Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-02-09 · N° 6. (9.2.1888) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 6. (9.2.1888)
Date
1888-02-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-6488258-9805906--1378-4856529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M «. Jüdisches Jahrg.XVI Litter atur ■Blatt. Zar Belearhtiif •Har Jateathaa ■ad Jedaa bttraffaad^i lltterarlafhe« Cr• (1h«laaa1r«B aaf 4«■* tiablatc der Philo• Mpkle, Geschieht^, EthaOfraphle, Theotoffl«, Orleatalla^ Kutan* HomMetlk. Lftaralk a. Pida«oclk. Heraasgegeben von Rabbiner Dr. lloritz Rahmer. C). 1888. Bieber der elaeehlifffOM Lllteratarvwelel• t der Kedaetioa sageeaadt werde■, *ad«■ ha dleM« Blatte elageheade Beepreeh«** Bel Eiaieadaaf von awet Reeension<•• RxewpUren erfolgt elaaaallge karu Gratia-faaertloa. Das ״JMische Lltterxtur. Itlxtt' Leipzig bei Robert Friese) pro Jahi a'len Postanstalten and Buchhandlungen erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in ang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei __ Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — leserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark! berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za senden. ” “ Buchhändler u Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ■jf Rabatt. •ga S י W i s s e n s c h a t't 1 (Fortsetzung, Rees a. Rh. — Zur phönic: L itte raturbe Lehrbuch zu! u. s. w. Vc Lezingen, gelj■ künde en U (1 riinfel d - l.itterarisch I 1111 alt: iche Aufsätze: Rabl) — Zur Chronologie. Die Egvptologie und d Ischen Grabschrift. Von m cht: Recensionen Selbstunterricht im >n ltabb. Dr. S. Dank ouden in de Veereniging nschiedenis te 'S Grave ,] ungbunzlau. — An zeigen. i Simon ben Gamliel. Von L. Cohen in ie jüdische Geschichte. 4rthur S. Weissmann. תלמודה של בבל 1 labvlonischen Talmud owitz-Strakonitz. — voor Joodache Letterishageu. Von Dr. M. -4- Nachdruck nur mit T7־oller Quellerangabe gestattet. Rabbi Simon ben Gamliel. ^Fortsetzung.) Es ist eine scheinbar seltsame und doch so natürliehe Erscheinung, dass die beiden Führer der dialektischen Schule auch die ersten Sch ritte gethan haben zur systematischen Ordnung der Halachah. In dem Bewusstsein, dass die Dialektik weniger begabte Nat.uren leicht irre führen könne, hatte schon R.AEIba seinen dialektischen Untersuchuugei: eine systematische Mischnahsammlluug zu Grunde gelegt. Diese Mischnah aber, wenn si^ überhaupt niedergeschrieben worden ist, war mehr ein Lehrbuch als eii Gesetzbuch, mehr ein Leitfaden für den Schüler ז nd Gelehrten, als für der Rieht, :r. P Meir setzte iu diesem Sinne die Arbeit seines Lehrers fort und kum diesem deshalb in so fern am nächsten, als er besser wie die anderen Schüler Akibajs und seine eigenen, begriff, dass die Dialektik wenhlos sei, wenn nisht ihre Resultate systematisch geordnet werden. I!1m stehen die Resultate der Forschung höher, als di! Forschung selbst. Die Arbeit R.jMeir’s jedoch, welche unter der veränderten»Form| des ״S’tam Mischna“ uns vorliegt, diente, wie es scheint, nicht lediglich wissenschaftlichen Zwecken, sondern hatte wahrschein ich einen offioiellen Charakter. Hiitte sie diesen nicht gehabt, so bliebe es unklar, wie in der Tendenz di« Tosiphta R. Nehemia’s sich voll der Miscbnah R. Ji.eir's unterschieden hat, wenn beide nur das Misch! ahwerk R. Akiba’s haben ergänzein wollen, warum R Meir’s eigene Ansichten nicht )selten mit dem ״S’tan'•1 in Widerspruoh stehen, -warum B Meir, der das Ansehen eines für die Praxis entscheidenden Lehrers nicht hat, im ״S’tam“ immer normirfnd ist. Auch das ist schwer denkbar, dass R. Jehudja das Privatwerk e;nes Gegners seines Hauses, eines!Mannes, dessen Name nicht im Lehrhause erwähnt werden darfte, zur Grundlage seiner Mischnah genommen haben wird. R. Meir, der gründliche Karner der H&Iäoha hat, wie es scheint, hat, nicht als Privatgelehrter, sondern als Chacham, als Beamter des Synhedrion, die Mischnah verfasst. Es war eiue Sammlung von Gesetzen, die, mochte sie aach R. Meir von vornherein angelegt haben, pr&ktische Geltung erst durch die Sanction des Synhedrions erhalten hatte und die, nachdem R. Meir ans dem Synhedrion ausschied und R. Simon die Fanetionen des Ohaoham mit denen des Patriarchen vereinigte, wahrscheinlich von diesem fortgesetzt worden ist. War aber das Werk E. Meir’s ein nnter Aufsicht des Synhedrions ausgearbeiteter Gesetzescodex, dann ist die Frage, wie weit dieses Werk die persönlichen Ansichten R. Meir’s wiedergiebt, um so wichtiger. Die Frage ist schwer zn beantworten, um so schwieriger, als wir die Arbeit R. Meir’s selbst nicht vor uns haben. Nur darin herrschte zwischen diesen beiden Führern ihrer Zeit eine, so 'viel wir wissen, vollkommene Uebereinstimmung, dass beide die Noth- Wendigkeit einer Halachasammlüng anerkannten und in derselben nur Resultate der Forschung niedergelegt haben wollten. R. Simon bezeichnet den D i n d. h. ein geordnetes Gerichtsverfahren als Grandlage der sittlichen Weltordnung, er ist ' überall bemüht, die Autorität der Gerichtshöfe zu stärken, er will das Gesetz den Flactuationen persönlicher Anschauungen entroissen, er ist endlich ein Anhänger der damals in Judäa beinahe verschollenen Schale R. Ismaels, und giebt im Gegensatz zu deu Gelehrten seiner Zeit, den Anhängern der Akibaischen Set!ule (mit Ausnahme R. Meir’s), der Systematik vor der Dialektik den Vorzug. Nur in so weit lassen sich die Beziehungen R,Simon’s zur Mischna R.Meir's mit einiger Wahrscheinlichkeit verfolgen. Sie genügen zur Erkenntniss, dass R. Simon das volle Verständniss für seine Zeit besessen bat, dass wenigstens diese eine grosse Zeitfrage der Mischnahcödificirung ihn, der in allem Andern einen so schroffen Contrast zn R. Meir bilde.t, in vollem Einklang mit demselbengefunden hat. Aber diese Uebereinstimmung war nicht hinreichend, um den Ausbruch des Conflicts für die Dauer unmöglich za machen. Als bei der Coastituirung des Uschaitischen Synhedrions die wichtigsten Functionen und besonders der Vortrag 'im Lehrhause dem R. Meir übertragen wurden, konnte R. Simon keinen Widerspruch erheben, weil er selbst damals wegeu seines Mangels au Erfahrung zur Leitung des Lehrhauses unfähig war. Seit dieser Zeit hatte sich seine Gesetzeskenntniss erweitert, sein Ruf als Gesetzeslehrer vermehrt, die Entwickelung, welche besonders unter seinem Sohne R. Jehuda das Syuhedrialwesen genommen hat, lässt es nicht verkennen, dass schon R. Simon das Patriarchat aus dem mehr ibrmellen zum factischen Mittelpunkt des Syn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.