Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 6. (9.2.1888)
- Date
- 1888-02-09
- Page
- Seite 24 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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24 gleich heraus, für das Selbststudium bearbeiten. Nach seiner Meinung müsse es jedem mit dem Hebräischen , gründlich Vertrauten leicht .sein, mittelst seiner Methode das Verständniss ־ des Talmuds sich anzueignen. Diese seine Methode besteht darin, dass er zunächst an der Spitze jedes von ihm behandelten Talmudabschnittes die darin vorkommenden Wörter samint deren Uebersetzung, sowie deren gedrängte sprachliche und sachliche Erläuterung gibt, worauf der Abschnitt im Originale mit einer correcten, präeisen doch gemeinverständlichen deutschen Uebersetzung folgt; auch unterlässt er es nicht, die beim Talmud- Studium so wichtige, ja unentbehrliche Raschi-Erklärung in deutscher Uebersetzung in Parenthesen einzuschalten. Desgleichen citirter an mehreren passenden Stellen die correcte Uebersetzung der Scholien der Tossafisten. Herr Lederer schreibt consequent (wohl als Reminiszenz an die ehemals gebräuchliche talmudische Ausdrucksweise): Tossafot sagt, und hat übersehen, dass Tossafot ein Plural ist, wie auch dass diese Scholien nicht von einem Verfasser, sondern von mehreren, aus der sog. Tossafistenschule herrühren. Bei dieser Gelegenheit muss Referent bemerken, dass es ihm zur Vermeidung von Irrthümern geeigneter erschiene, wenn der Druck der Erklärungen Raschi’s und der Tossafisten durch andere 1 kleinere) Typen in der Uebersetzung hervorgehoben wäre, welcher Unznkömmlichkeit in einer hoffentlich nöthigen zweiten Auflage abgeholfen werden könnte. Der Verfasser schickt dem ersten Hefle seiner Chrestomatie eine ausführliche hodegetische Einleitung voraus, in welcher er sich über die Entstehung, Bestandtbeile, Methode, Composition, Dialektik, Terminologie und Sprache des Talmuds suslässt und behandelt in demselben Hefte Stücke aus den Traktaten Berachoth, Baba Mezia. Synhedrin und einige andere. Im zweiten Hefte werden fernere Talmndstücke aus Berachoth, Megilla und Rosch Haschana geliefert. Das dritte Heft endlich bringt auserlesene Stücke aus dem für den angehenden Rabbinat.s - Canditaten so überaus wie*.tigen Traktate Chulin u. z. die Abschnitte über das Sch lach tmesser, das Schächten, über Trefotb, den wichtigen Abschnitt über die Lunge, ferner über בשד בחלב .:יד דגשה und endlich über תרערבית; zum Schluss bringt das Heft Abschnitte aus dem Traktate Pesachim.* Die Auswahl der Stücke ist^eine zutreffende und dem pädagogischen Grundsätze vom Leichtern zum Schwierigem entsprechende. Besonders muss Referent es mit Anerkennung hervorheben , dass der Verfasser Fleiss und Mühe nicht gescheut hat, an den so schwierigen Traktat Chulin heranzutreten, der seines Wissens zum ersten Male hier ins Deutsche übersetzt wird, denn der sei. Jost hat nur die Mischnajot übersetzt und Rabbinowitz hat sich in seiner ״Legislation du Talmuda blos auf die Wiedergabe des Inhalts dieses Traktates beschränkt. Nur vermag Ref. sich nicht zu erklären, warum der Verfasser die Abschnitte aus dem leichtern Traktate Berachot, die im zweiten Hefte enthalten sind, nicht gleich mit den Stücken aus demselben Traktate im ersten Hefte gebracht hat. Oder .sollten etwa ökonomische Gründe für ihm dabei massgebend gewesen sein, indem er gleich im ersten Hefte Stücke aus andern Talmudtheilen, namentlich aus dem so interessanten Traktate Baba Mezia liefern wollte? — Jedenfalls-sind wir Herrn Lederer zu Dank verpflichtet, dass er zum ersten Male es versucht hat, den