sogar noch jedem Lande und Volke, ja jeder Person, einen besondem Heiligen und B^tron gelassen. In gleicher Weise dachte man auch von Israel und seinem Gotte; das Christenthum nannte den Gott Israels daza, nicht aus Irrthum, sondern in polemischer Absioht, einen Nationalgott; es erniedrigte das Judentham nnd drückte es auf die Stufe des Heidenthums hinab, nm mit dem Universalismus seiner Lehre und seines Gottes höher zu stehen. Wir haben indess ein Rsoht, die Lehre vom ״ewigen-einenu Gotte beute noch die ansrige zu nennen. Dem ehemaligen Heidenthum gegenüber war Israel gewiss berechtigt zu sagen: ״unser Gott“. Aber auch dem Christenthum gegenüber mit seiner Trinitätslehre hat es einen Sinn, dies zu betonen. Der ״Ewige“ ist Gott, will sagen, die geschäfFenen Wesen, leblosen Gestirne, niederen Thiere bis zum Menschen hinauf, können nioht Gott genannt werden; nur der Ewige, der nicht geschaffen, von jeher war, immer sein wird, and nie stirbt and vergeht, als solcher auoh nur ״Einer“ sein and* keinen zweiten neben sich haben kann und hat, nur dieser kann der wahre Gott sein, und zu diesem Gott bekennen wir uns, dieser Gott ist ״unser Gott“. Es sind demnaoh 2 Momente in dem Soh’ma- Bekenntnisse enthalten: 1. Der Ewige ist Gott und 2. Jfer Ewige ist einzig. In dieser Auffassung von Gott liegt auoh die Bedeutung des heiligen Tetragramms, nämlioh Gott ist, d. h. nat wahrhafte, ewige Existenz im Gegensatz zu allen vergänglichen Existenzen; ist ewig (אהיה), ist persönlioh (אגבי ,אהיה), ist unbestimmbar (אהיה אשר אהיה ich bin der ich bin). Als der ewige and anveränderliche Gott ist er auoh unbeschränkt, amfassend, daher ״allmächtig“ (אל), allliebend (Sfim .. fUffl), also ein Gott der ״Liebe“, dessen Strafgerechtagkeit auoh Liebe ist (7171 ,• ונקה), Dies ist unser Gottesbegriff, unsere Gotteserkenntni8s nnd unser Gottes bekenn tniss. Wenn wir hierbei ״unser Gott“ betonen, so sind wir hierbei weit entlernt, Exalasivität auszudrüoken; im Gegentheil, wir bekennen hiermit gleichzeitig die Pfliont und den Beruf Israels, an dieser Lehre festznhalten, sie durch alle Zeiten and Welten za tragen nnd unter allen Mensohen and Völkern an־ verbreiten. Unser Gottesbekenntuisa soll indess nioht trockner Grundsatz des Glaubens sein, der nur im Geiste aufzubewahren sei, sondern er soll Beziehungen zum praktischen Leben gewinnen — durah Erfüllung