Talmud pädagogisch zu bearbeiten und drücken zum Schluss den Wunsch .aus, dass er in seinem Vorhaben nicht erlahmen und und uns die gleiche Bearbeitung anderer Talmudtraktate bald .Liefern möge. Dem jüdischen Publikum aber leg9n wir es sehr ans Herz, das Unternehmen des Herrn Lederer zu fördern und wirksam zu unterstützen . Strakouitz Böhmen), 12. Januar 1888. Rabb. Dr. S. Dankowitz Lezingen, gehouden in de Veerenigiug voor Joodsche Letterkunde en Geschiedenis te ’S Grave 11liagen, gedurende bet eerste vereenigingsjaar 188(! bis 1887. Niet in den handel 1887. (Vorlesungen, gehalten in der Gesellschaft für jüdische Litteratur und Geschichte zu Gravenhage, während des ersten Vereinsjahres 1881887—יי. Nicht im Buchhandel.) Dieses Buch enthält ti interessante Vorlesungen über Persönlichkeiten, die einen Ein- und Abschnitt in der Entwickelungs-Geschichte des Judenthums bilden. Herr T. Tal, Oberrabbiner in Arnhem, las in recht gründlicher Weise über R. Saada Gaou (p. 1—tili), Herr J. D. Wijnkoop, auch sonst duroh seine Studien über die Neginoth und sein Gutachten über den Gebrauoh des Dünenwassers zu rituellen Frauenbädern wohlbekannt, las über R. Joseph Karo, und obwohl dieser Vortrag des Rabbiners der Niederl. isr. Gemeinde Amsterdams in aller Eile (in Vertretung) geschah, sieht man den gründlichen Forscher und Kenner talmudisch-halachischer Disciplinen in jeder Zeile desselben (p. (»7—88) Den 3. Vortrag hielt Rabbinatscandidat T. Lewe ustei n über Maimonides (p. 89—133). Obwohl nichts Neues geboten wird, so ist doch die Art der Zusammenstellung aller wesentlichsten Momente in der Geistesentwickelung dieses Geisteshelden anzuerkennen. Den 4. Vortrag hielt Herr L. Waagenaar, Oberrabbiner in Lawarden, über das Buch Jjob (134—100). Dies vielgedeutete Buch, das Voltaire als die grösste Philosophie ententhaltend hinstellt, wird in interessanter Weise zsrgliedert. Wir können es uns nicht versagen, die Schlussworte _ des Vortrages hier anzuführen: ״Ja Gott erscheint! Nun schweigt alles Fleisch, und ein Strahl des Heiles und der Genesung bestrahlt die Menschheit. Wir sekliessen das Buch Jjob, aber vergessen es nimmmer. — Der 5. Vortrag über Benjamin di Tudela, den Verfasser der Masseoth Benjamin, von J. L. Sohlberg, Rabbiner in Gravenhage, ist hochinteressant (p. Hil--199). Würdig schliesst dieses Buch mit dem Vortrage des Herrn A. R Pereira seu , Ob^rrabbiner der spanisch-portugiesischen Gemeind(! in Amsterdam, über Rabbi Jehuda Hanassi (195—245). feämmtliche Vorträge, die das Interesse für jüd. Litteratur und Geschichte zu wecken berufen sind, haben sicherlich ihren Zweck erreicht und wir wüusehen diesem Verein weiteres Gedeihen, indem wir überzeugt sind, [dass diese gedruckten Vorträge auch ausserhalb [der Niederlande Beifall finden und Anregung bieten werden. Juugbunzlau, den 27. Januar 188s. i Dr. M. Grün wähl LittfTansclif1 111 II. Keiitlicr's Verlagsbuchhandlung in Hrrlin sind erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen: Schriften de( Institntnm Judaicum in Berlin: No. ׳>: Joma der Mijschnatractat ״Versühnungstag“, herausg. u. erkl. von Prof. D. H L. Strack, 8" 40 S. —80 Pt’. — No. 4: Der leidende und der sterbende Messias der Synagoge im ersten nachchristlichen Jahrhundert von Lic. Dr. G. H. Daiman, b" 100 /&. — M. 2 Porta lingnarum Orientalin»! incl. J. H. Petermann. cout. H. L. Strack, pars VIII. Chrestomathia targumica. E codicibus vocalibus babyl. inst. ed. A. Merx. b° 300 S. — M. 7.50. Verantwortlicher Kedaetenr Dr. Rahmer, Magdeburg.. Druck vonD. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig i tu1 ׳